Rettungskräfte bei Kiew, Ukraine | REUTERS

Mehrere Tote in der Ukraine Russland greift erneut Infrastruktur an

Stand: 23.11.2022 17:49 Uhr

Bei russischen Raketenangriffen sind nach ukrainischen Angaben mehrere Menschen getötet und viele verletzt worden. Im gesamten Land wurde Luftalarm ausgelöst, in mehreren Regionen fiel der Strom aus. Auch die Republik Moldau ist betroffen.

Aus der ukrainischen Hauptstadt und weiteren Gebieten sind erneut massive Raketenangriffe gemeldet worden. Landesweit galt ein Luftalarm. In Kiew wurden der dortigen Militärverwaltung zufolge drei Menschen getötet und neun weitere verletzt. In der umliegenden Region kamen vier Menschen ums Leben, 34 wurden verletzt, wie der Gouverneur Oleksij Kuleba mitteilte.

Auch der Südosten des Landes sei beschossen worden. Bereits in der Nacht war bei russischen Raketenangriffen in Wilnjansk in der Region Saporischschja nach ukrainischen Angaben die Entbindungsstation eines Krankenhauses getroffen worden. "Schmerz überflutet unsere Herzen - ein Säugling, der gerade erst auf die Welt gekommen ist, wurde getötet", schrieb der Militärgouverneur von Saporischschja, Olexandr Staruch, auf Telegram.

Raketeneinschläge meldete die Ukraine auch aus der Region Donezk, wo ein Mensch getötet und acht weitere veletzt worden sein sollen. Die Angaben der Kriegsparteien sind grundsätzlich kaum rasch und unabhängig zu verifizieren. Die Vereinten Nationen haben seit Kriegsbeginn mehr als 6500 zivile Todesopfer registriert, darunter mehr als 400 Kinder.

Wasserversorgung in Kiew ausgefallen

In der Hauptstadt Kiew sei durch den russischen Beschuss auch ein Objekt der kritischen Infrastruktur beschädigt worden, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Um welches Gebäude es sich handelte, war zunächst unklar.

Kurzzeitig fiel das Antennenfernsehen aus und es gab stärkere Schwankungen im ohnehin angeschlagenen Stromnetz. Wenig später teilte Klitschko mit, dass in der gesamten Metropole mit ihren drei Millionen Einwohnern die Wasserversorgung ausgefallen sei. Nach Angaben eines städtischen Energieversorgers wurden Notstrom-Aggregate aktiviert. "Bleiben sie in den Bunkern. Die rote Alarmstufe gilt weiterhin", appellierte Klitschko an die Einwohner.

Außenminister Kuleba spricht von "Raketenterror"

Die westukrainische Stadt Lwiw war laut Bürgermeister Andrij Sadowyj nach Angriffen zunächst komplett ohne Strom. "Russland feiert seine Einstufung als Terrorstaat mit neuem Raketenterror gegen die ukrainische Hauptstadt und andere Städte", schrieb der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba auf Twitter.

Ungeachtet des Beschusses haben beide Länder erneut Gefangene ausgetauscht. "Wir haben 36 unserer Leute nach Hause geholt - einen Zivilisten und 35 Soldaten", teilte der Chef des Präsidentenbüros in Kiew, Andrij Jermak, auf Telegram mit. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte, dass 35 eigene Soldaten freigekommen seien.

Stromausfälle auch in der Republik Moldau

Auch das Nachbarland Moldau ist von großflächigen Blackouts betroffen. "Nach Russlands Bombardierung des ukrainischen Energiesystems in der vergangenen Stunde haben wir landesweit massive Stromausfälle", teilte der moldauische Vizepremier Andrei Spinu über Telegram mit. Der Versorger Moldelectrica arbeite daran, das Problem zu lösen.

In der ukrainischen Region Chmelnyzkyj wurde laut des Gouverneurs das dortige Atomkraftwerk vom Stromnetz abgetrennt. Medien berichteten zudem von Notabschaltungen in zwei weiteren Kraftwerken. Ob es einen Zusammenhang zwischen diesen Vorfällen und den Stromausfällen in Moldau gab, war zunächst unklar.

Gezielte Angriffe auf die Infrastruktur

Die russische Armee greift seit Wochen gezielt Infrastruktur-Einrichtungen wie Umspannwerke, Fernheizungen, Elektrizitätswerke und andere Teile der öffentlichen Versorgung mit Raketen an. Bislang waren deswegen bis zu zehn Millionen Ukrainer von längeren Stromausfällen betroffen.

Russland ist vor knapp neun Monaten in die Ukraine einmarschiert. Nach zunehmenden militärischen Rückschlägen begann Moskau vor einigen Wochen mit gezielten Angriffen auf die Energieversorgung des Nachbarlandes und richtete dabei bereits massive Schäden an. Die Ukraine, die ihren Bürgern nun stundenweise den Strom abschalten muss, um Engpässe zu vermeiden, spricht von "Energieterror".

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.