Das Kolosseum in Rom | Jörg Seisselberg

Renovierung des Amphitheaters Kolosseum bekommt neue Arena

Stand: 03.05.2021 18:49 Uhr

Rom poliert sein Kolosseum auf. Anstatt auf Mauerreste im Bauch des Amphitheaters zu blicken, sollen Touristen ab 2023 einen Boden aus Holz betreten können - ähnlich wie die Gladiatoren zu ihren blutigen Kämpfen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Das Erlebnis in Roms Kolosseum soll ein bischen so werden wie damals vor fast 2000 Jahren. Das sei das Ziel des geplanten Umbaus, sagte Italiens Kulturminister Dario Franceschini. "Wir reden hier über das in der Welt bekannteste Bauwerk Italiens."

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Er glaubt, dass die geplanten Arbeiten von großer Bedeutung sind. Sie würden Nachhaltigkeit, bessere Erhaltung des Bauwerkes und Technologie verbinden. "Sie werden einen Besuch im Kolosseum noch stimulierender machen."

"Bühne soll nachgebaut werden"

Kern des Projekts ist, dass die Fläche in der Mitte des Kolosseums wieder mit einer Bodenkonstruktion bedeckt werden soll. Bislang bietet sich Besucherinnen und Besuchern nur der Blick sozusagen in den Bauch des antiken Bauwerkes. Zu sehen sind die Mauerreste, die früher zum Untergeschoss des Kolosseums gehörten. Für viele ist es schwer, sich vorzustellen, wie der ursprüngliche Zustand des größten Amphitheaters zurzeit des alten Roms war.

"In der Antike gab es in der Arena eine Holzfläche mit Sand", erläuterte Alfonsina Russo, die Direktorin des Archäologischen Parks des Kolosseums. Die Untergeschosse der Arena seien unter Kaiser Domitian von 81 bis 96 nach Christi Geburt in Mauerwerk gestaltet worden. "Und darauf stützte sich die Holzfläche der Arena."

Eine solche Konstruktion, sozusagen die Bühne, die Spielfläche des Amphitheaters, soll jetzt nachgebaut werden. Damit, sagt Direktorin Russo, werde das Kolosseum bei einem Besuch besser "lesbar". "Mit dieser Veränderung wird der Faden der Zeit wieder aufgenommen. Die Besucher haben dann endlich wieder das Bild, das man in der Antike von der Bühne des Bauwerks hatte."

Bewegliche Bodenkonstruktion

Der neue Boden im Zentrum der Arena soll aus beweglichen Karbonleisten bestehen, die mit Holz verkleidet werden. Sie werden den ganzen, 3000 Quadratmeter großen Innenraum bedecken - und für Besucherinnen und Besucher begehbar sein. Diese würden dann an genau der Stelle stehen, an der früher die Gladiatoren in blutige Kämpfe geschickt wurden. Der Plan wurde mit dem Kulturministerium abgestimmt.

Die neue Bodenstruktur wird beweglich sein, um - bei quergestellten Leisten - weiterhin Einblicke auch in das Untergeschoss zu gewähren. Dieser Mechanismus soll auch die Luftzirkulation ermöglichen, die nach Ansicht von Archäologen wichtig ist, um die antike Struktur im Bauch des Kolosseums nicht zu gefährden. Die Ingenieure verzichten auf Verankerungen im Boden, um die erhaltenen Mauerreste nicht anzutasten. Parallel soll ein neuer Museumsparcours zwischen den Mauern des Untergeschosses gestaltet werden.

Sattes Minus im ersten Pandemie-Jahr

Die neue Arenakonstruktion soll bis 2023 fertiggestellt sein. Laut Kulturminister Franceschini ist die Renovierung des Kolosseums ein wichtiger Teil der geplanten "Renaissance" der italienischen Kulturdenkmäler nach der Pandemie. Der sozialdemokratische Kulturminister hat sich bereits vor der Pandemie bemüht, die Organisation des Kulturbetriebs in Italien zu entstauben und beispielsweise Museen wie die Uffizien in Florenz für alle Bevölkerungsschichten attraktiv zu machen.

Bevor die Pandemie über Italien hereinbrach, war das Kolosseum mit über 7,5 Millionen verkauften Eintrittskarten das am meisten besuchte Bauwerk Italiens. Im vergangenen Jahr gab es wegen Corona für das Bauwerk, das zu den sieben Weltwundern der Neuzeit zählt, Einnahmeeinbußen von knapp 50 Millionen Euro, ein Minus von rund 85 Prozent.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 04. Mai 2021 um 11:21 Uhr.