Mitarbeiter des Gesundheitswesens in Schutzanzügen in Lissabon | dpa

Coronavirus-Pandemie Bundeswehr kommt Portugal zu Hilfe

Stand: 31.01.2021 12:57 Uhr

Hohe Infektionszahlen, nur noch wenige freie Intensivbetten: In Portugal grassiert die britische Virusvariante besonders heftig. Nun will die Bundeswehr helfen - laut Medienberichten mit medizinischem Personal und Material.

Portugal ist derzeit besonders hart von der Corona-Pandemie betroffen. Die Zahl der Neuinfektionen ist hoch, die Lage in Krankenhäusern spitzt sich immer mehr zu. Laut Daten des Gesundheitsministeriums gibt es nur noch sieben freie Betten für die Intensivpflege.

Die Bundeswehr will nun Unterstützung schicken. "Wir werden mit medizinischem Personal und Material helfen", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Details würden voraussichtlich Anfang der kommenden Woche bekanntgegeben. Die Regierung in Portugal hatte ein Hilfeersuchen an Deutschland gerichtet.

"Spiegel": Ärzte, Betten und Beatmungsgeräte

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" soll ein Team von 27 Ärzten und Sanitätern aus Deutschland entsandt werden, es sollen Hilfsflüge auch mit Feldkrankenbetten und Beatmungsgeräten geschickt werden. Dies konnte der Sprecher des Verteidigungsministerium nicht bestätigen.

Österreich übernimmt Corona-Patienten

Inzwischen übernimmt Österreich von Portugal schwer kranke Corona-Patienten. Wie viele Menschen nach Österreich geflogen werden sollen, werde mit dem portugiesischen Gesundheitsministerium abgeklärt, teilte Bundeskanzler Sebastian Kurz mit. Das portugiesische Gesundheitsweisen steht wegen hoher Infektionszahlen massiv unter Druck.

Nur noch wenige freie Intensivbetten

Die Corona-Lage in Portugal ist nach Worten von Ministerpräsident António Costa "sehr schlimm". Laut Daten des Gesundheitsministeriums vom Samstag gibt es nur noch sieben freie Betten für die Intensivpflege. Von 850 solcher Betten auf dem Festland, die für Covid-19-Patienten bereitstehen, sind 843 belegt. Für die zehn Millionen Einwohner gibt es zudem 420 Intensivpflege-Betten, die aber für andere Krankheitsfälle reserviert sind.

Nach Angaben des Ministeriums wurden am Samstag binnen 24 Stunden 12.435 Neuinfektionen und 293 weitere Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus verzeichnet. Bislang wurden über 711.000 Infektions- und 12.179 Todesfälle registriert.

Portugal war lange glimpflich durch die Pandemie gekommen. Seit dem Herbst wird die Lage aber immer schlechter. Seit dem 15. Januar herrscht in dem Land ein strenger Lockdown. Seit dem heutigen Sonntag ist in dem Land die Ein- und Ausreise ohne triftigen Grund untersagt. An der Landgrenze zum Nachbarn Spanien wurden - wie bereits im Frühjahr 2020 - wieder Kontrollen eingeführt. An Häfen und Flughäfen wurden zudem nach dem Regierungsdekret die Kontrollen verschärft. Ausnahmen gelten unter anderem für Menschen, die zur Arbeit fahren, an ihren Hauptwohnsitz zurückkehren oder beruflich unterwegs sind, für den Warentransport sowie für medizinische Notfälle oder humanitäre Hilfe.

Die 1214 Kilometer lange Landgrenze zwischen Portugal und Spanien war wegen der Pandemie bereits erstmals am 17. März geschlossen worden. Erst am 1. Juli wurde sie im Zuge der seinerzeit stark rückläufiger Zahlen wieder geöffnet.

Einreisesperre nach Deutschland

Wegen der Verbreitung der höher ansteckenden Virusvariante aus Großbritannien gilt in Deutschland seit Samstag eine Einreisesperre für Menschen aus Portugal, wobei es allerdings Ausnahmen etwa für Deutsche und Menschen mit Aufenthaltsrecht in Deutschland gibt. Neben Portugal sind auch Reisende aus Großbritannien, Irland, Brasilien und Südafrika betroffen. 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Januar 2021 um 13:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 31.01.2021 • 21:20 Uhr

19:44 von fathaland slim / @ Anna-Elisabeth

«Nach den OECD-Zahlen müsste Portugal dann also um die 420 Intensivbetten haben. Das hieße, daß bei 843 Patienten noch einmal die gleiche Anzahl an Intensivbetten geschaffen worden wäre. Innerhalb relativ kurzer Zeit. Ist das realistisch?» Das scheint mir auch unrealistisch. Innerhalb eines Jahres Verdoppelung der Bettenzahl für Intensivmedizin. In DEU wurde die Durchschnittszahl von ± 29 auf ± 34 / 100.000 Einwohner gesteigert als Folge / Vorbeitung von / auf Corona. Ca. 17% mehr Betten als davor. Aber 4,2 und 29,2 sind tatsächlich die beiden Zahlen am ganz unteren Ende (POR) und auf dem Spitzenplatz (DEU), die die OECD für Europa nennt. Für vor Corona für 2019. Unter 5 ist sehr wenig. Bei ± 15 ist gut (dort sind auch S-KOR + JAP nach Aufstockung), mehr als 15 ist viel. Eine Katastrophe für mein so sehr geliebtes Land Portugal. Bis vor ca. 6 Wochen noch mit nur wenig bedrohlichen Fallzahlen an Erkrankten und Toten. Ich leide im Herzen sehr mit. Au weia … wie schnell das war !