Klaus Hasselmann | dpa

Verkündung in Stockholm Erneut Physik-Nobelpreis für Deutschen

Stand: 05.10.2021 12:47 Uhr

Zum zweiten Mal in Folge wird ein Deutscher mit dem Physik-Nobelpreis geehrt. Klaus Hasselmann teilt sich den Preis mit dem US-Amerikaner Manabe sowie dem Italiener Parisi für Forschung zum Erdklima und zu komplexen Systemen.

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr zur einen Hälfte an den Deutschen Klaus Hasselmann und den japanischstämmigen US-Amerikaner Syukuro Manabe sowie zur anderen Hälfte an den Italiener Giorgio Parisi. Sie werden für ihre "bahnbrechenden Beiträge zu unserem Verständnis komplexer physikalischer Systeme" ausgezeichnet, wie das Nobelkomitee in Stockholm mitteilte.

Hervorgehoben wurde die Bedeutung von Hasselmanns und Manabes Forschung für das physikalische Modellieren des Klimas der Erde. Sie hätten die Grundlage für das Wissen über das Erdklima und den Einfluss des Menschen gelegt. Parisis Forschung beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Unordnung und Fluktuationen physikalischer Systeme von der atomaren bis hin zur planetarischen Ebene.

Syukuro Manabe, Klaus Hasselmann und Giorgio Parisi  | nobelprize.org

Manabe und Hasselmann wurden gemeinsam geehrt, die andere Hälfte des Preises geht an Parisi. Bild: nobelprize.org

Professor in Hamburg

Hasselmann zählt zu den führenden deutschen Klimaforschern und war zunächst Professor und später Direktor des Instituts für Geophysik und Planetarische Physik an der Universität Hamburg. Nach mehreren Auslandsstationen übernahm er von 1975 bis November 1999 die Leitung des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg und war von 1988 bis 1999 erster wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Klimarechenzentrum in Hamburg.

Der 89-Jährige beschäftigte sich schon früh mit dem menschengemachten Klimawandel und dem Treibhauseffekt. In einem Interview von 1988 sagte er: "In 30 bis 100 Jahren, je nachdem, wieviel fossiles Brennmaterial wir verbrauchen, wird auf uns eine ganz erhebliche Klimaänderung zukommen. Klimazonen werden sich verschieben, Niederschläge anders verteilen. Dann wird man nicht mehr von Zufallsergebnissen reden können. Man sollte sich bewusst werden, dass wir in eine Situation hineinkommen, wo es keine Umkehr mehr gibt. Wir müssen vor allem versuchen, mit Öl und Kohle sparsam umzugehen, denn das Kohlendioxid ist wesentlich an der Treibhauswirkung schuld."

Auch Parisi hält den Kampf gegen die Klimakrise wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz COP26 für äußerst dringend. "Es ist klar, dass wir für künftige Generationen jetzt sehr schnell handeln müssen", sagte der Italiener kurz nach der Ehrung. Es sei sehr dringend, dass auf der Konferenz in Glasgow klare und sehr kraftvolle Entscheidungen getroffen würden.

Knapp eine Million Euro Preisgeld

Die Auszeichnung ist mit zehn Millionen Kronen (rund 985.000 Euro) dotiert und wird für bahnbrechende Forschungen und nicht für eine Lebensleistung vergeben. Sie kann auf bis zu drei Personen verteilt werden. Eine posthume Würdigung ist nicht zulässig. Übergeben werden die Preise am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Im vergangenen Jahr waren der deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel, der Brite Roger Penrose und die Amerikanerin Andrea Ghez für Forschungen zu schwarzen Löchern und supermassiven kompakten Objekten mit dem Preis geehrt worden. Gestern war bereits der Medizin-Nobelpreis an die US-Wissenschaftler David Julius und Ardem Patapoutian für ihre Grundlagenforschung zur Hitze- und Druckwahrnehmung im menschlichen Körper verliehen worden.

Preise für Chemie, Literatur und Frieden folgen

Für Mittwoch wird die Entscheidung über die Verleihung des Nobelpreises für Chemie erwartet, am Donnerstag steht die Bekanntgabe des Literatur-Nobelpreises an und am Freitag wird verkündet, wer den Friedensnobelpreis erhält. Der Preis für Wirtschaft, der streng genommen kein Nobelpreis ist, wird am kommenden Montag bekanntgegeben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 05.10.2021 • 17:40 Uhr

16:50 von Barbarossa 2

«Es wäre auch sehr hilfreich wenn sich einige Experten die Mühe machten und uns den Umweltschaden infolge des Vulkanausbruches auf La Palma erklärten. Nur zum besseren Verständnis. Es kann doch nicht sein, daß solche Naturereignisse keine Rolle spielen.» Was bei Vulkanausbrüchen immer in größerem Maß in die Atmosphäre entweicht, ist Schwefeldioxyd SO2. Das kann man recht einfach messen im Volumen, da in den Oberen Schichten der Atmosphäre sonst nicht so viel SO2 ist. Ist die Veränderung um den Vulkan herum nicht so schwierig zu erfassen. Aktuell beim "Cumbre Vieja" auf La Palma sollen es 8.000 bis 10.500 Tonnen SO2 pro Tag sein. CO2 stoßen Vulkan eigentlich immer aus auch in "ruhendem / schlafendem" Zustand. Das Vulkaninstitut der Kanaren maß 2017 ca. 800 Tonnen / Tag am Cumbre Vieja. Das ist so was wie gar nichts minus eins im Vergleich zum täglichen CO2-Ausstoß von Industrie + Verkehr + Haushalten. In aktiv-aufgewachtem Zustand macht auch der Vulkan mehr CO2 als im Schlaf.