Queen Elzabeth II. | picture alliance/dpa

Trauer um die Queen "Eine Frau, die ein Jahrhundert geprägt hat"

Stand: 08.09.2022 22:03 Uhr

Die Welt trauert um Königin Elizabeth II. Politiker rund um den Erdball würdigten ihre Stärke ebenso wie ihre Persönlichkeit. Sie sei Vorbild und Inspiration für Millionen Menschen gewesen, erklärte Kanzler Scholz.

Auf der ganzen Welt trauern Menschen um Queen Elizabeth II. Vor sieben Jahrzehnten bestieg sie den Thron - nun starb sie im Alter von 96 Jahren friedlich auf ihrem schottischen Landsitz Schloss Balmoral. Der Buckingham Palast gab den Tod der Königin am Abend bekannt.

Die britische Premierministerin Liz Truss würdigte die Queen als "Fels", auf dem das moderne Großbritannien errichtet worden sei. Der Tod der Königin sei ein "riesiger Schock für die Nation und die Welt", sagte die konservative Politikerin in einer Rede in der Londoner Downing Street. Das Land sei unter ihrer Herrschaft gewachsen und gediehen. "Wegen ihr ist Großbritannien heute das großartige Land, das es ist." Dafür sei sie von den Menschen im Vereinigten Königreich und auf der ganzen Welt geliebt worden.

Scholz: "Sie war Vorbild und Inspiration"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte dem britischen Königshaus. "Königin Elizabeth II. ist eine Frau, die ein Jahrhundert geprägt hat", schrieb er laut seiner Sprecherin an das Königshaus. Sie habe Zeitgeschichte erlebt und selbst geschrieben. "Ihre Majestät genoss auf der ganzen Welt höchstes Ansehen und Respekt."

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz würdigte die Queen. "Sie war Vorbild und Inspiration für Millionen, auch hier in Deutschland", schrieb er auf Twitter. "Ihr Einsatz für die deutsch-britische Aussöhnung nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges bleibt unvergessen. Sie wird fehlen, nicht zuletzt ihr wundervoller Humor."

"Wir trauern mit unseren britischen Freund*innen", erklärte auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock zum Tod der Königin. "Sie war für ihr Land fast 100 Jahre lang Quelle der Stärke und Zuversicht. Deutschland bleibt ihr ewig dankbar, dass sie uns nach dem Terror des Zweiten Weltkriegs die Hand zur Versöhnung gereicht hat", schrieb die Grünen-Politikerin auf Twitter.

Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel vernahm die Nachricht vom Tod der britischen Königin nach eigenen Angaben "mit größter Trauer". Mit dem Tod der Queen gehe eine Epoche zu Ende. "Es gibt keine Worte, die die überragende Bedeutung dieser Königin, ihres Pflichtgefühls, ihrer moralischen Integrität, ihrer Hingabe und ihrer Würde über sieben Jahrzehnte für das Vereinigte Königreich, für Europa und die Welt auch nur annähernd würdigen können", erklärte Merkel. Sie blicke mit größter Dankbarkeit auf ihre Begegnungen mit der Queen zurück.

CDU-Parteichef Friedrich Merz schrieb auf Twitter, der Tod der Queen erfülle ihn mit tiefer Trauer. "70 Jahre lang war sie international ein Symbol für Verlässlichkeit und Würde." Die CDU werde ihren Parteitag am Freitag in Hannover mit einer Schweigeminute für die Queen beginnen.

Bundestag unterbricht Debatte

Der Deutsche Bundestag unterbrach seine Debatte, um die Queen in einer Gedenkminute zu würdigen. Die Parlamentarier erhoben sich dazu von ihren Sitzen. Bundestagsvizepräsidentin Yvonne Magwas (CDU) hatte die Abgeordneten darum gebeten, nachdem sie die Nachricht vom Tod der Queen verlesen hatte. Parlamentspräsidentin Bärbel Bas (SPD) werde am Freitag dazu auch noch Worte an die Abgeordneten richten, kündigte Magwas an. "Wir sind, denke ich, alle in Gedanken bei der Familie."

Papst Franziskus würdigte das Pflichtbewusstsein von Königin Elizabeth II. Das Oberhaupt der katholischen Kirche zolle dem großzügigen Dienst der Königin an der Nation und dem Commonwealth Tribut und schließe sich allen an, die um den Verlust der Queen trauerten, schrieb der 85-Jährige in einem Telegramm an König Charles III. "Auf Sie und alle, die das Andenken an Ihre verstorbene Mutter in Ehren halten, erbitte ich göttlichen Segen als Unterpfand des Trostes und Kraft in den Herrn", hieß es in der Nachricht weiter.

Die katholischen deutschen Bischöfe zeigten sich ebenfalls bestürzt. Die Queen habe die Herzen der Menschen erobert, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, laut einer Mitteilung auf Twitter. Die Fürsorge der Königin habe den Bürgerinnen und Bürgern des Commonwealth gegolten. Ihre Besuche im Vatikan seien unvergessen. Mit der Queen gehe "eine lebensfrohe Persönlichkeit, sichtbare Monarchin und ein einfühlsames Staatsoberhaupt", so Bätzing.

Von der Leyen würdigt "Mut und Hingabe der Queen"

Auch EU-Spitzenpolitiker drückten ihr tiefes Mitgefühl aus. "Erlauben Sie mir, Ihrer Majestät, der königlichen Familie und dem britischen Volk mein aufrichtiges Beileid im Namen der Europäischen Union auszudrücken", schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Brief an König Charles. Der Mut und die Hingabe der Queen, ihrem Land zu dienen, seien für viele eine Quelle großer Stärke und ein Anker der Stabilität in den schwersten Zeiten gewesen. Sie sei eine persönliche Inspiration gewesen, schrieb von der Leyen.

"Unsere Gedanken sind bei der königlichen Familie und allen, die im Vereinigten Königreich und weltweit um Königin Elizabeth II. trauern", schrieb EU-Ratspräsident Charles Michel auf Twitter. Mit ihrem Engagement habe die Queen immer wieder gezeigt, wie wichtig andauernde Werte in einer modernen Welt seien. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell schrieb, die bemerkenswerte Regentschaft der Queen habe Schlüsselmomente des 20. und 21. Jahrhunderts geprägt. "Die EU würdigt ihren einzigartigen Beitrag zu Frieden und Versöhnung."

"Beruhigende Präsenz" in Jahrzehnten des Wandels

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "zutiefst traurig" über die Todesnachricht. Der Familie der Queen und den Menschen in Großbritannien und dem Commonwealth sprach er per Mitteilung sein Mitgefühl aus. Elizabeth II. sei auf der ganzen Welt für ihre "Anmut, Würde und Hingabe" bewundert worden, so Guterres. In Jahrzehnten des Wandels habe sie eine "beruhigende Präsenz" geboten. "Die Welt wird sich noch lange an ihre Hingabe und ihre Führungskraft erinnern."

Auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach der britischen Königsfamilie sein Beileid aus. Er sei "zutiefst traurig" über ihren Tod, schrieb der norwegische Politiker auf Twitter. "Mehr als 70 Jahre lang war sie ein Beispiel für selbstlose Führung und öffentlichen Dienst."

Biden: "Mehr als eine Monarchin"

US-Präsident Joe Biden würdigte Elizabeth II. als einzigartige Staatsfrau. "Ihre Majestät Königin Elizabeth II. war mehr als eine Monarchin. Sie hat eine Ära geprägt", ließ er mitteilen. Die sieben Jahrzehnte ihrer geschichtsträchtigen Herrschaft seien ein Zeitalter beispiellosen menschlichen Fortschritts gewesen, in der sie auch in Krisen für ihr Land da war. "Sie ertrug die Gefahren und Entbehrungen eines Weltkriegs an der Seite des britischen Volkes und sammelte es während der Verwüstung einer globalen Pandemie". Die Königin sei "eine Staatsfrau von unübertroffener Würde und Beständigkeit" gewesen, die das Bündnis zwischen dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten vertieft habe, so Biden weiter. Er betonte zudem die Unterstützung der Queen "in unseren dunkelsten Tagen nach dem 11. September".

Kanadas Premierminister Justin Trudeau gedachte der Queen und betonte deren "Weisheit, Mitgefühl und Wärme". Daran würden sich Kanadier für immer erinnern, schrieb er auf Twitter. Seine Gedanken und die der Kanadier seien in dieser "schwierigsten Zeit" bei der britischen Königsfamilie.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron veröffentlichte zunächst kommentarlos ein Foto der Queen, das sie in einem hellblauen Mantel vor einem Fenster sitzend zeigt.  "Ihre Majestät Königin Elizabeth II. verkörperte 70 Jahre lang Kontinuität und Einheit der britischen Nation", schrieb er kurz danach auf Twitter. "Ich denke an sie als eine Freundin Frankreichs, eine gutherzige Königin, die ihr Land und ihr Jahrhundert für immer geprägt hat."

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich stellvertretend für sein Land auf Twitter: "Im Namen des ukrainischen Volkes sprechen wir der königlichen Familie, dem Vereinten Königreich und dem Commonwealth aufrichtiges Beileid aus zu diesem nicht wieder gut zu machenden Verlust. Unsere Gedanken und Gebete sind mit Ihnen." Großbritannien ist international einer der wichtigsten Unterstützer der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Invasion.

"Thank you Ma'am, for everything"

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi erklärte in einer Mitteilung: "Sie repräsentierte das Vereinigte Königreich und den Commonwealth mit Ausgewogenheit, Klugheit, Respekt für Institutionen und die Demokratie." Elizabeth II. habe Stabilität in Krisenzeiten gewährleistet und es verstanden, den Wert von Tradition in einer Gesellschaft in ständiger und tiefgreifender Entwicklung am Leben zu erhalten.

Die norwegische Königsfamilie trauert ebenfalls. Die Queen habe sich hingebungsvoll ihrer Arbeit gewidmet und sei dem britischen Volk durch Freuden und Sorgen sowie Höhen und Tiefen gefolgt, wurde Norwegens König Harald V. (85) in einer Erklärung des Königshauses zitiert. "Unser Beileid geht auch an das britische Volk."

Und auch an der beliebten britischen Kinderbuchfigur Paddington Bär ging der Tod der Monarchin nicht spurlos vorüber. Auf dem offiziellen Twitteraccount von "paddingtonbear" hieß: "Danke für alles, Madam" - "Thank you Ma'am, for everything".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. September 2022 um 21:45 Uhr.