Welpenhandel auf einem polnischen Markt. (Archivbild: 11.10.2009) | picture alliance / blickwinkel/J
Europamagazin

Tierschutz in Polen Das skrupellose Geschäft mit Welpen

Stand: 13.11.2021 11:39 Uhr

In Polen hat sich der illegale Handel mit Hundewelpen zu einem lukrativen Geschäft entwickelt. Die Tiere werden häufig unter quälenden Bedingungen aufgezogen und nach ganz Europa verkauft. Ein Tierschutzgesetz hat fatale Folgen.

Von Olaf Bock, ARD-Studio Warschau

Bei Züchterin Anna Bogucka kann man erahnen, warum sich so viele in Hundewelpen verlieben: Große Kulleraugen schauen die Besucher an - und die kleine Hundewelpen stellen eine Menge Unsinn an. Seit fast 40 Jahren betreibt Bogucka eine Hundezucht in der Nähe von Warschau. Mit Leidenschaft, wie sie sagt: "Die Zucht erfordert eine Menge Fachwissen über die Anatomie, Genetik und die Geschichte der Rasse und die Besonderheiten der Welpenherkunft“, erklärt sie. Die Hunde sehen gesund aus. Und sie verkauft sie mit gültigen Papieren. Aber das ist längst nicht überall so in Polen.

Olaf Bock ARD-Studio Warschau

Unterwegs mit versteckter Kamera auf einem der größten polnischen Märkte, rund 60 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Warschau. Hier gibt es fast alles zu kaufen. Auch Haustiere: große Hunde, kleine Hunde, Mischlinge und Rassehunde. Zwischen 500 bis 2000 Euro verlangt ein Züchter normalerweise für Rassetiere - das geht hier viel billiger. Und Hundeverkauf ist oft Kofferraumverkauf.

Etwas abgelegen in einer Ecke stehen wenige Wochen alte Welpen zum Verkauf. Die Tiere sehen verängstigt aus. Kein Zweifel: Sie müssten wohl noch bei ihrer Mutter sein, der Verkauf scheint illegal zu sein. Ein paar Meter weiter werden Mischlinge angeboten: Sie sollen zwischen 100 und 200 Euro kosten, aber Papiere, die zum Beispiel über den Gesundheitszustand informieren würden, gibt es dafür nicht.

Das ganze Gelände ist privat, der Verkauf von Tieren grundsätzlich zulässig. Mateusz Janda, Chef der staatlichen Tierschutzpolizei, sieht solche Märkte aber seit vielen Jahren mit Sorge. Sie begünstigten die illegale Hundezucht - in Polen sei das ein großes Problem. Die Tiere würden vielfach unter quälenden Bedingungen gehalten, aufgezogen und verkauft. Ganze Hundefabriken habe er schon ausgehoben. Er zeigt uns in seinem Büro verstörende Aufnahmen: "Die Tiere werden von dort nach ganz Polen und Europa transportiert. Was für ein Drama. Diese Tiere waren in Garagen und Blechhäusern untergebracht und hatten keine Bewegung, konnten nicht spielen und kamen nie aus den Käfigen."      

Welpenhandel auf einem polnischen Markt. (Archivbild: 11.10.2009) | picture alliance / blickwinkel/J

Illegal gezüchtete Hunde werden ihren Müttern häufig früh entrissen. In welchem Gesundheitszustand sie verkauft werden, bleibt ungewiss. Bild: picture alliance / blickwinkel/J

Eine Reform mit Folgen

Geschätzt gibt es inzwischen mehrere tausend Zuchtbetriebe in Polen - zu viele, sagt Janda. Möglich geworden sei dies ausgerechnet durch ein neues Tierschutzgesetz, das vor neun Jahren verabschiedet wurde. Eigentlich sollte damit illegale Hundezucht bekämpft werden. Zu diesem Zwecke wurden föderale Strukturen bei der Überwachung und dezentrale Genehmigungsverfahren für die Tierzucht eingeführt.

Doch das Gesetz ermöglicht es jetzt eben auch Kleinsthändlern, Rassetiere zu verkaufen - und wegen der hohen Anzahl gibt es so gut wie keine Kontrollen. In der Praxis führe dass dazu, dass viele Tiere nicht artgerecht gehalten würden. Auch seien die Dokumente leicht zu fälschen.

Ein Drehkreuz für ganz Europa

Dass ausgerechnet Polen so ein Hotspot für den Welpenhandel sei, habe auch mit der geographischen Nähe zu Westeuropa zu tun. Und es seien keine Kontrollen an den EU-Binnengrenzen zu fürchten. "Manche Händler organisieren sich in Gruppen, kaufen für 200, 250 Euro Welpen, die dann nach Deutschland, in die Niederlande, Frankreich und nach Norwegen gebracht werden. Eigentlich nach ganz Europa."

Durch die Corona-Pandemie habe die Nachfrage nach Hunden zugenommen, berichtet Janda. Als Mittel gegen die Einsamkeit - außerdem habe man selbst bei Ausgangssperren noch mit einem Hund oft vor die Tür gedurft. Ändern wird sich an der Lage erstmal wenig, fürchtet Janda. Im Gegenteil: "Solange unser polnisches Parlament und die Gesetzgeber keine restriktiven Bestimmungen in das Tierschutzgesetz aufnehmen, die die Zucht dieser Art von Hunden verbieten, wird dieses Problem weiter zunehmen."

Diese und weitere Reportagen sehen Sie im Europamagazin - am Sonntag um 12:45 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 14. November 2021 um 12:45 Uhr im Europamagazin.