Marc Walder | picture alliance / dpa

Corona-Berichte in der Schweiz Schwere Vorwürfe gegen Ringier-Chef

Stand: 06.01.2022 15:16 Uhr

Den Medien wird häufiger vorgeworfen, sie berichteten nicht frei - gerade während der Corona-Krise. In der Schweiz sorgt nun ein Video des Ringier-Medienkonzernchefs Walder für Aufsehen, das diese Vorwürfe befeuert.

Von Sandra Biegger, ARD-Studio Genf

Die Aussagen, die Marc Walder derzeit um die Ohren fliegen, haben es in sich. Der Medienmanager und ehemalige Tennisprofi hatte im Februar 2021 bei einer digitalen Veranstaltung der Schweizerischen Managementgesellschaft gesagt: "Wir hatten in allen Ländern, wo wir tätig sind - und da wäre ich froh, wenn das in diesem Kreis bleibt - auf meine Initiative hin gesagt, wir wollen die Regierung unterstützen durch unsere mediale Berichterstattung, damit wir alle gut durch die Krise kommen."

Sandra Biegger

In dem Video sagt Walder weiter, dass die Medien kein Öl ins Feuer gießen dürften, weil die gesellschaftliche Lage in der Pandemie ohnehin sehr angespannt sei: "Wir müssen versuchen, dass die Politik - ob sie jetzt schnell genug, hart genug, zu wenig hart und so weiter agiert -, aber dass die Politik das Volk nicht verliert. Und hier dürfen die Medien nicht einen Keil treiben zwischen die Gesellschaft und die Regierung."

Walder: Aussagen waren missverständlich

Das Video schlägt in der Schweiz hohe Wellen. Schließlich ist Ringier mit rund 6800 Mitarbeitern einer der größten Medienkonzerne im Land. Zu ihm gehören unter anderem das Boulevardblatt "Blick" und mehrere Radio- und Fernsehsender. Medienwissenschaftler, Journalisten und Bürger in der Schweiz diskutieren über die umstrittenen Aussagen von Walder.

Der versucht, den Schaden zu begrenzen, indem er große Interviews gibt - auch in Medien, die nicht zum Ringier-Konzern gehören. Gegenüber der "Neuen Zürcher Zeitung" ("NZZ") sagte er, seine Aussagen seien missverständlich formuliert gewesen - ein Fehler.

Auf die Tatsache, dass die Publikationen des Ringier-Konzerns nicht auf billigen Empörungsjournalismus setzten, sondern faktenorientiert und sachlich über die Notwendigkeit verschiedener Maßnahmen schrieben, sei er jedoch stolz. Die Redaktionen von Ringier stützten sinnvolle und wichtige Maßnahmen wie Maskentragen, Testen und Impfen.

Ringier-Journalisten wehren sich

Den Journalisten der Ringier-Gruppe hat Walder mit seinen Aussagen einen Bärendienst erwiesen. Die Boulevardzeitung "Blick" schreibt denn auch schmallippig in einer Erklärung in eigener Sache, sie müsse sich seit der Veröffentlichung des Videos ihres Konzernchefs von Konkurrenten und auf Social Media anhören, ihre Corona-Berichterstattung sei fremdgesteuert, unkritisch und regierungshörig.

Vorwürfe, die die Redaktion nicht stehen lassen will. Es treffe zu, dass sich der Chefredakteur der "Blick"-Gruppe und der Ringier-Chef Walder regelmäßig austauschten. Manchmal sei man gleicher Meinung, manchmal nicht: "In jedem Fall war und ist es die Redaktion, die um inhaltliche Fragen ringt, die über den einzelnen Beitrag, die Schlagzeile, den Journalismus entscheidet." Man arbeite bei "Blick" journalistisch unabhängig vom Chef des Medienkonzernes, zu dem man gehöre. "Die Äußerungen unseres Chefs rücken uns in ein falsches Licht." Dieser habe sich bei der "Blick"-Redaktion dafür auch entschuldigt.

Entschuldigung bei der "Bild"-Zeitung

Entschuldigt hat sich Walder auch bei der "Bild"-Zeitung. In dem Video aus dem Jahr 2021 war er explizit auf die sehr kritische Berichterstattung der "Bild"-Zeitung bezüglich der deutschen Corona-Politik eingegangen. Walder sagte, er sei überzeugt, dass eine so kritische Berichterstattung gewalttätige Ausschreitungen begünstigen würden.

Eine Aussage, die der Ringier-Chef mittlerweile auch als unglücklich bezeichnet und die vielleicht noch ein internes Nachspiel haben könnte. Denn der Axel Springer Verlag, in dem "Bild" erscheint, arbeitet mit dem Ringier-Konzern unter anderem in Osteuropa zusammen.

Zeitpunkt kein Zufall ?

Dass das fast ein Jahr alte Video mit den umstrittenen Aussagen von Walder ausgerechnet jetzt veröffentlicht wurde, dürfte kein Zufall sein. Die Schweizer stimmen am 13. Februar über ein Medienpaket ab. Dabei geht es darum, ob der Staat den Medien in Zeiten sinkender Anzeigeneinnahmen finanziell zusätzlich unter die Arme greifen soll.

Die Gegner dieses Vorhabens sagen unter anderem, von der finanziellen Förderung würden vor allem große Konzerne wie Ringier profitieren. Walder sagte im Radio SRF denn auch, er sei sich sicher, dass Gegner des Medienpaketes das Video gezielt jetzt veröffentlicht hätten.