Roman Protasewitsch in einem vom Staatsfernsehen von Belarus verbreiteten Video | VIA REUTERS

Bestätigung aus Belarus Blogger Protasewitsch in U-Haft

Stand: 25.05.2021 06:58 Uhr

Die Führung in Minsk hat bestätigt, dass Protassewitsch sich in U-Haft befindet. Das Staatsfernsehen strahlte ein "Geständnisvideo" des Journalisten aus. Seine ebenfalls festgenommene Freundin soll in ein Minsker Gefängnis gebracht worden sein.

Einen Tag nach der erzwungenen Landung einer Passagiermaschine in Minsk haben die belarusischen Behörden die Festnahme des Bloggers Roman Protassewitsch bestätigt. Er sei in Untersuchungshaft genommen worden, teilte das Innenministerium im Nachrichtenkanal Telegram mit. Der 26-Jährige war am Sonntag am Minsker Flughafen festgenommen worden. Zugleich wies das Innenministerium Berichte in sozialen Netzwerken zurück, wonach der Journalist im Krankenhaus liege.

Regierungskritische Berichte

Mehr als 24 Stunden hatte die autoritäre Führung des Landes keine Angaben zum Verbleib des Oppositionsaktivisten gemacht. Er war ursprünglich an Bord eines Ryanair-Flugzeug auf dem Weg von Athen nach Vilnius. Kurz vor dem Ziel - und damit kurz vor Erreichen des EU-Luftraums - wurde die Maschine von belarusischen Militärjets zur Landung in Minsk gezwungen. Dort wurden Protassewitsch und seine Freundin festgenommen.

Protassewitsch, der in seiner Heimat unter anderem wegen Anstiftung zu Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko zur Fahndung ausgeschrieben war, hatte im Exil in Litauen gelebt. Ihm drohen nun viele Jahre Haft. Protassewitsch gehört zu den Mitbegründern des regierungskritischen Nachrichtenkanals Nexta. Die Behörden in Belarus stufen Nexta als "extremistisch" ein. Der Kanal hatte im vergangenen Jahr nach der Wahl immer wieder zu den Massenprotesten gegen Lukaschenko aufgerufen.

Staatsfernsehen strahlt "Geständnis" aus

Am Abend strahlte das belarusische Staatsfernsehen ein Video aus, in dem Protassewitsch zu sehen ist. "Ich werde weiter mit den Ermittlern zusammenarbeiten und gestehe, Massenproteste in der Stadt Minsk organisiert zu haben", sagte er in dem Video. "Das Personal geht mit mir völlig angemessen um und respektiert die Gesetze", sagt der an einem Tisch sitzende Protassewitsch in die Kamera. Wann, wo und unter welchen Umständen das Video aufgezeichnet wurde, bleibt unklar.

Wird er gefoltert?

Die belarusische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja zeigte sich besorgt über den Verbleib des Aktivisten. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass er jetzt von Mitgliedern der Sondereinheiten gefoltert wird", sagte Tichanowskaja der Agentur BNS in Vilnius. Sie stehe in Kontakt mit den Eltern von Protassewitsch. Tichanowskaja zufolge ist seine Freundin, eine 23-jährige Studentin mit russischem Pass, in das berüchtigte Okrestina-Gefängnis in Minsk gebracht worden. Was ihr vorgeworfen werde, sei nicht bekannt. 

Die EU verurteilte das Vorgehen von Belarus geschlossen und forderte Protassewitschs Freilassung. Amnesty International sprach von einem "offensichtlichen Akt der Luftpiraterie". Es bestehe kein Zweifel, dass die Maschine zur Landung gezwungen worden sei "mit dem offensichtlichen alleinigen Ziel, einen im Exil lebenden kritischen Journalisten festzuhalten, den sie unbedingt zum Schweigen bringen wollten".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Mai 2021 um 21:00 Uhr.