Kreml-Sprecher Peskow mit einem Smartphone am Ohr. | via REUTERS

Fingiertes Telefonat von Nawalny-Team Peskows Sohn will nicht in die Ukraine

Stand: 22.09.2022 19:15 Uhr

Das Nawalny-Team hat offenbar den Sohn von Kremlsprecher Peskow hereingelegt. Der sagte demnach in einem Fake-Anruf, dass er nicht für Russland in der Ukraine kämpfen wolle. Das Thema Einberufung werde er "auf anderer Ebene regeln".

300.000 Reservisten sollen in den nächsten Wochen in die russische Armee eingezogen werden. Präsident Wladimir Putin hatte am Mittwoch die Teilmobilmachung befohlen, um die Truppen beim Kampf in der Ukraine zu unterstützen. Daraufhin setzte in Russland ein Ansturm auf Flugtickets ins Ausland ein. Viele Männer im wehrfähigen Alter wollen sich der Einberufung entziehen.

Auch der Sohn von Kremlsprecher Dmitri Peskow hat offenbar wenig Lust, an der Front zu kämpfen. Das Team um den inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalny legte ihn demnach mit einem Telefonstreich herein. Dort entlarvte sich 32-jährige Nikolai Choles (Peskow) als Drückeberger.

"Das brauchen weder Sie noch ich"

Ein Mitarbeiter von Nawalnys Team gab sich am Telefon als Mitarbeiter eines Moskauer Wehrkreiskommandos aus, das die Einberufung von Reservisten durchsetzen soll. Er werde sich nicht einfinden und die Frage auf anderer Ebene entscheiden lassen, sagte Peskow junior dem veröffentlichten Telefonmitschnitt zufolge.

"Wenn Sie wissen, dass ich Herr Peskow bin, dann sollten Sie verstehen, dass das nicht ganz korrekt ist, dass ich mich dort einfinde. Kurz, ich werde das auf einer anderen Ebene regeln", sagte er demnach. Auf die nochmalige Frage, ob er sich doch noch am nächsten Morgen um 10 Uhr in der Dienststelle einfinden werde, betonte er: "Glauben Sie mir, das brauchen weder Sie noch ich".

Persönlicher Befehl von Putin?

Laut dem veröffentlichten Mitschnitt sagte Peskows Sohn, dass er grundsätzlich bereit sei zur Verteidigung der Heimat. Aber in die Ukraine will er demnach nicht. Der Anrufer erinnert ihn daran, dass Putin selbst die Mobilmachung für den Krieg in der Ukraine angeordnet habe: "Wenn Wladimir Wladimirowitsch mir sagt, dass ich dorthin gehen soll, dann geh ich dorthin."

Daraufhin wird er belehrt, dass Putin nicht jeden der anvisierten 300.000 Reservisten selbst anrufen könne. Peskows Sohn meint dazu, er sei nicht wie jeder.

Vater Peskow dementiert

Nawalnys Team wies Erklärungen des Kremlsprechers Peskow zurück, wonach das Telefonat geschnitten worden sei. Es habe sich um ein Live-Telefonat in einer Sendung gehandelt, hieß es. Kremlsprecher Peskow nahm seinen Sohn in Schutz. Nikolai habe ihm von dem Vorfall berichtet, sagte er in Moskau. Der vollständige Inhalt des Telefonats zwischen seinem Sohn und dem Blogger sei aber noch nicht veröffentlicht. 

Der Kreml-Sprecher implizierte damit, dass die Äußerungen seines Sohns aus dem Kontext gerissen worden seien. Peskow erklärte russischen Medien zufolge, dass sein Sohn sich keineswegs dem Dienst entziehen wolle. Der Kremlgegner Nawalny hatte zuvor beklagt, Putin werfe einfache russische Bürger in den "Fleischwolf" des Kriegs, während die Elite unbeschadet bleibe.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 22. September 2022 um 22:15 Uhr.