Papst Franziskus bei einer wöchentlichen Generalaudienz | dpa

Vor dem UN-Klimagipfel Papst warnt vor "unbewohnbarer Welt"

Stand: 29.10.2021 11:14 Uhr

Papst Franziskus hat die Politik angesichts der Klimakrise zum Handeln aufgefordert. Kurz vor der UN-Klimakonferenz in Glasgow warnte er vor einer "unbewohnbaren Welt" und forderte "radikale Entscheidungen".

Vor dem Beginn der UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow hat Papst Franziskus von den politischen Entscheidern Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit gefordert. Dadurch könnten sie "konkrete Hoffnungszeichen" für künftige Generationen setzen, sagte das Oberhaupt der Katholiken.

In seiner Ansprache warnte der Papst vor einer "unbewohnbaren Welt". "Wir finden uns zunehmend geschwächt und ängstlich wieder, gefangen in einer Folge von 'Krisen' im Gesundheitsbereich, der Umwelt, bei der Ernährungssituation und in der Wirtschaft, ganz zu schweigen von sozialen, humanitären und ethischen Krisen", sagte Franziskus. All diese Krisen seien tief miteinander verbunden und erforderten "radikale Entscheidungen, die nicht immer einfach" seien.

"Gemeinsame Antwort finden"

Der 84-Jährige betonte zugleich, dass jeder Einzelne dazu beitragen könne, "die gemeinsame Antwort auf diese nie da gewesene Bedrohung des Klimawandels und den Verfall unseres gemeinsamen Hauses zu beeinflussen".

Der Klimawandel und die Covid-19-Pandemie hätten eine tiefe Verletzbarkeit und zahlreiche Zweifel an den Wirtschaftssystemen und der Gesellschaft enthüllt, so Franziskus weiter. "Jede Krise verlangt nach einer Vision, Planungsfähigkeit und Schnelligkeit in der Umsetzung."

Treffen mit Biden geplant

Dem Papst zufolge steckt in der Krise auch die Chance für Veränderung. Die wichtigste Lektion aus der Krise sei, zu erkennen, dass es notwendig sei, zusammen etwas aufzubauen und alle politischen Mauern einzureißen, hinter denen man sich verstecken könne. "Alleine kommt man nicht aus einer Krise", sagte Franziskus.

Vor dem Hintergrund des an diesem Wochenende stattfindenden G20-Gipfels in Rom will sich Franziskus noch heute mit mehreren Staatschefs treffen, bevor diese zum Klimagipfel nach Schottland reisen. Unter anderem wird er US-Präsident Joe Biden empfangen.

Biden hatte vor seiner Abreise bei den Demokraten im US-Repräsentantenhaus für ein Rahmenwerk eines Klima- und Sozialpakets geworben, welches allerdings von einem ursprünglich geplanten Umfang von 3,5 Billionen auf 1,75 Billionen Dollar reduziert wurde.

Zudem wird der Papst auch den südkoreanischen Staatschef Moon Jae und am Samstag den indischen Präsidenten Narendra Modi empfangen.

Papst schickt Vertreter nach Glasgow

Von Sonntag an verhandeln die Regierungen dann auf der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow darüber, wie sie die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 konkret einhalten können. Dieses sieht eine Begrenzung der globalen Erderwärmung auf deutlich unter zwei und möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vor. 

Der Papst hatte ursprünglich angekündigt, selbst zur Konferenz reisen zu wollen. Anfang Oktober teilte der Heilige Stuhl jedoch mit, dass die Nummer Zwei im katholischen Kirchenstaat, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, die Vatikan-Delegation anführen werde.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.