Das polnische Parlament Sejm | EPA

Deutsche Minderheit in Polen Weniger Geld aus Warschau

Stand: 17.12.2021 15:58 Uhr

Die national-konservative polnische Regierung will die Finanzierung des muttersprachlichen Unterrichts für die deutsche Minderheit kürzen. Offenbar geht es darum, den Druck auf Deutschland zu erhöhen.

Von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

Theoretisch sind sämtliche Minderheitensprachen betroffen, der Schritt zielt aber erklärtermaßen auf die hauptsächlich in Schlesien ansässige deutsche Minderheit: Das polnische Parlament hat entsprechende Mittel für muttersprachlichen Unterricht um knapp ein Fünftel gekürzt; es geht um 40 Millionen Zloty, knapp zehn Millionen Euro weniger.

Jan Pallokat ARD-Studio Warschau

"Deutschland soll die Menschenrechte einhalten"

Der Schritt, gegen den der Parlaments-Vertreter der deutschen Minderheit protestierte, soll Druck machen auf Berlin, mehr zu tun für den Polnisch-Unterricht in Deutschland. Bildungsminister Przemyslaw Czarnek sagte im Sejm, es könne nicht sein, dass Warschau 236 Millionen Zloty für die deutsche Minderheit und die deutsche Sprache zahle, aber die Regierung in Deutschland, wo 2,2 Millionen Polen lebten, keinen Euro für die polnische Minderheit ausgebe. "Genug! Wir fordern, dass die Bundesrepublik ihre internationalen Verpflichtungen und die Menschenrechte einhält; dann werden wir das Geld wieder freigeben."

Polen will mehr Polnisch-Unterricht in Deutschland

Tatsächlich finanzieren in Deutschland die für Bildung zuständigen Länder den Polnisch-Unterricht, der freilich ein Stiefmütterchen-Dasein fristet: Gut 14.000 Schüler würden entsprechend muttersprachlich unterrichtet, so der deutsche Botschafter in einem Internet-Eintrag, in dem er die Mittelkürzungen in Polen kritisierte. Schwerpunkt des Polnisch-Unterrichts ist Nordrhein-Westfalen, wo laut Polonia-Beauftragtem Thorsten Klute 5100 Schüler Polnisch lernen, hinzu kommen schwerpunktmäßig Angebote etwa nahe der deutsch-polnischen Grenze.

Angesichts von mehr als acht Millionen Schülern in Deutschland entspricht dies aber nur einem Bruchteil von nicht einmal 0,2 Prozent der Schüler, Tendenz in den letzten Jahren steigend von noch niedrigerem Niveau. Und das, obwohl Polen die nach Türken zweitgrößte Einwanderergruppe in Deutschland bilden. Obendrein hat sich die Bundesrepublik im vor 30 Jahren unterzeichneten deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag verpflichtet, muttersprachlichen Unterricht zu ermöglichen.