Papst Benedikt XVI. | dpa

Vatikan Emeritierter Papst Benedikt XVI. ist tot

Stand: 31.12.2022 17:21 Uhr

Der frühere Papst Benedikt XVI. ist tot. Er starb am Morgen mit 95 Jahren im früheren Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan. Die Totenmesse halte Papst Franziskus am Donnerstag auf dem Petersplatz, teilte der Vatikan mit.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist tot. "Schmerzerfüllt muss ich mitteilen, dass Benedikt XVI., Papst Emeritus, heute um 9.34 Uhr im Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan verstorben ist", teilte der Sprecher des Heiligen Stuhls, Matteo Bruni, mit. Am Mittwoch nach der Heiligen Messe haben Benedikt die Krankensalbung erhalten.

Benedikts Gesundheitszustand hatte sich in den vergangenen Tagen verschlechtert. Öffentliche Auftritte gab es zuletzt nicht mehr. In seinen letzten Lebensjahren befand er sich nach eigenen Worten auf einer Pilgerreise "nach Hause".

Aufbahrung am 2. Januar

Nach seinem Tod wird Benedikt XVI. nun vom 2. Januar an im Petersdom aufgebahrt. Gläubige könnten dann von ihm Abschied nehmen, so die Mitteilung des Vatikans. Die Petersbasilika bleibt am Montag von 9.00 bis 19.00 Uhr und am Dienstag und Mittwoch jeweils von 7.00 bis 19.00 Uhr für Besucher geöffnet.

Papst Franziskus werde dann am Donnerstagmorgen um 9:30 Uhr die Totenmesse für Benedikt auf dem Petersplatz halten, teilte Bruni mit. Auf Wunsch Benedikts solle die Messe schlicht ablaufen. Gläubige können der Feier beiwohnen; es seien keine Eintrittskarten für die Veranstaltung unter freiem Himmel nötig, so der Vatikan.

Im Anschluss solle Benedikt in der Krypta unterhalb des Petersdoms beigesetzt werden. Das bestätigte der Heilige Stuhl. Nach den im Vatikan geltenden Regeln muss ein Papst vier bis sechs Tage nach seinem Tod beigesetzt werden.

Benedikt hatte sich gewünscht, an jener Stelle beigesetzt zu werden, an der Papst Johannes Paul II. nach seinem Tod zunächst seine Ruhestätte fand, ehe er nach der Seligsprechung in eine Kapelle im Petersdom gebracht wurde.

Geburtshaus von Papst Benedikt in Marktl am Inn, im Vordergrund die Benediktsäule | picture alliance / Chris Wallber

Das Geburtshaus von Benedikt XVI. im oberbayerischen Marktl am Inn öffnete anlässlich seines Todes am Samstag jenseits der üblichen Öffnungszeiten die Pforten. In dem Zimmer, in dem Joseph Ratzinger am 16. April 1927 geboren wurde, brannten Kerzen, eine weiße Rose stand auf einem schwarzen Tuch. Im Foyer lag ein Kondolenzbuch aus. Auch am Sonntag soll das Geburtshaus geöffnet sein. Bild: picture alliance / Chris Wallber

Freiwilliger Rücktritt

Joseph Ratzinger war am 19. April 2005 als Nachfolger von Johannes Paul II. zum Papst gewählt worden. Benedikt war der erste deutsche Papst seit etwa 480 Jahren. Knapp acht Jahre später trat er in einem spektakulären Schritt freiwillig zurück - als erster Papst seit mehr als 700 Jahren. Er begründete den Schritt mit seinem fortgeschrittenen Alter und seiner angeschlagenen Gesundheit - ihm fehlten die Kräfte für das anspruchsvolle Amt, sagte er damals.

Während des Pontifikats seines Nachfolgers Franziskus lebte Benedikt zurückgezogen in einem Kloster in den Vatikanischen Gärten. In seinem Pontifikat führte Benedikt den konservativen Kurs seines Vorgängers fort. Er stemmte sich gegen eine Modernisierung der Kirche, was ihm viel Kritik einbrachte. Die anfängliche Begeisterung der Deutschen schwand.

Strenge Haltung stieß auf Kritik

Seine Amtszeit wurde vor allem von Missbrauchsskandalen überschattet, die die katholische Kirche in eine tiefe Krise stürzten. Schon weit vor Beginn seines Pontifikats prägte Benedikt die katholische Kirche. Als Präfekt der Glaubenskongregation in Rom hatte Kardinal Ratzinger bereits mehr als 20 Jahre Kirchengeschichte geschrieben. Seine strenge Haltung zu Themen wie Geburtenkontrolle, Abtreibung oder Zölibat lehnten zahlreiche Gläubige insbesondere in Europa ab. In anderen Teilen der katholischen Weltkirche erfuhr die konservative Linie dagegen Unterstützung.

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Benedikt XVI.: Von Marktl am Inn in den Vatikan

Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchsfällen

2022 geriet auch sein eigener Umgang mit Missbrauchsfällen in der Zeit als Erzbischof von München und Freising (1977-1982) in die Schlagzeilen. Ein vom Münchener Erzbistum in Auftrag gegebenes Missbrauchsgutachten warf ihm Fehlverhalten in vier Fällen vor. In einem öffentlichen Brief entschuldigte sich Benedikt etwas später bei allen Opfern sexuellen Missbrauchs. Zuvor war es um den Papst im Ruhestand still geworden.

Geistig blieb er bis ins hohe Alter fit, wie sein Privatsekretär Georg Gänswein immer wieder betonte, baute körperlich aber stark ab. Obwohl er "für die Welt verborgen" bleiben wollte, befeuerte er mit Schriften zu heiklen Themen wie Zölibat oder Missbrauch immer wieder Spekulationen, dass er mit dem Kurs seines Nachfolgers Franziskus wohl zumindest in Teilen nicht einverstanden war.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Dezember 2022 um 11:00 Uhr.