Zwei Frauen mit Mund-Nasen-Schutz in der Innenstadt von Lissabon | dpa

Coronavirus in Portugal Vom Musterland zum Virusvariantengebiet

Stand: 29.06.2021 00:16 Uhr

Portugal gilt nun als Virusvariantengebiet. Rückkehrer müssen für 14 Tage in Quarantäne - egal, ob geimpft, genesen oder getestet. Was bedeutet das für portugiesische Hoteliers und deutsche Urlauber?

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Für viele deutsche Urlauber in Portugal kommen die neuen Beschränkungen überraschend. Klar, das Land hatte eine schlimme Corona-Welle im Januar und Februar. Doch in den vergangenen Monaten galt Portugal quasi als eine Art Corona-Musterland: Von Mitte März bis Ende April hatte es eine Inzidenz um die 30 oder darunter.

Reinhard Spiegelhauer ARD-Studio Madrid

Viele Umbuchungen, um der Quarantäne zu entgehen

Als André nach Lissabon gekommen ist, war die Welt noch in Ordnung. Jetzt ist alles anders: "Ich habe am Mittwoch meinen Rückflug, war jetzt fünf Wochen hier, habe gearbeitet und Urlaub gemacht, und das bedeutet, dass ich dann in Quarantäne muss für 14 Tage", sagte André. "Der erste Urlaub seit fast zwei Jahren und der endet dann mehr oder weniger desaströs."

Er nimmt es mit Galgenhumor. Viele haben umgebucht, um noch vor der Zwangsquarantäne nach Hause zu fliegen. Lynn aus Köln ist überrascht, findet die Regelung aber nachvollziehbar: "Ist natürlich ein bisschen doof jetzt, weil ich hierhin geflogen bin, mit dem Wissen, dass ich nicht in Quarantäne muss", sagt sie. "Jetzt muss ich es doch, das wirft meine Pläne ein bisschen durcheinander, aber es ist halt so."

Sie könne die neuen Regeln aber nachvollziehen, sagt sie: "Virusvariantengebiet, da muss man natürlich Maßnahmen treffen."

Delta-Variante auf dem Vormarsch

Für die portugiesischen Hoteliers ist das Ganze einfach nur noch eine schlechte Nachricht. Britische Urlauber müssen schon seit knapp vier Wochen in Quarantäne, wenn sie nach Hause kommen. Die Buchungen sind natürlich eingebrochen, sagt Hotelier Serafim. "Wir können absolut nicht mittelfristig oder langfristig planen. Die Leute buchen ganz kurzfristig, wenn sie glauben, dass die Lage gut ist."

Dass es in Portugal wieder kippen könnte, das war eigentlich schon seit dem vorletzten Wochenende klar. Damals hatte die Regierung den Großraum Lissabon zum ersten Mal wieder weitgehend dicht gemacht. Serafim hatte da noch gehofft: Lieber jetzt was tun und weniger Buchungen, als dass die Probleme mit Delta aufs ganze Land übergreifen, meinte der Hotelier.

Aber da war es schon zu spät, und außerdem war Delta da auch schon in der Algarve auf dem Vormarsch. Viele gehen davon aus, dass auch britische Urlauber die Delta-Variante mitgebracht haben. Seit gestern schickt Portugal Besucher aus Großbritannien erstmal in Quarantäne - offensichtlich zu spät.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 29. Juni 2021 um 05:09 Uhr.