Szymon Holownia tritt im polnischen Präsidentschaftswahlkampf 2020 auf | picture alliance/dpa/PAP

"Polska 2050" Eine neue Partei mischt Polen auf

Stand: 30.04.2021 10:05 Uhr

Eine neue Partei wird in Polen zur ernstzunehmenden Konkurrenz für die etablierten Parteien. "Polska 2050" gibt sich proeuropäisch und katholisch, konservativ und grün. Ihr großer Zuspruch hängt auch am schillernden Parteiführer.

Von Olaf Bock, ARD-Studio Warschau

Er war schon Präsidentschaftskandidat. Als Szymon Holownia bei der vergangenen Wahl im Frühjahr 2020 antrat, überzeugte er auf Anhieb mehr als zweieinhalb Millionen Menschen, was dem politischen Neuling den ehrenvollen dritten Platz bescherte.

Olaf Bock ARD-Studio Warschau

Nun macht sich Holowina daran, den "alten" Parteien das Fürchten zu lehren. Gerade erst gegründet, verspricht "Polska 2050", nicht an den nächsten Wahlkampf, "sondern an die nächste Generation" zu denken - so Parteigründer Holownia zum Auftakt der Registrierung seiner Partei Anfang April.

Die Welt der Tochter retten

Holownia war schon vor seiner politischen Karriere vielen Polen bekannt. Nach einem Psychologiestudium wurde er Journalist, später war er viele Jahre lang Moderator einer Talentshow mit Millionenpublikum. Verheiratet ist der 44-Jährige mit einer MIG-Pilotin der polnischen Luftstreitkräfte, gemeinsam haben sie eine Tochter.

Darauf spielt auch sein Buch "Fabryka Jutra" - frei übersetzt: "Die Fabrik der Zukunft" - an. Es trägt den Untertitel "Wie ich beschloss, alles hinzuwerfen und die Welt meiner Tochter zu retten". Holownia ist ein talentierter, schneller Redner und richtet seinen Blick dabei auf die Zuhörer.

Szymon Holownia und seine Ehefrau Urszula Brzezinska-Holownia  | picture alliance/dpa/PAP

Prominentenstatus schon vor dem Einstieg in die Parteipolitik: Szymon Holownia und seine Ehefrau Urszula Brzezinska-Holownia Bild: picture alliance/dpa/PAP

Katholizismus und Klima

Die Politik seiner neugegründeten Partei ist ein Sammelbecken für politisch enttäuschte Polen, die vom ständigen Lagerkampf der nationalkonservativen Regierungspartei PiS und der oppositionellen PO enttäuscht sind. Holownia versucht, in beide Richtungen zu punkten. In seiner Jugend war er Novize im Dominikaner-Orden und bezeichnet sich selbst als bekennender Katholik. Christlich-konservative Werte will er vertreten, zugleich aber die Beziehung zwischen dem Staat und der mächtigen katholischen Kirche hinterfragen.

In Sachen Klima prescht er voran. Er fordert den kompletten Kohleausstieg Polens bis 2040- und das in einem Land, das noch zu etwa 70 Prozent auf diesen Energieträger setzt. "In meiner Lebenszeit wird es kein wichtigeres Thema geben", sagt er. Andererseits ist er aber der Kernenergie nicht abgeneigt.

Klares Bekenntnis zu Europa

In vielen anderen Bereichen soll "Polska 2050" Akzente setzen. Mehr kommunale Selbstverwaltung, gleiche berufliche Chancen für Frauen und Männer und ein klares Bekenntnis zu Europa, guten Beziehungen zu Deutschland und Frankreich.

Der Justizreform der Regierung, Quelle stetigen Ärgers mit der EU, steht er skeptisch gegenüber; Holownia fordert die Unabhängigkeit der Gerichte. Das und die Diskriminierung sexueller Minderheiten durch "LGBT-Ideologie-freie Zonen" verhindere, dass Polen mehr Einfluss auf die europäische Politik nehmen könne, obwohl Polen das Potenzial dazu hätte.

Zustimmung aus allen Lagern

Die politischen Pläne der neuen Bewegung rütteln wohl auf in Polen. In einer Umfrage kommt die Bewegung auf Anhieb auf mehr als 20 Prozent der Stimmen. Er genießt Zustimmung im linksliberalen Lager, aber ist auch für konservative Wähler interessant, denen nicht mehr alle Positionen der Regierungspartei eine Heimat bieten. Holownia ist als Patriot und bekennender Katholik auch für sie wählbar.

In Umfragen hat die regierende PiS ihre absolute Mehrheit derzeit verloren, das könnte auch an "Polska 2050" liegen. So rüstet sich die Partei für die kommenden Parlamentswahlen in zwei Jahren. Wie sie ausgeht, wird auch davon abhängen, ob und wie die Regierung die Covid-Pandemie in den Griff bekommt.