Zeichnung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj an einer Hauswand | dpa

Russische Medienaufsicht Selenskyj-Interview soll nicht gezeigt werden

Stand: 27.03.2022 20:44 Uhr

Russlands Zensurbehörde greift immer härter durch: Die Medienaufsicht Roskomnadzor warnte russische Medien davor, ein Interview mit Ukraines Präsident Selenskyj auszustrahlen. Ein Internetportal widersetzte sich der Anordnung.

Russlands Medienaufsicht Roskomnadzor will die Veröffentlichung eines Interviews mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj verhindern. "Roskomnadzor benachrichtigt russische Medien über die Notwendigkeit, von der Veröffentlichung des Interviews abzusehen", teilte die Behörde in Moskau mit. Roskomnadzor kündigte zudem eine Überprüfung aller Medien an, die das Selenskyj-Interview führten, um "das Ausmaß der Verantwortung und Reaktionsmaßnahmen" zu bestimmen. Russlands Generalstaatsanwaltschaft kündigte eine "rechtliche Bewertung des Inhalts der veröffentlichten Äußerungen" an.

Meduza veröffentlicht anderthalbstündiges Interview

Unter den russischen Journalisten, die kürzlich mit Selenskyj per Videoschalte sprachen, war auch ein Reporter der bekannten Moskauer Tageszeitung "Kommersant". Auch die oppositionelle "Nowaja Gaseta" unterstützte das Interview eigenen Angaben zufolge. Beide Blätter veröffentlichten Selenskyjs Worte zunächst nicht.

Auch die Medien Meduza und Doschd, deren Seiten in Russland allerdings ohnehin bereits blockiert sind, waren vertreten. Das Portal Meduza veröffentlichte das rund anderthalbstündige Interview trotz der Warnung der Medienaufsicht am Abend auf seiner Seite, die etwa über alternative Internetverbindungen und aus dem Ausland weiter zu erreichen ist.

Der Chefredakteur des ebenfalls bereits geschlossenen Radiosenders Echo Moskwy, Alexej Wenediktow, kritisierte auf Telegram, dass die russische Medienaufsicht nicht einmal Gründe für ihr Vorgehen nannte. Selenskyj sei immerhin der legitime Präsident der Ukraine - das habe auch der Kreml stets bekräftigt, schrieb Wenediktow.

Scharfe Repressionen gegen Journalisten in Russland

Journalisten und Aktivisten beklagen seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar verstärkte Repressionen, denen kritische Medien ausgesetzt sind. Ein neues Mediengesetz sieht etwa bis zu 15 Jahre Haft für angebliche Falschnachrichten über Russlands Streitkräfte vor.

Die Medienaufsicht veröffentlichte ihre jüngste Warnung auch auf Telegram. Dort hat sie ein Z in ihrem ansonsten kyrillisch geschriebenen Namen gegen den lateinischen Buchstaben ausgetauscht und führt den Kanal nun unter der Bezeichnung RoskomnadZor. Das Z ist ein von Befürwortern des Kriegs genutztes Symbol und steht für "Za Pobedu" - "Für den Sieg".

Über dieses Thema berichtete Mdr aktuell am 27. März 2022 um 21:00 Uhr.