Wladimir Putin spricht per Videokonferenz mit den Mitgliedern der russischen Nationalmannschaft vor den Olympischen Winterspielen. | dpa

Putin reist zu den Olympischen Spielen Demonstrativer Schulterschluss mit China

Stand: 03.02.2022 10:26 Uhr

Russlands Präsident Putin reist zur Eröffnung der Winterspiele nach Peking - von dem politischen Boykott anderer Länder will er nichts wissen. Er betont stattdessen die gute Freundschaft zu seinem chinesischen Amtskollegen.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau

Zum zweiten Mal ist China Gastgeber der olympischen Spiele. Am Tag der Eröffnungsfeier der Sommerspiele 2008 in Peking kam es zum Krieg zwischen Russland und Georgien. Diesmal droht der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine die Winterspiele in China zu überschatten. Der Westen befürchtet eine militärische Eskalation. Die NATO und die USA werfen Russland vor, einen Überfall auf die Ukraine vorzubereiten. 

Stephan Laack

Russland als starke Nation

Aus Sicht des russischen Präsidenten Wladimir Putin bieten die olympischen Spiele in Peking die Möglichkeit, sein Land als starke Nation zu präsentieren. Dies dürfte vor allem eine Botschaft an das eigene Volk sein.

Bei der Verabschiedung der russischen Sportlerinnen und Sportler sagte der Kremlchef: "Die harte Konkurrenz wird den Kampf um Olympisches Gold zweifellos noch spektakulärer, schärfer und intensiver machen. Aber wie Sie wissen, haben wir in Russland keine Angst vor Schwierigkeiten. Sie machen uns eher noch stärker, geeinter und selbstbewusster. All diese Qualitäten, davon bin ich überzeugt, werden sich auch in Peking voll entfalten."

Putin: Boykott ist falsche Entscheidung

Mit Gastgeber China verbindet Russland eine enge Partnerschaft. Natürlich wird es sich der russische Präsident nicht nehmen lassen, persönlich zur Eröffnung der Spiele nach China zu reisen - auf der Gästeliste stehen unter anderem die Staatschefs von Kasachstan, Turkmenistan und Ägypten, der Kronprinz von Saudi-Arabien und der Generalsekretär der Vereinten Nationen Guterres.

Viele westliche Länder boykottieren die Spiele auf politischer Ebene aus Protest gegen Menschenrechtsverletzungen in China. Den politischen Boykott der USA und anderer Länder verurteilte Putin als nicht hinnehmbare und falsche Entscheidung. Der Sport dürfe nicht für politische Zwecke missbraucht werden.

"Spiele auf sehr hohem Niveau"

Putin wird den Besuch aber auch nutzen, um Chinas Präsident Xi Jinping zu treffen und lobte schon im Vorfeld die perfekte Organisation: "Es gibt allen Grund zu der Annahme, dass die Spiele in Peking auf einem sehr hohen, würdigen Niveau stattfinden werden und ihre glänzende Seite in die Annalen der weltweiten Olympischen Spiele schreiben werden."

Putin weiß aus eigener Erfahrung wie sich ein solcher Boykott anfühlt. Als Russland 2014 Gastgeber der Spiele in Sotschi war, blieben ebenfalls viele westliche Staats- und Regierungschefs fern - wegen Kritik an Menschenrechtsverstößen. Während der Spiele begann die russische Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim, und auch damals war vom olympischen Frieden keine Spur.

Russland will an die Weltspitze

In Peking sind russische Sportler und Sportlerinnen nur als Athleten des russischen olympischen Komitees vertreten: Eine Strafe wegen breit angelegter Doping-Vergehen. Statt der russischen Hymne erklingt Musik von Tschaikowski, und es wird die Flagge des russischen olympischen Komitees statt der russischen gehisst.

Trotzdem wird Russland alles daran setzen, sich in der Weltspitze festzusetzen. Ein Platz unter den ersten drei Nationen ist das Ziel, 30  Medaillen sollen her. Ein 13. Platz wie bei den zurückliegenden Spielen in Pyeongchang wäre sicherlich indiskutabel.

Und so sagte die erst 15-jährige Eiskunstläuferin Kamila Walijewa, amtierende Europameisterin und Topfavoritin auf Gold in Peking: "Ich hoffe, wir werden ihr Vertrauen rechtfertigen. Wir werden versuchen, unsere beste Form zu präsentieren und so viele Medaillen wie möglich für Russland zu gewinnen." Und Kamila Walijewa fügte hinzu, sie freue sich, Präsident Putin wieder nach den Spielen zu treffen, wenn es der Terminkalender des Kremlchefs erlaube.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Februar 2022 um 05:23 Uhr.