Nancy Pelosi und Alen Simonyan bei einer Pressekonferenz | AFP

Armenien-Besuch nach Gefechten Pelosi gibt Aserbaidschan die Schuld

Stand: 18.09.2022 16:11 Uhr

Erneut ist in dieser Woche der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan aufgeflammt. US-Spitzenpolitikern Pelosi sieht die Verantwortung dafür bei der Führung in Baku. Der Angriff auf Armenien sei illegal gewesen, sagte sie in Eriwan.

Nach den jüngsten Gefechten zwischen armenischen und aserbaidschanischen Truppen hat die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, Aserbaidschan für die Eskalation verantwortlich gemacht. Sie sprach in der armenischen Hauptstadt Eriwan von einem "illegalen und tödlichen Angriff". "Amerika steht an der Seite Armeniens und unterstützt seine Sicherheit und Demokratie", betonte die US-Demokratin.

Im Namen des US-Kongresses verurteilte sie diese Angriffe auf das Schärfste, die die Aussichten auf ein "dringend benötigtes Friedensabkommen" gefährdeten. Die 82-Jährige betonte, dass die "territoriale Unversehrtheit Armeniens" für die USA wichtig sei. "Ziel unseres Besuches ist zu verstehen, was Armenien von den USA erwartet und welche Unterstützung wir leisten können." Pelosi war am Samstag für einen dreitägigen Besuch in Armenien eingetroffen.

Mehr als 200 Tote in zwei Tagen

Die neuerlichen Gefechte liegen im jahrzehntealten Konflikt um die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region Bergkarabach begründet. Völkerrechtlich gehört das Gebiet zu Aserbaidschan, von dem es sich aber 1991 losgesagt hatte. Der Konflikt war 2020 zu einem Krieg eskaliert. Dieses Mal wurde nach Angaben aus Eriwan aber nicht die Konfliktregion angegriffen, sondern das armenische Kernland.

Nach offiziellen Angaben Eriwans wurden im Zuge der Attacke in der vergangenen Woche 135 armenische Soldaten getötet. Aserbaidschan beklagte mehr als 70 Tote in den eigenen Reihen. Die öl- und gasreiche Südkaukasusrepublik Aserbaidschan hatte Armenien in der Nacht zum Dienstag angegriffen. Aserbaidschan wirft Armenien vor, zuvor provoziert zu haben. Das militärisch schwache Land weist das zurück. Nach zwei Tagen schwerer Kämpfe gilt seit Donnerstag eine Waffenruhe.

Wenig Vertrauen in Russland

Der armenische Parlamentspräsident Alen Simonian sagte bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Pelosi, die Gewalt habe dank einer Vermittlung der USA beendet werden können. Zuvor war ein Versuch gescheitert, unter russischer Vermittlung eine Waffenruhe zu erreichen. Traditionell ist Russland Schutzmacht Armeniens. Allerdings mehrt sich in Eriwan Kritik, dass Moskau wegen des Kriegs in der Ukraine überfordert sei.

Aserbaidschan habe die internationale Aufmerksamkeit für den Krieg in der Ukraine ausgenutzt, um das Land "brutal zu bombardieren", führte Simonian aus. Er forderte Sanktionen des Westens gegen Aserbaidschan. Allerdings ist das Land mit dem NATO-Mitglied Türkei verbündet. Wegen seiner strategischen Bedeutung für die Energieversorgung Europas hat Aserbaidschan zusätzlich an Gewicht gewonnen. Zuletzt vereinbare das Land mit der EU die Lieferung von Gas als Ersatz für russische Gaslieferungen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. September 2022 um 16:00 Uhr.