Menschen stehen in Moskau zum Impfen an. | AFP

Russland in der Pandemie Mit Zuckerbrot und Peitsche zur Impfquote

Stand: 24.07.2021 17:01 Uhr

Russlands Regierung hatte eigentlich geplant, bis zum Herbst 60 Prozent der Bevölkerung durchzuimpfen. Doch dieses Ziel wird sie wohl weit verfehlen. Gewinnspiele und Druck auf Firmen sollen der Kampagne auf die Sprünge helfen.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau,  zzt. Köln

Die russischen Behörden versuchen mit Zuckerbrot und Peitsche, die Impfquote nach oben zu treiben - und greifen dafür auch schon mal zu unkonventionellen Methoden. In Moskau wird zum Beispiel eine Tombola veranstaltet, bei der als Preis ein französischer Mittelklassewagen winkt. Die Verlosungen werden live im TV übertragen.

Stephan Laack

Die Moderatorin betont gleich zu Beginn, wer berechtigt ist hier teilzunehmen: "Ich möchte Sie daran erinnern, dass es bei unserer gesamten Abendveranstaltung heute darum geht, dass Menschen ein Auto gewinnen können, wenn sie geimpft wurden. Wir verlosen heute fünf Autos live." In der russischen Stadt Ufa kann man sogar eine Wohnung gewinnen - meistens sind die Belohnungen aber nicht ganz so spektakulär.

Die Behörden können auch anders

Wenn es mit dem ganz großen Gewinn nicht geklappt hat, locken immerhin noch kleinere Prämien. Für über Sechzigjährige gibt es zum Beispiel Warengutscheine im Wert von umgerechnet elf Euro, die in Apotheken, Geschäften und Restaurants eingelöst werden können. In anderen russischen Regionen gibt es auch mal ein iPhone, manchmal etwas größere Geldgeschenke, aber keine Riesensummen.

Allerdings können die russischen Behörden auch anders. Präsident Wladimir Putin wies in dieser Woche noch einmal darauf hin, dass notfalls auch mit Druck gearbeitet werden darf. "Gouverneure und Regionalleiter haben bei entsprechender Empfehlung der leitenden Sanitätsärzte das Recht, im Falle eines starken Anstiegs der Inzidenz eine Impfpflicht für bestimmte Gruppen einzuführen", stellte er klar. Mehrere Gouverneure hätten davon Gebrauch gemacht.

Verpflichtende Impfquote für Betriebe

In Moskau und in einigen anderen russischen Städten sind Betriebe aus dem Dienstleistungssektor, Handel und Verkehr verpflichtet, bis Mitte August 60 Prozent der Belegschaft vollständig geimpft zu haben. Wer sich weigert, darf dann so lange er nicht geimpft ist auch nicht zur Arbeit kommen. Dann bekommt er aber auch kein Geld. Betrieben, die das Ziel nicht erreichen, droht eine Geldstrafe oder sogar die vorrübergehende Schließung.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Juli 2021 um 08:08 Uhr.