Die Belgische Polizei steht vor brennenden Barrikaden in Brüssel | AFP

Corona-Maßnahmen Ausschreitungen in Belgien und den Niederlanden

Stand: 22.11.2021 02:21 Uhr

In Belgiens Hauptstadt Brüssel ist es bei Protesten gegen die Corona-Politik zu Ausschreitungen gekommen. Auch in mehreren niederländischen Städten kam es erneut zu Randalen und Unruhen.

In der dritten Nacht zufolge ist es in mehreren niederländischen Städten wieder zu Unruhen und gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Randalierer legten Brände, zerstörten Bushaltestellen und zündeten schwere Feuerwerkskörper, wie die niederländische Nachrichtenagentur "ANP" berichtete. Seitdem gab es Behördenangaben zufolge insgesamt etwa 130 Festnahmen.

Unter anderem aus Enschede im Osten des Landes nahe der deutschen Grenze sowie aus Groningen berichteten Polizei und regionale Medien von Unruhen. Dutzende Jugendliche hätten sich in den Zentren versammelt und Polizisten mit Feuerwerkskörpern attackiert. In beiden Städten setzte die Polizei mobile Einheiten ein und nahm mehrere Personen fest.

Krawalle seit Freitag

In Groningen räumten Einheiten der Polizei die Innenstadt nach Gewalttaten. Auch in Tilburg und Roosendaal im Süden des Landes war es nach Berichten der Polizei unruhig. Dort kam es ebenfalls zu Festnahmen.

Als Auslöser der Gewalt gelten vielerorts die verschäften Coronamaßnahmen. In sozialen Netzwerken hatten verschiedene Gruppen zu Krawallen aufgerufen. Die Unruhen begannen am Freitagabend mit heftigen Ausschreitungen in Rotterdam. Auch Samstagnacht kam es zu Protesten, unter anderem in Den Haag.

Ausschreitungen in Brüssel

Auch in Brüssel im benachbarten Belgien kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen wegen verschärfter Pandemiemaßnahmen. Auf Bildern, die die Nachrichtenagentur "Belga" verbreitete, waren Polizeiwagen mit zerbrochenen Scheiben, brennende Barrikaden und der Einsatz von Pyrotechnik zu sehen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen Demonstranten ein.

Es habe 44 Festnahmen gegeben, drei Polizisten seien verletzt worden. Sechs Polizeifahrzeuge seien beschädigt, ein Roller der Beamten in Brand gesetzt worden. Auch Schaufenster und Autos von Privatpersonen seien in Mitleidenschaft gezogen worden, teilten Behörden mit.

35.000 Demonstrierende

Einer Schätzung der Einsatzkräfte zufolge beteiligten sich rund 35.000 Menschen an der zunächst friedlichen Demonstration. Sie zogen zur EU-Zentrale in Brüssel, riefen "Freiheit" und sangen die italienische Partisanenhymne "Bella Ciao". In der Menge waren Kennzeichen verschiedenster Organisationen zu sehen von Rechtsradikalen bis zu Vertretern sexueller Minderheiten.

Ihr Protest richtete sich unter anderem gegen verschärfte Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. So dürfen Ungeimpfte künftig keine Restaurants und Bars mehr besuchen. Wo es möglich ist, müssen Arbeitnehmer ab Montag mindestens vier Tage pro Woche von Zuhause aus arbeiten. Zudem weitet Belgien die Impfkampagne auf fünf- bis elfjährige Kinder aus.

Ähnlich wie in Deutschland war die Zahl der Corona-Infektionen auch in Belgien in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Zuletzt wurden in dem Land mit rund 11,5 Millionen Einwohnern im Durchschnitt mehr als 12.000 Neuinfektionen am Tag verzeichnet. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. November 2021 um 18:00 Uhr.