Wladimir Putin | AP

Umgang mit russischer Kultur Putin wirft Westen Nazi-Methoden vor

Stand: 25.03.2022 16:55 Uhr

Russlands Präsident Putin hat die Absage von Konzerten russischer Künstler mit Nazi-Methoden verglichen. Alles Russische werde im Westen diskriminiert. Außenminister Lawrow sagte, Europa wolle Russland vernichten und erdrosseln.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem Westen einen Feldzug gegen die russische Kultur im Stil der Nazis vorgeworfen. "Das letzte Mal, dass eine solch massive Kampagne zur Vernichtung anstößiger Literatur geführt wurde, war vor fast 90 Jahren von den Nationalsozialisten in Deutschland", sagte Putin bei einem Treffen mit Künstlern und Kulturschaffenden. "Tschaikowski, Schostakowitsch und Rachmaninow werden von Konzertankündigungen genommen, russische Autoren und ihre Bücher werden ebenfalls verbannt", behauptete Putin und verwies auf die Bücherverbrennungen der Nazis in Hitler-Deutschland.

"Heute versuchen sie, ein ganzes tausendjähriges Land, unser Volk zu 'canceln'", sagte Putin am Tag des Kulturschaffenden. Alles, was mit Russland zusammenhänge, werde diskriminiert, mit Zustimmung der herrschenden Eliten. So kritisierte der 69-Jährige, dass in Hollywood-Filmen so getan werde, als hätten nur die USA Europa vom Hitlerfaschismus im Zweiten Weltkrieg befreit. Der Mut der Roten Armee hingegen, deren Soldaten einen entscheidenden Beitrag zum Sieg über Hitler geleistet hätten, bleibe außen vor.

"Die kulturelle Vielfalt ist Stärke unseres Staates"

"Das ist in unserem Land nicht vorstellbar", sagte Putin in seiner Residenz in Nowo-Ogarjowo bei Moskau. Für Russland sei die nationale Kultur untrennbar mit dem Mutterland verbunden, es gebe keinen Platz für Intoleranz. "Die kulturelle Vielfalt ist der Stolz der Gesellschaft, ist Stärke und Vorteil unseres Staates", sagte der Kremlchef.

Mehrere kremlnahe russische Künstler wie der Dirigent und Putin-Freund Waleri Gergijew hatten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ihre Engagements in der EU und den USA verloren. Viele haben aber auch Russland verlassen oder sind von ihren Posten zurückgetreten, weil sie Putins Krieg gegen die Ukraine nicht unterstützen. So verließ etwa die Primaballerina des Bolschoi-Balletts, Olga Smirnowa, unter Protest ihre Heimat und zog in die Niederlande.

Die Ukraine wirft Russland vor, in den besetzten Gebieten unerwünschte ukrainische Literatur aus den Bibliotheken zu nehmen. Russland hingegen beklagt eine Unterdrückung seiner Sprache in der Ukraine.

Lawrow spricht von totaler Kriegserklärung

Schwere Vorwürfe gegen den Westen erhob auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Mit Blick auf westliche Sanktionen sprach er von einem gegen Moskau gerichteten "hybriden Krieg". "Heute haben sie uns einen echten hybriden Krieg erklärt, den totalen Krieg", sagte Lawrow bei einer Sitzung mit Vertretern einer Diplomatiestiftung der Staatsagentur Tass zufolge. "Diesen Begriff, der in Hitler-Deutschland verwendet wurde, sprechen jetzt europäische Politiker aus, wenn sie davon sprechen, was sie mit der Russischen Föderation tun wollen", behauptete Lawrow.

Im Jahr 1943 hatte NS-Propagandachef Joseph Goebbels in seiner berüchtigten Sportpalastrede zum "totalen Krieg" aufgerufen. Am 1. März hatte Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire zwar mit Blick auf die ergriffenen Sanktionen von einem "totalen Krieg" gegen Russland auf wirtschaftlicher und finanzieller Ebene gesprochen, die Formulierung nach Kritik aber noch am selben Tag zurückgenommen.

"Gesetzlosigkeit der Sanktionen"

Lawrow sagte weiter, Europas Politiker wollten Russland "zerstören, brechen, vernichten, erdrosseln". "Wenn wir diese Gesetzlosigkeit der Sanktionen sehen, ist natürlich klar, dass all diese Werte, die uns unsere westlichen Kollegen ständig gepredigt haben - nämlich Meinungsfreiheit, Marktwirtschaft und die Unverletzlichkeit des Privateigentums, die Unschuldsvermutung - wertlos sind."

Wegen Russlands Krieg gegen die Ukraine hatten die sieben führenden demokratischen Wirtschaftsmächte (G7) und die EU am Donnerstag neue Sanktionen vereinbart, die Russland Transaktionen mit Gold deutlich erschweren sollen. Auch die USA verhängten neue Strafmaßnahmen gegen Hunderte Abgeordnete des russischen Parlaments und weitere Mitglieder der russischen Elite.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. März 2022 um 17:00 Uhr.