Wladimir Putin | AP

Wirtschaftsforum in St. Petersburg Putin greift den Westen massiv an

Stand: 17.06.2022 16:10 Uhr

Die Wirtschaftssanktionen würden vor allem diejenigen treffen, die sie verhängt haben, behauptet Russlands Präsident bei seiner Rede in St. Petersburg. Der Westen verhalte sich noch immer wie eine Kolonialmacht.

Bei seiner Rede vor dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg hat Russlands Präsident Wladimir Putin westliche Staaten massiv angegriffen. Die westlichen Mächte und insbesondere die USA würden immer noch in Kategorien des vergangenen Jahrhunderts denken und andere Länder wie Kolonien behandeln, so Putin.

Das Wirtschaftsforum in St. Petersburg ist auch als "russisches Davos" bekannt. Die Rede des russischen Präsidenten hatte wegen eines Hackerangriffs verspätet begonnen. Der Kreml teilte mit, es habe eine "Denial-of-Service"-Attacke gegen das Akkreditierungssystem gegeben.

Inflationsspitze sei bereits überschritten

Nichts werde in der internationalen Politik so sein, wie es einmal war, warnte Putin in seiner Rede. Die EU habe ihre politische Souveränität verloren.

Die Versuche, die russische Wirtschaft anzugreifen, seien gescheitert. Die westlichen Sanktionen beruhten auf der falschen Annahme, dass Russland nicht wirtschaftlich unabhängig sei. Das Land habe sein Bankensystem stabilisiert und die Inflationsspitze bereits hinter sich gelassen.

Ungleichheit in der EU werde zunehmen

Die Sanktionen seien vor allem schädlich für diejenigen, die sie verhängt haben. Die EU könnte dadurch bis zu 400 Milliarden US-Dollar verlieren, behauptete Putin.

Die Ungleichheit in europäischen Ländern werde seiner Auffassung nach weiter zunehmen. Die aktuellen wirtschaftlichen Probleme hätten aber nichts mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu tun, den Putin nach wie vor als "Spezialoperation" bezeichnet.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Russland sei nicht für Lebensmittelkrise verantwortlich

Ein Mangel an Düngern werde in der Zukunft zu noch höheren Lebensmittelpreisen führen. Dafür könne Russland nicht verantwortlich gemacht werden, so Putin. Die USA hätten Geld gedruckt und Lebensmittel aufgekauft, behauptete der russische Präsident.

Russland könne seine Exporte von Getreide und Düngern verstärken, um die Lebensmittelversorgung weltweit zu sichern. Das Land werde Lebensmittel nach Afrika und Asien schicken, so Putin.

Russland werde Ziele erreichen

Es sei eine Gefahr, dass die Ukraine den Verkauf von Getreide nutze, um Waffen zu kaufen, sagte Putin. Die russische "Spezialoperation" diene dazu, die Menschen im Donbass zu verteidigen. Dieses Ziel werde Russland erreichen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Juni 2022 um 15:00 Uhr.