Marina Oesyannikova (Aufnahme 21. Juni 2022 ) | dpa

Nach neuer Protestaktion Owsjannikowa vorübergehend in Haft

Stand: 18.07.2022 02:01 Uhr

Nach einer zweiten Protestaktion gegen Russlands Angriffskrieg in der Ukraine ist die Fernsehjournalistin Owsjannikowa vorübergehend festgenommen worden. Inzwischen ist sie wieder frei.

Die durch ihre Protestaktion im Live-Programm eines Fernsehsenders gegen den Militäreinsatz in der Ukraine bekannt gewordene Journalistin Marina Owsjannikowa ist in Russland festgenommen worden. Laut ihrem Anwalt hat die Festnahme nach seiner Vermutung "in irgendeiner Weise" mit einer erneuten Protestaktion Owsjannikowas vor wenigen Tagen zu tun.

Auch das Bürgerrechtsportal "OVD-Info" in Moskau und die Organisation Cinema for Peace in Deutschland berichteten über die Festnahme. Die frühere Mitarbeiterin des russischen Ersten Kanals sei in das Krasnoselski-Polizeirevier in Moskau gebracht worden. In der Nacht meldete "OVD-Info" unter Berufung auf den Anwalt, Owsjannikowa sei wieder frei.

Neue Protestaktion am Freitag

Die 44-jährige Owsjannikowa hatte vor wenigen Tagen alleine in der Nähe des Kreml stehend demonstriert, indem sie ein Plakat in die Höhe hielt, auf dem der russische Einsatz in der Ukraine kritisiert und Präsident Wladimir Putin als "Killer" bezeichnet wurden.

Am Freitag hatte Owsjannikowa im Online-Dienst Telegram Fotos von sich selbst bei der Aktion veröffentlicht. Derartige öffentliche Erklärungen sind in Russland als Veröffentlichung von "Falschinformationen" und "Verunglimpfung" der Armee strafbar. Sie können mit langen Freiheitsstrafen belegt werden.

Spektakuläre Aktion im Live-TV

Owsjannikowa war am 14. März während der Nachrichtensendung "Wremja" des Senders Perwy Kanal hinter der Nachrichtensprecherin aufgetaucht. Owsjannikowa, die selbst als Redakteurin für den Sender arbeitete, hielt ein Schild mit der Aufschrift "Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen" in die Kamera. Sie rief außerdem "Stoppt den Krieg!", bevor die Live-Übertragung abbrach. 

Dafür bekam die bis dahin als linientreu geltende Redakteurin weltweit Anerkennung. In Russland wurden Geldstrafen gegen sie verhängt. Nach der Aktion lebte sie zwischenzeitlich im Ausland und berichtete für die deutsche Zeitung "Welt". Anfang Juli gab sie ihre Rückkehr nach Russland bekannt, um nach eigenen Angaben einen Sorgerechtsstreit um ihr Kind beizulegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juli 2022 um 07:00 Uhr.