Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki  | AFP

Pandemie in Polen Corona-Rat wirft fast geschlossen hin

Stand: 14.01.2022 18:56 Uhr

Fast alle Corona-Berater der Regierung in Polen sind aus Protest zurückgetreten. Im Kabinett mache sich der Einfluss von Impfgegnern breit, klagten die Experten in einem Schreiben. Ihre Empfehlungen seien nicht berücksichtigt worden.

In Polen hat der Streit um die staatliche Corona-Politik zu einem offenen Eklat im medizinischen Beratergremium der Regierung geführt. Aus Protest gegen den zunehmenden Einfluss von Impfgegnern haben 13 von 17 Mitgliedern den Medizinischen Rat verlassen.

Die Experten begründeten dies in einem Schreiben an Ministerpräsident Mateusz Morawiecki mit einem "mangelnden Einfluss" ihrer Empfehlungen. "Gleichzeitig haben wir beobachtet, dass es eine wachsende Toleranz für Gruppen gibt, die die Bedrohung durch Covid-19 und die Bedeutung von Impfungen im Kampf gegen die Pandemie verneinen."

"Nur begrenzt Maßnahmen ergriffen"

Auch Regierungsmitglieder und weitere hochrangige Mitarbeiter hätten die Risiken einer Corona-Infektion geleugnet, hieß es in dem Schreiben, das führende Virologen, Epidemiologen und Intensivmediziner unterzeichnet hatten. Nur vier Mitglieder des Rats schlossen sich nicht an.

Die Regierung habe "nur sehr begrenzte Maßnahmen" ergriffen, um dem Anstieg der Fälle im Herbst entgegenzuwirken, kritisierten die Berater. Das Kabinett habe es versäumt, "sich der Bedrohung durch die Omikron-Variante zu stellen, obwohl die Zahl der vorhergesagten Todesfälle erschreckend hoch ist". 

Rechtliche Grundlage fehlt

Die Opposition wirft der nationalkonservativen PiS-Regierung schon länger vor, angesichts einer vergleichsweise geringen Impfquote drastische Maßnahmen zu vermeiden, um Impfgegner in den eigenen Reihen nicht zu verprellen. Mehrere Abgeordnete der rechtsnationalistischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) sprachen sich in der Vergangenheit wiederholt gegen Corona-Impfungen aus.

So fehlt beispielsweise weiterhin eine rechtliche Grundlage dafür, dass Betreiber von Restaurants, Hotels und Geschäften den Impfstatus ihrer Kunden abfragen können. Regelungen wie 2G (also Zugang nur für Geimpfte und Genesene) oder 3G (also auch für Getestete) sind in Polen unbekannt.

Nur gut 50 Prozent der Polen doppelt geimpft

Der Rücktritt der Experten erfolgte, nachdem das Land mit 38 Millionen Einwohnern heute die Schwelle von 100.000 Corona-Todesfällen überschritten hatte. Derzeit sind 56,4 Prozent der Bevölkerung mindestens zweimal geimpft. Etwa 22 Prozent haben auch schon eine Auffrischungsimpfung.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 14. Januar 2022 um 17:55 Uhr.