Menschen in einer Warteschlange | REUTERS

Vor Staatsbegräbnis der Queen Behörden raten von Anreise ab

Stand: 17.09.2022 10:38 Uhr

Inzwischen müssen die Menschen 24 Stunden warten, um Queen Elizabeth II. die letzte Ehre zu erweisen. Nun haben Londons Behörden reagiert. Wegen des enormen Andrangs bitten sie Besucher, nicht mehr anzureisen.

Vor der Trauerfeier für Elizabeth II. und ihrer Beisetzung wollen voraussichtlich noch einmal Hunderttausende Menschen in London der Queen die letzte Ehre erweisen. Angesichts des enormen Andrangs der Trauernden haben die Behörden vorerst davon abgeraten, sich für den Abschied anzustellen.

"Die Warteschlange hat ihre Kapazität fast erreicht mit Wartezeiten von mindestens 24 Stunden", hieß es im Live-Tracker der Regierung. "Bitte reisen Sie nicht an, um sich in die Schlange einzureihen." Die Strecke führt über mehrere Kilometer vom britischen Parlament, wo der geschlossene Sarg der Queen aufgebahrt ist, entlang der Themse bis zum Southwark Park.

24 Stunden Wartezeit

Bereits gestern hatten die Sicherheitskräfte den Zugang zur "Queue", die bereits als gesellschaftliches Großereignis gilt, für sieben Stunden ausgesetzt. Die Regierung erklärte, in dem Park am Ende der kilometerlangen Schlange sei kein Platz mehr. Daraufhin bildete sich eine inoffizielle Warteschlange für die Warteschlange.

Tausende Menschen warteten auch in der Nacht zum Samstag bei niedrigen Temperaturen unter zehn Grad geduldig darauf, der Königin an ihrem aufgebahrten Sarg in der Westminster Hall ihre Ehre zu erweisen. Nach Schätzung der Londoner Verkehrsbehörden werden bis Montagmorgen insgesamt 750.000 Menschen der Queen die Aufwartung gemacht haben.

Kinder halten Totenwache ab

Zu den Trauernden in der Westminister Hall gehörten am Freitag auch der neue britische König Charles III. und seine drei Geschwister. Am Sarg ihrer Mutter hielten Charles, Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edward am Abend eine Totenwache ab. Zwölf Minuten lang standen sie schweigend und mit gebeugten Häuptern da, während weiter Trauernde durch Westminster Hall zogen. Alle vier trugen Galauniformen. Die vier Kinder der Verstorbenen hatten bereits am Montagabend in Edinburgh eine Totenwache abgehalten. Dort war der Sarg zunächst aufgebahrt gewesen, bevor er nach London übergeführt wurde.

König Charles III. (3.v.l), Anne (r), Princess Royal, Andrew (r), Herzog von York und Edward (l), Graf von Wessex in Uniformen | dpa

Die Kinder der Queen, Edward, Andrew, Charles und Anne, erschienen in Galauniformen zur Totenwache für ihre Mutter. Bild: dpa

Heute werden auch acht Enkel der Königin an ihrem Sarg zusammenkommen, darunter der neue Thronfolger Prinz William und sein Bruder Prinz Harry. 

Vereinigtes Königreich steht still

Bis Montagmorgen bleibt der Westminster-Saal mit dem aufgebahrten Sarg der Monarchin für die Bürgerinnen und Bürger geöffnet. Die Trauerfeier für die Queen findet am Mittag in der Londoner Westminster Abbey statt. Dazu werden rund 2000 Gäste erwartet, darunter Mitglieder anderer Königshäuser und Staatsoberhäupter aus aller Welt wie US-Präsident Joe Biden, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der japanische Kaiser Naruhito. 

Die Beisetzung von Elizabeth II. findet am Abend im Familienkreis auf Schloss Windsor statt. Das Vereinigte Königreich steht den ganzen Tag über weitgehend still. Zu Ehren der Queen wird der Montag einmalig zum arbeitsfreien Feiertag. Die Maßnahmen sind weitreichend: Schulen und viele Geschäfte sind geschlossen, auch Supermärkte werden stundenlang schließen. Der wichtigste Flughafen London-Heathrow streicht mehr als 100 Flüge und verschiebt weitere. Nicht notwendige Operationen wurden ebenso abgesagt wie Gerichtsverfahren.

Mehr als 10.000 Beamte im Einsatz

Die Trauerfeierlichkeiten werden von einem riesigen Sicherheitsaufgebot begleitet. Die Londoner Polizei erklärte, dies sei der größte Einsatz ihrer Geschichte. Der Aufwand werde größer als zu den Olympischen Spielen 2012, als täglich 10.000 Beamte im Dienst waren, hieß es. Die Absperrungen in der Innenstadt, um die Menschenmassen zu lenken, seien aneinandergereiht 36 Kilometer lang. Das Fliegen von Drohnen ist verboten.

Für Beunruhigung sorgte am Freitagmorgen ein Messerangriff im Zentrum von London, bei dem zwei Polizisten verletzt wurden. Einer von ihnen habe "lebensverändernde" Verletzungen erlitten, teilte die Polizei mit. Auch der Angreifer kam ins Krankenhaus. Einen Terrorhintergrund schloss die Polizei jedoch aus. Auch in Windsor sind ein großer Polizeieinsatz mit 2000 Beamtinnen und Beamten, Sicherheitschecks wie am Flughafen und Straßensperren geplant.

Charles III. schließt Trauerreise ab

Elizabeth II. war am Donnerstag vergangener Woche im Alter von 96 Jahren in ihrer schottischen Residenz Balmoral gestorben. Am Dienstag wurde ihr Sarg nach London gebracht, seit Mittwoch ist er in der mittelalterlichen Westminster Hall aufgebahrt.  Charles III. schloss am Freitag seine Trauerreise durch alle Landesteile mit einem Besuch in Wales ab.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. September 2022 um 10:45 Uhr in den Nachrichten.