Ein Polizeiwagen steht auf dem leeren Roten Platz in Moskau, Russland. | AFP

Corona-Pandemie Russland geht in Zwangsurlaub

Stand: 30.10.2021 16:35 Uhr

Die Corona-Zahlen in Russland sind auf einen neuen Höchstwert gestiegen. Um die Virusausbreitung einzudämmen, hat Präsident Putin das Land in Zwangsurlaub geschickt. Denn noch immer ist nur ein Drittel der Menschen geimpft.

Wegen der weiter steigenden Zahl der Ansteckungen mit dem Coronavirus hat in Russland eine arbeitsfreie Woche begonnen. Präsident Wladimir Putin hatte zuvor für das ganze Land bezahlten Urlaub vom 30. Oktober bis 7. November ausgerufen. Davon betroffen sind die meisten staatlichen Organisationen und privaten Unternehmen. In der von steigenden Infektionszahlen besonders betroffenen Hauptstadt Moskau wurden viele Beschäftige bereits am Vortag in einen pandemiebedingten Zwangsurlaub geschickt. Es dürfen nur noch Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Apotheken und Supermärkte öffnen.

Die Regierung hofft mit der arbeitsfreien Zeit die Ausbreitung des Virus zu drosseln, weil die meisten Menschen den Büros und öffentlichen Verkehrsmitteln fern bleiben. Doch viele Menschen in Russland nutzen die Zeit vor der langen Wintersaison offenbar für einen Urlaub im Warmen. Die Buchungen von Pauschalreisen nach Ägypten und in die Türkei nahmen zu.

Neuinfektionen auf neuem Höchstwert

Die Corona-Zahlen in Russland stiegen derweil auf neue Höchstwerte. Die Behörden verzeichneten binnen eines Tages zuletzt 40.251 Neuinfektionen - so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. 1160 weitere Menschen seien mit oder an dem Coronavirus gestorben. Der Kreml verwies auf Warnungen von Epidemiologen, die sich besorgt über Reisepläne vieler Russen während der Urlaubstage gezeigt hätten. Laut Umfragen will etwa ein Drittel der Bevölkerung die Corona-Ferien nutzen, um zu verreisen.

Die Behörden machen für den aktuellen Anstieg der Corona-Fälle den langsamen Fortschritt der Impfkampagne des Landes verantwortlich. Nur etwa 49 Millionen der fast 146 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Russlands sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Zwar sind Impfungen seit Monaten frei erhältlich - dennoch sind nach Regierungsangaben nur 32,5 Prozent der Bevölkerung vollständig immunisiert.

Putin wirbt für Anerkennung von Impfzertifikaten

Der russische Präsident warf den Partnerländern in der G20-Gruppe eine Behinderung der internationalen Impfkampagne vor. "Wegen der Entscheidungen der G20 haben Länder, die es nötig hätten, keinen Zugang zu Impfstoffen", sagte Putin in seiner per Videoschalte zum G20-Gipfel nach Rom übertragenen Rede. "Gerade die Länder der G20 sind nicht bereit zu einer gegenseitigen Anerkennung von Impfstoffen." Grund dafür seien "Protektionismus und unanständiges Konkurrenzdenken".

Damit spielte der russische Präsident darauf an, dass der in seinem Land entwickelte Impfstoff Sputnik V in den meisten westlichen Ländern immer noch nicht zugelassen ist. Im Gegenzug akzeptiert Russland bislang keine Zertifikate über eine Immunisierung mit einem westlichen Präparat wie etwa von BioNTech/Pfizer. In deutschen G20-Delegationskreisen wurde indes darauf verwiesen, dass es in Russland ein ausgeprägtes Misstrauen gegen die eigene Regierung gebe - und dass dies offenbar auch die Bereitschaft beeinflusse, sich mit Sputnik V impfen zu lassen.

Keine EU-Zulassung für Sputnik V

Putin forderte die Gesundheitsminister der G20 auf, schnellstmöglich über die gegenseitige Anerkennung von Impfstoffen und Impfnachweisen zu beraten. "Wir schlagen vor, die Gesundheitsministerien der G20-Staaten zu beauftragen, sich zeitnah mit der Frage der gegenseitigen Anerkennung nationaler Impfzertifikate zu befassen", sagte er. Auch forderte er die Weltgesundheitsorganisation WHO auf, die Prüfung neuer Präparate zu beschleunigen.

Der Kreml hatte bereits in der Vergangenheit betont, für eine Anerkennung bereit zu sein, pocht aber auf Gegenseitigkeit. Die WHO hatte kürzlich die Prüfung für eine mögliche Notfallzulassung von Sputnik V nach einer Unterbrechung wieder fortgesetzt. Eine EU-weite Zulassung des russischen Präparats durch die Europäische Arzneimittelagentur EMA ist ebenfalls auch nach monatelanger Prüfung bislang nicht erfolgt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Sendung "Studio 9" am 30. Oktober 2021 um 06:08 Uhr.