Ein Panzer der polnischen Armee vom Typ Leopard 2 steht auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Hohenfels in einem Waldstück. (Archivbild vom 27. Januar 2022)  | dpa

Debatte über "Leopard 2"-Lieferung Kiew will mit Training am Panzer beginnen

Stand: 21.01.2023 09:55 Uhr

Wird der "Leopard 2"-Panzer geliefert oder nicht? Kiew ist optimistisch und plant bereits, in Polen Soldaten an dem Panzer zu trainieren. Die US-Regierung warnt derweil davor, sich militärisch zu stark auf Bachmut zu fokussieren.

Noch ist keine Entscheidung gefallen, ob Deutschland der Ukraine "Leopard 2"-Panzer zur Verfügung stellt - oder der Weitergabe durch andere Länder zustimmt. Dennoch sollen ukrainische Soldatinnen und Soldaten Medienberichten zufolge bereits mit ihrer Ausbildung an den Panzern in Polen beginnen. Darauf hat sich Verteidigungsminister Oleksii Resnikow offenbar mit mehreren Staaten geeinigt.

"Wir werden damit anfangen und dann weitermachen", zitierte ihn der ukrainischsprachige US-Sender "Voice of America". Resnikow bezeichnete die Entwicklung der Ausbildung als Durchbruch und führt den Erfolg auf die Bemühungen Polens zurück.

Der Verteidigungsminister dankte auch der deutschen Regierung und der Bevölkerung für die Militärhilfe. Nach einem Treffen mit seinem neuen deutschen Kollegen Boris Pistorius sagte Resnikow, dass die Gespräche über die "Leopard 2"-Panzer fortgesetzt würden.

Selenskyj kämpft weiter für den "Leopard"

Deutlichere Worte fand Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er werde weiter für eine rasche Lieferung von deutschen "Leopard 2"-Panzern an sein Land kämpfen, sagte er nach der Ukraine-Konferenz in Ramstein. Er habe bei den Gesprächen viel Verständnis für die Erfordernisse der von Russland angegriffenen Ukraine gehört, sagte Selenskyj. "Ja, wir werden noch kämpfen müssen um die Lieferung moderner Panzer, aber mit jedem Tag machen wir es noch offenkundiger, dass es keine Alternative gibt zu der Entscheidung für Panzer."

Bei der Konferenz auf dem US-Luftwaffenstützpunkt fiel noch keine Entscheidung für die Lieferung von Kampfpanzern, weil Deutschland weiter zögert. Trotzdem zeigte sich der ukrainische Präsident in seiner in Kiew verbreiteten allabendlichen Videobotschaft optimistisch, dass er die Panzer erhalten wird. Zudem benötige Kiew Raketen mit größeren Reichweiten, um ukrainische Gebiete zu befreien.

Austin: Erfolg hängt nicht von einzelnem Waffensystem ab

Zurückhaltend äußerte sich die US-Regierung. Sie betonte, dass jedes Land souveräne Entscheidungen treffe, was die Lieferung von Waffen angehe. "Wir drängen niemanden zu etwas und lassen uns auch von niemandem zu etwas drängen", sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, in Washington.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin betonte, für den militärischen Erfolg der Ukraine sei nicht ein einzelnes Waffensystem entscheidend. Die Ukrainer hätten ein Paket mit großen militärischen Fähigkeiten bekommen - darunter seien Schützenpanzer aus den USA und anderen Ländern. Wenn diese Mittel richtig eingesetzt würden, könnten sie zum Erfolg führen.

US-Regierung: Frühjahrsoffensive vorbereiten

Ein ranghoher US-Vertreter äußerte sich zudem zur ukrainischen Militärstrategie. Kiew sollte sich nach seiner Einschätzung nicht auf die Verteidigung der ostukrainischen Stadt Bachmut fixieren, sondern die Zeit zur Vorbereitung einer Frühjahrsoffensive gegen die russischen Truppen nutzen, sagte der Regierungsvertreter.

Auf lange Sicht sei Russland im Kampf um Bachmut allein wegen der zahlenmäßigen Überlegenheit ihrer Truppen und ihrer Artillerie-Ressourcen im Vorteil. Eine mögliche Eroberung der Stadt durch Russland würde jedoch keine bedeutende Veränderung im Krieg darstellen, weil die ukrainischen Truppen sich auf gut geschützte Positionen zurückziehen könnten, sagte der US-Vertreter.

Statt Soldaten und Munition im Kampf um ein strategisch unwichtiges Ziel zu opfern, rate die US-Regierung der Ukraine, ihre Truppen neu zu ordnen. Kiew solle die von den USA geleiteten Ausbildungsprogramme nutzen, um eine Offensive mit schwer bewaffneten Truppe im Süden des Landes zu starten. Entsprechende Waffen für eine Frühjahrsoffensive würden derzeit in die Ukraine geschickt, darunter allein in den vergangenen Tagen mehrere hundert gepanzerte Fahrzeuge, sagte der Regierungsvertreter.

BND: Ukraine verliert täglich dreistellige Zahl an Soldaten

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Kirby, äußerte sich ähnlich. Die berüchtigte russische Söldnergruppe Wagner werfe ihre Kämpfer derzeit "buchstäblich in einen Fleischwolf", um Bachmut und die Nachbarstadt Soledar zu erobern, sagte er. Eine Eroberung der beiden Städte durch die russischen Truppen würde "die Dynamik auf dem Schlachtfeld" jedoch nicht entscheidend verändern. Die Ukraine würde bei einem Verlust von Bachmut nicht plötzlich ins Hintertreffen geraten, sagte Kirby.

Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" ist der Bundesnachrichtendienst (BND) besorgt über hohe Verluste der ukrainischen Armee im Kampf um Bachmut. Er berief sich auf Informationen, die der BND in einer geheimen Sitzung Sicherheitspolitikern des Bundestages geliefert habe. Demnach verliere die ukrainische Armee bei den Kämpfen mit den russischen Invasoren um die Stadt derzeit täglich eine dreistellige Zahl an Soldaten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Januar 2023 um 10:00 Uhr.