Prinz Andrew | AFP

Nach Missbrauchsvorwürfen Prinz Andrew verliert Dienstgrade

Stand: 13.01.2022 20:46 Uhr

Prinz Andrew droht ein Zivilprozess in den USA wegen sexuellen Missbrauchs. Jetzt hat der zweitälteste Sohn der britischen Queen Elizabeth II. alle militärischen Dienstgrade und royalen Schirmherrschaften verloren.

Ausgerechnet zum 70. Jubiläum der Thronbesteigung der britischen Königin Elizabeth II. steht ihr Sohn Prinz Andrew im Mittelpunkt der schwersten royalen Krise seit langer Zeit. Nun wurden ihm alle militärischen Dienstgrade und royalen Schirmherrschaften entzogen. Das teilte der Buckingham-Palast mit. Dem zweitältesten Sohn der Queen wird sexueller Missbrauch im Zusammenhang mit der Affäre um den verurteilten US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vorgeworfen.

"Mit der Zustimmung und dem Einvernehmen der Queen wurden die militärischen Ränge und royalen Schirmherrschaften des Herzogs von York an die Queen zurückgegeben", hieß es in der Mitteilung. Andrew werde weiterhin "keine öffentlichen Ämter bekleiden", im Fall der gegen ihn erhobenen Vorwürfe werde er sich "als Privatbürger verteidigen".

Auch die übliche royale Anrede "His Royal Highness" soll der 61-Jährige nicht mehr nutzen dürfen, wie britische Medien unter Berufung auf Insider-Quellen berichteten.

Klägerin Virginia Giuffre wirft Andrew vor, sie als 17-Jährige mehrfach missbraucht zu haben, unter anderem in Epsteins Haus in New York. Sie gibt an, zuvor Opfer eines von Epstein und seiner Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell aufgebauten Missbrauchsrings geworden zu sein. Epstein habe sie damals an den Royal "ausgeliehen". Giuffre fordert jetzt Schadenersatz in nicht genannter Höhe.

Maxwell war erst vor kurzem von einem Gericht in einem US-Strafverfahren in mehreren Punkten schuldig gesprochen worden und muss mit einer langen Haftstrafe rechnen. Epstein nahm sich 2019 in Untersuchungshaft das Leben.

"Eine Bombe ins Herz der Royal Family"

Prinz Andrew hatte Giuffres Vorwürfe wiederholt entschieden zurückgewiesen. Wegen der Vorwürfe und seiner früheren Kontakte zu Epstein gab er allerdings bereits 2019 seine royalen Pflichten auf und zog sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Die Anwälte des 61 Jahre alten Prinzen hatten bis vor kurzem gehofft, eine Klage gegen ihn noch abwenden zu können. Doch deren Einwände lehnte der Richter des New Yorker Gerichts am Mittwoch ab. Andrews Anwälte hatten argumentiert, die Klage sei wegen einer Vereinbarung nicht zulässig, die Giuffre mit Anwälten des US-Finanziers Jeffrey Epstein 2009 erzielt habe, ein Jahrzehnt vor dessen Suizid in Haft in Manhattan.

Richter Lewis Kaplan schrieb, dass es in dem Vergleich im Umfang von 500.000 Dollar erhebliche Hinweise darauf gebe, dass Epstein und Giuffre mit den in der Vereinbarung genutzten Formulierungen nicht eindeutig beabsichtigt hätten, dass jemand wie der Prinz davon profitiere. Er stellte fest, dass Prinz Andrew keine Vertragspartei war. Zugleich sagte er, die Vereinbarung sei sehr vage gehalten. Mit dieser Entscheidung urteile er aber nicht über den Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen, erklärte der Richter.

Der renommierte britische Medienanwalt Mark Stephens sagte der BBC, Richter Kaplan habe mit der Entscheidung am Mittwoch "eine Bombe in die Mitte und ins Herz der Royal Family" geworfen, die eine Verfassungskrise auslösen könne. "Das Einzige, was er tun kann, ist, die Verantwortung zu übernehmen."

"Frau Giuffre wird ihren Tag im Gericht wollen"

Nach Ansicht von Experten kann nun nur noch eine Millionenzahlung den Queen-Sohn vor einem skandalösen Gerichtsverfahren retten. Andrew habe ansonsten keine guten Optionen mehr, kommentierte Stephens. "Der Schaden muss begrenzt werden." Stephens schätzt, dass Andrew für eine außergerichtliche Einigung Giuffre fünf bis zehn Millionen Pfund bieten müsste. Das Hindernis: "Frau Giuffre wird ihren Tag im Gericht wollen."

Das machte auch einer der Anwälte der US-Amerikanerin deutlich. "Es ist Virginia Giuffre sehr wichtig, dass diese Angelegenheit auf eine Weise gelöst wird, dass sie und die anderen Opfer Gerechtigkeit erfahren", sagte David Boies der BBC. Er ließ aber eine Hintertür für eine gütliche Einigung offen.

Ohne den Rückhalt seiner Familie, den der Royal bisher zumindest intern noch hatte, wird es um den Prinzen nun zunehmend einsam. Die öffentliche Meinung hat sich ohnehin längst gegen ihn gewendet. Mehr als 150 britische Militär-Veteranen hatten die Queen erst heute in einem offenen Brief aufgefordert, Prinz Andrew von seinen Rollen im Militär zu entbinden, da er den mit den Dienstgraden verbundenen hohen Standards an ehrenhaftes Verhalten nicht gerecht geworden sei. "Wäre dies irgendein anderer ranghoher Militäroffizier, wäre es indiskutabel, dass er noch im Amt wäre", hieß es in dem Schreiben.

Mit Immobilienverkäufen Geld generieren

Für die Queen und die königliche Familie ist Andrew bereits seit längerem eine Belastung. Mit der Fortsetzung des Verfahrens wird seine Position nach Ansicht von Experten immer unhaltbarer. Andrew sei erledigt, sagte Königshaus-Experte Phil Dampier der "Sun". Er sehe keine Möglichkeit, dass Andrew - etwa im Rahmen des Gedenkens an den Falkland-Krieg vor 40 Jahren, in dem er gedient hatte - je wieder öffentlich für das Königshaus auftreten werde.

Der Fall gilt als bedeutendste Klage gegen ein Mitglied der königlichen Familie in jüngster Zeit. Aus dem Königshaus bekommt Andrew nun keinen Penny Unterstützung für seinen Rechtsstreit. Trotzdem könnte er genug Geld für einen Vergleich zur Verfügung haben, wie die Zeitung "The Sun" berichtete.

Demnach will er sein Chalet im Schweizer Alpenort Verbier verkaufen und erwartet Einnahmen von mindestens 15 Millionen Pfund.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Januar 2022 um 19:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Sisyphos3 14.01.2022 • 00:00 Uhr

sie als 17-Jährige mehrfach missbraucht zu haben

was soll man dazu sagen ! Mißbraucht ist ein weitgefasster Begriff Hat er sie verführt, Gewalt physisch oder psychisch angetan ? War es ihr wirklich so unangenehm, mit nem "Königsohn" ist die Kister zu springen Schauspieler sind ja gelegentlich auch populär, Popstars oder VIP´s Eines ist klar, es ist in den USA verboten so was mit ner 17 Jährigen zu machen fragt sich ob ihm deren Alter bewußt war