Ein Spielzeug-Paddington-Bär und ein Marmeladen-Sandwich | dpa

Nach Tod von Elizabeth II. Sandwiches, Ziegen und kuriose Anfragen

Stand: 12.09.2022 10:01 Uhr

Marschierende Ziegen, trauernde königliche Bienen und am Palast abgelegte Sandwiches, die bei der Londoner Parkbehörde für Unmut sorgen: Der Abschied von Königin Elizabeth II. hat auch Kurioses hervorgebracht - eine Übersicht.

Die Briten haben der Queen vor ihren Palästen mit vielen Mitbringseln Tribut gezollt: Teddys, Corgi-Kuscheltiere, eingepackte Marmeladen-Sandwiches. Das bereitet der Parkbehörde aber Kopfschmerzen. Sie bat am Sonntag darum, davon abzusehen. Lediglich Blumen, ohne Plastikschutz, sollten abgelegt werden. Die Parkbehörde Royal Parks muss das Material nach den Trauerfeierlichkeiten entsorgen.

"Im Interesse der Nachhaltigkeit bitten wir die Besucher, nur organisches oder kompostierbares Material zu verwenden", teilte die Behörde auf ihrer Webseite mit. "Leider können keine Geschenke und Artefakte angenommen werden, und die Öffentlichkeit wird gebeten, diese nicht in die Parks mitzubringen." Auch Kerzen waren tabu, wie die Parkbehörde schreibt. In London sollten sämtliche Blumen möglichst in dem eigens ausgewiesenen Gedenkareal im Green Park nahe des Buckingham-Palastes abgelegt werden.

Ein letztes Marmeladen-Sandwich

In Erinnerung an Königin Elizabeth II., die am Donnerstag im Alter von 96 Jahren in Balmoral in Schottland gestorben war, hatten Menschen unter anderem Teddys und Marmeladenbrote abgelegt. Die ungewöhnlichen Mitbringsel sind eine Hommage an eine überraschende schauspielerische Einlage der Queen, die sich für einen Videoclip zu ihrem 70-jährigen Thronjubiläum in diesem Jahr mit dem animierten, aus Kinderbüchern und Filmen bekannten Paddington-Bären zum Tee getroffen hatte. Dazu gab es - ganz nach Paddingtons Geschmack - Marmeladen-Sandwiches. Sie habe immer eins in ihrer Handtasche dabei, verriet die Monarchin dem Bären - und zog prompt ein Sandwich aus ihrer feinen schwarzen Ledertasche hervor. Der Clip wurde erstmals zum Auftakt eines Konzerts mit etlichen britischen Stars gezeigt, das am Jubiläumswochenende Anfang Juni in London stattfand. Die Menschenmassen vor dem Buckingham-Palast zollten der Queen mit großem Jubel und Applaus Anerkennung für ihre schauspielerischen Qualitäten - in den sozialen Medien ging das Video viral.

Imker informiert königliche Bienen

Der königliche Imker hat die Bienen auf dem Gelände des Buckingham-Palastes über den Tod der Queen und die Thronbesteigung ihres ältesten Sohns Charles informiert. Er habe schwarze Schleifen um die Bienenstöcke gebunden und ihnen die traurige Nachricht auch mündlich überbracht, sagte John Chapple (79) der Zeitung "Daily Mail". Demnach sprach er den Bienen in besänftigendem Ton zu: "Die Herrin ist tot, aber geht nicht fort. Euer neuer Herr wird euch ein guter Herr sein." Die Handlung geht demnach auf einen alten Aberglauben zurück, nach dem die Bienen die Honigproduktion einstellen würden, sollten sie nicht zeitnah über den Thronwechsel unterrichtet werden.

Die Ziege Lance Corporal Shenkin IV., das Maskottchen des Royal Welsh Regiments | dpa

Durfte beim Marsch des Royal Welsh Regiments natürlich nicht fehlen: Maskottchen Lance Corporal Shenkin IV. Bild: dpa

Proklamation mit Ziege

Der Nachfolger auf dem Thron, König Charles III., ist am Sonntag auch in Schottland, Wales und Nordirland als König ausgerufen worden. In der schottischen Hauptstadt Edinburgh wurde die Proklamation vor der St.-Giles-Kathedrale verlesen. In Belfast läuteten die Glocken und ein Trompeter spielte. Nach der Proklamation folgten 21 Salutschüsse.

In Wales marschierte eine Einheit des Royal Welsh Regiments mit seinem Maskottchen, einer Ziege namens Lance Corporal Shenkin IV., nach Cardiff Castle. Zuvor waren die Proklamationen in diversen Staaten des Commonwealths verlesen worden, in dem frühere britische Kolonien organisiert sind, darunter in Australien und Neuseeland. Charles war durch den Tod seiner Mutter Elizabeth II. am Donnerstag automatisch britischer König geworden. Die offizielle Proklamation ist ein formeller Akt, bei dem viele Traditionen berücksichtigt werden.

US-Website bekommt viel Post - auch kuriose Anfragen

Der Tod von Königin Elizabeth II. beschert nicht nur dem britischen Königshaus viel Post, sondern auch einer kommunalen Nachrichten-Website in den USA. Die Website princewilliamliving.com, die aus dem Bezirk Prince William im US-Bundesstaat Virginia in der Regel über Dinge wie Verkehrsunfälle, Feste und kommunale Projekte berichtet, gehört zu den ersten Suchergebnissen, wenn Google-Nutzer "contact Prince William" (Prinz William kontaktieren) eingeben. Einige Nutzer schauen offenbar nicht so genau hin und sagen und schreiben princewilliamliving.com, was sie eigentlich an den britischen Thronfolger richten wollten. Aus diesem Grund hat die Website es derzeit mit einer Flut von Anrufen und E-Mails mit Beileidsbekundungen zu tun, die unter anderem Gedichte, Zeichnungen und mitunter kuriose Anfragen enthalten. 

Verlegerin Rebecca Barnes berichtete am Samstag, dass innerhalb eines Tages etwa 40 solcher Beileidsbekundungen eingetroffen seien. Sie kämen aus aller Welt, etwa aus Indien, Bhutan, Japan, Ägypten, Nord- und Südamerika und aus England. "Selbst Menschen in England wissen nicht, wie man googelt", scherzte Barnes. Selbstlos sind die Beileidsbekundungen nicht immer. So äußerte eine Jugendliche, die nach eigenen Angaben ein Riesen-Fan der Royals ist, die Hoffnung, zur Beerdigung der Queen eingeladen zu werden. In einer anderen Nachricht bot jemand an, bei den Royals als Haushälterin zu arbeiten. "Ich bin eine sehr saubere Person", hieß es in dem Schreiben.

Mary Reynolds, eine Doppelgängerin von Königin Elizabeth II. (2009) | dpa

Sie sei schon mit 17 Jahren auf ihre Ähnlichkeit mit Elizabeth angesprochen worden: Mary Reynolds, eine der Doppelgängerinnen von Königin Elizabeth II. (2009) Bild: dpa

Queen-Doppelgängerin hört auf

Eine Doppelgängerin von Königin Elizabeth II. wird ihre Rolle nach 34 Jahren "aus Respekt" vor der gestorbenen Monarchin nicht mehr spielen. Sie werde ihre Garderobe, die sie bei solchen Anlässen trug, aber behalten, und womöglich zu besonderen Anlässen tragen, sagte Mary Reynolds der Nachrichtenagentur PA. Die 89-Jährige war bei Veranstaltungen als Queen aufgetreten, ebenso einige Male im Fernsehen, in Werbefilmen oder ausländischen Filmproduktionen.

Sie sei schon mit 17 Jahren auf ihre Ähnlichkeit mit Elizabeth angesprochen worden, sagte Reynolds. Ihren ersten Auftritt als Doppelgängerin habe sie aber erst 1988 gehabt. Reynolds bezeichnete ihre Ähnlichkeit mit der am Donnerstag gestorbenen Königin als Privileg. "Aber jetzt beginnt eine neue Ära", sagte sie. Sie habe die Königin zwar nie persönlich kennengelernt. Aber es habe sich so angefühlt, als sei sie ein Familienmitglied gewesen.

Königin Elizabeth II. mit ihren Kindern Charles und Anne, ihrem Mann Prinz Philipp und den Hunden "Sugar" und "Candy" (1955) | AP

Gehörten zur Königlichen Familie: die beiden Hunde "Sugar" und "Candy" 1955 Bild: AP

Was aus den royalen Hunden wird

Als Hundeliebhaberin hinterlässt Königin Elizabeth II. auch mindestens vier Vierbeiner: Muick, Sandy, Candy und Lissy. Muick und Sandy sind Corgis. Hunde dieser Rasse haben die Königin ihr ganzes Leben lang begleitet. Nun übernehmen Prinz Andrew und seine Ex-Frau Sarah Ferguson, genannt "Fergie", die Tiere. Muick war der Queen von Andrew und seinen Töchtern Prinzessin Beatrice und Prinzessin Eugenie geschenkt worden, als ihr Mann Prinz Philip Anfang 2021 im Krankenhaus lag. Sandy erhielt sie ebenfalls von Andrew, am 10. Juni 2021 - dem Tag, an dem Philip 100 geworden wäre. Sohn und Enkelinnen, die zuletzt die Hunde immer wieder ausführten, hätten der Königin versprochen, sich im Falle ihres Todes um die Hunde zu kümmern, berichtete die Zeitung "Mirror". Nicht eindeutig geklärt ist bisher, was mit Candy - einer Kreuzung aus Corgi und Dackel - sowie Cocker Spaniel Lissy geschieht. Candy dürfte mit zu Andrew ziehen, hieß es, weil sie an die Corgis gewöhnt sei. Lissy wird womöglich von einem engen Bediensteten übernommen.

Die Liebe der Königin zu den Corgis, offiziell Welsh Corgi Cardigan, geht auf Susan zurück, eine Hündin, die sie von ihren Eltern zum 18. Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Susan durfte sogar mit auf Hochzeitsreise gehen. Mit Susan begann die Königin eine Zucht, deren letzter Nachkomme Willow 2018 starb.

Queen Elizabeth II trinkt Tee mit Paddington Bär (Video 2022) | AFP

Außergewöhnliche Teestunde: Paddington Bär zu Gast bei seiner Freundin Queen Elizabeth II. Bild: AFP

Die Queen vor der Kamera

Elizabeth II. war auch Teil der Popkultur. Millionen Menschen auf der Welt, die an die verstorbene Königin denken, sehen dabei zum einen die echte Queen vor ihrem geistigen Auge, denken aber auch an Schauspielerinnen wie Helen Mirren oder Olivia Colman. In der Netflix-Serie "The Crown" stellten bislang Olivia Colman und Claire Foy Elizabeth II. dar, Emma Thompson tat es im BBC-Kurzfilm "Walking the Dogs" (2012). Stella Gonet spielte die Queen im Diana-Film "Spencer" (2021), Sarah Gadon im Jugendfilm "A Royal Night – Ein königliches Vergnügen" (2015) und Helen Mirren im gefeierten Drama "Die Queen" (2006). Was Elizabeth II. von den zahlreichen Produktionen hielt, in denen sie fiktiv Hauptdarstellerin war, einschließlich der viel besprochenen Netflix-Saga "The Crown", wurde nie öffentlich bekannt, da die Queen stets Fassung und Etikette bewahrte.

Die Queen selbst überraschte aber in den letzten Jahren mit Auftritten in kleinen Filmen etwa mit "007" Daniel Craig bei Olympia 2012 in London oder -wie erwähnt - dieses Jahr mit Paddington Bär zu ihrem 70. Thronjubiläum. Nach Angaben des Sketch-Autors Frank Cottrell-Boyce hatte die Königin Spaß an den Dreharbeiten für diese Comedy-Clips. "Sie hat sich von sich aus gemeldet für die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele. Wir hätten nicht gedacht, dass sie das will", sagte Cottrell-Boyce der BBC. Sie habe sogar gefragt, ob sie etwas sagen dürfe. Das sei eigentlich gar nicht vorgesehen gewesen. Damals trat sie mit "James Bond"-Darsteller Craig auf. Im Sketch 2022, in dem sie sich mit Paddington Bär über Notfall-Marmeladenbrote austauscht, habe sie "richtig geschauspielert". "Sie hatte wirklich Spaß daran."

Über dieses Thema berichtete das Erste im Morgenmagazin am 12. September 2022 um 05:30 Uhr.