Prinz William  | AFP

Prinz William Der Vorzeige-Royal wird 40

Stand: 21.06.2022 11:22 Uhr

Ginge es nach den Beliebtheitswerten, würde Prinz William seiner Großmutter direkt auf dem Thron nachfolgen. Der Prinz gilt als Vorzeige-Royal mit Ambitionen, das Königshaus zu modernisieren. Heute wird er 40 Jahre alt.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London 

Am 6. September 1997 musste Prinz William den bisher härtesten öffentlichen Termin seines Lebens absolvieren, wie er später sagte. Der 15-jährige Teenager musste mit Bruder, Onkel, Vater und Großvater gesenkten Kopfes hinter dem Sarg seiner Mutter Diana herlaufen, weltweit schauten ihm dabei im Fernsehen zwei Milliarden Menschen zu.

Gabi Biesinger ARD-Studio London

Der frühe Tod seiner Mutter, die auf der Flucht vor Paparazzi bei einem Autounfall in Paris starb, hat dazu geführt, dass William bis heute klare Grenzen zieht, was die Öffentlichkeit über sein Familienleben erfährt, erklärt der langjährige Königshausbeobachter Robert Jobson: "Er beschützt seine Familie wie ein Löwe. Wenn Fotografen dort sind, wo er sie nicht haben will, ist er nicht mehr der freundliche Mr. Nice Guy, den man sonst in der Öffentlichkeit sieht." 

 

Prinz William und Prinz Harry gehen hinter dem Sarg von Prinzessin Diana hinterher | picture-alliance / dpa

Mit gesenkten Köpfen folgten William und sein Bruder Harry dem Sarg ihrer Mutter. Mit ihnen in der Reihe: Prinz Philip, Dianas Bruder Earl Spencer und Kronprinz Charles. Bild: picture-alliance / dpa

Auf dem Weg zu einem modernen König

Andererseits kann eine Monarchie nur funktionieren, wenn die Medien ihr Wirken breit abbilden. Und so habe William als künftiger König einen sehr professionellen Umgang mit Journalisten gefunden, attestiert Jobson dem Prinzen in seinem gerade erschienenen Buch "William at 40". Der Prinz sei auf dem besten Wege, sich zu einem modernen König in übernächster Generation zu entwickeln: 

Er ist jetzt ein mittelalter Mann in den besten Jahren, aber kein junger Typ mehr. William ist dabei sehr positiv eingestellt, er wird ein moderner König werden, weniger formal, aber er wird trotzdem den Traditionen gerecht werden.
Das Bild zeigt den britischen Prinzen William (M), Herzog von Cambridge, mit seinen drei Kindern Prinz George (r), Prinzessin Charlotte (l) und Prinz Louis (oben) in Jordanien im Herbst 2021. | dpa

Dosierte Einblicke ins Familienleben: Diesen Vatertagsgruß von William und mit den drei Kindern Charlotte, Louis und George präsentierte das Königshaus kürzlich. Bild: dpa

Einer, der auf die Menschen zugeht

William, seine Frau Kate, die auch eine beliebte Botschafterin des Könighauses ist, und die drei Kinder, wirken wie eine Bilderbuchfamilie. Von seiner Mutter Diana habe William das Talent geerbt, unbeschwert auf Menschen zuzugehen, heißt es. Unlängst gingen Selfies um die Welt, als William mitten in London, mit Käppi und Weste, an einer U-Bahnstation die Obdachlosenzeitung "Big Issue" verkaufte.

Als er der englischen Frauen-Fußballmannschaft alles Gute für die anstehende EM wünschte, richtete er von seiner ebenfalls fußballspielenden Tochter Charlotte aus, sie sei besonders gut im Tor.

Prinz William verkauft die Obdachlosenzeitung "The Big Issue" auf einer Straße. | Andy Parsons/The Big Issue/Handout via REUTERS

William als Verkäufer der Obdachlosenzeitschrift "Big Issue" Bild: Andy Parsons/The Big Issue/Handout via REUTERS

Sein Herz schlägt für Umweltschutz

Williams besonderes Engagement aber gilt Umweltthemen. Mit dem "Earthshot Prize" hat der Prinz kürzlich einen Preis für Klimaschutzprojekte ins Leben gerufen. Und beim 70. Thronjubiläum seiner Großmutter formulierte William die dringende Notwendigkeit, den Planeten zu schützen: "Aber ich bin Optimist. Und gemeinsam können wir dafür sorgen, dass auch nachfolgende Generationen sagen können: was für eine wundervolle Welt."

Ein Trio, das an einem Strang zieht

Die Queen habe großes Vertrauen zu ihrem Enkel, schildern Palastbeobachter wie Russell Myers vom "Daily Mirror". So war William im Mai zum ersten Mal dabei, als sein Vater in Vertretung der Queen das Parlament eröffnete. Und er übernimmt auch selbst immer mehr Aufgaben von seiner Großmutter: "Natürlich ist die Queen noch immer die Chefin der Firma, aber ihr Vertrauen zu William ist sehr groß. Überhaupt ist das Trio - die Queen, Prinz Charles und William - sehr eng, sie ziehen an einem Strang."  

 

Die britische Königsfamilie mit Kronprinz Charles, Queen Elizabeth,  | AP

Bei den Feiern zum 70. Thronjubiläum zeigten sich Kronprinz Charles, die Queen, William und seine Frau Catherine mit den drei gemeinsamen Kindern auf dem Palastbalkon. Bild: AP

Bruch mit dem Bruder schmerzt ihn

Sehr schmerzen soll William allerdings das zerbrochene Verhältnis zu seinem Bruder. Seit Harry sich von königlichen Aufgaben lossagte, mit seiner Frau Meghan in die USA zog und Vorwürfe gegen die Königsfamilie richtete, gehen die Brüder getrennte Wege: "Das ist eine offene Wunde. Und Schilderungen zufolge schwankt William zwischen Ärger und Verzweiflung. Er betrauert regelrecht den Verlust seines Bruders", analysiert Myers.

Ein Umzug steht an

Ob William heute viel Zeit zum Feiern bleibt, ist die Frage. Die Familie könnte mitten im Umzug stecken. Sie wollen in ein kleines Landhaus auf dem Gelände von Schloss Windsor ziehen, ganz ohne Personal. Dort sollen nicht nur die Kinder unbefangen im Garten tollen dürfen. Es wird auch gemunkelt, William wolle auf diese Weise seinen in Ungnade gefallenen Onkel Andrew besser in Schach halten.

Ein Blick auf den Onkel

Prinz Andrew, der mit einer Millionenzahlung einen Prozess wegen sexuellen Missbrauchs abwenden konnte, sei im Moment offenbar die engste Bezugsperson der Queen: "Die Queen war zuletzt nicht so gut beieinander. Und Andrew, der ganz in der Nähe wohnt, ist nach seinem Rückzug aus dem öffentlichen Leben quasi in Ruhestand und ihr häufigster Besucher", sagt Myers.

Deswegen machten sich unter anderem Charles und William Sorgen, dass er der Queen Dinge "einflüstern könnte" - etwa, dass er wieder öffentliche Aufgaben übernehmen dürfe. In Windsor könnten William und Kate Andrew besser im Blick behalten. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juni 2022 um 05:24 Uhr.