Papst Franziskus | dpa

Rücktrittsspekulationen Gerüchte um den Pontifex

Stand: 10.06.2022 08:52 Uhr

Die Gerüchteküche im Vatikan brodelt: Einige Insider sehen im päpstlichen Terminkalender Anzeichen dafür, dass Franziskus über einen Rücktritt nachdenkt. Fest steht bisher aber nur: Der Papst ist gesundheitlich angeschlagen.

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Im Papamobil wird Papst Franziskus bei der wöchentlichen Generalaudienz über den Petersplatz gefahren. An seinen Gesichtszügen ist abzulesen, wie glücklich ihn der Kontakt mit Menschen macht. In der Katechese ist die Würde des Alters erneut sein Thema: "Die Alten sind die Botschafter der Zukunft, die Botschafter der Zärtlichkeit, die Botschafter für die Weisheit eines gelebten Lebens. Gehen wir voran und schauen auf die Alten." 

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

Mit 85 Jahren ist Franziskus selbst in einem fortgeschrittenen Alter, er steht unter ständiger Beobachtung. Alle Welt sieht zu, wie er sich mit größter Mühe von einem Stuhl erhebt, wie er immer öfter im Rollstuhl unterwegs ist. Starke Knieschmerzen plagen ihn. Könnte er deswegen an Rücktritt denken?

Lieber Rücktritt als OP?

Inés San Martín kommt wie Franziskus aus Argentinien, für die Online-Zeitung "Crux" beobachtet sie seit vielen Jahren den Vatikan. "Wir wissen mit Sicherheit, dass er gesagt hat, dass die Ärzte ihn operieren wollen, dass er aber lieber zurücktreten würde, als sich noch einmal operieren zu lassen. Denn im vergangenen Jahr ist er bei seiner Darmoperation sehr schlecht mit der Narkose zurechtgekommen", sagt die Vatikanjournalistin.

Für sie ist diese Aussage der einzige wirkliche Hinweis, den der Papst bezüglich seiner Rücktrittsbereitschaft gegeben hat.

Gerüchte kochen hoch

Doch die Gerüchte kochen hoch. Gerade hat er 21 neue Kardinäle bestimmt. Ende August werden sie beim Konsistorium, der Versammlung aller Kardinäle, eingeführt. Es ist ein ungewöhnliches Datum. Aber vielleicht wurde es aus ganz praktischen Gründen gewählt. Denn die Flugtickets nach Italien, so wird in Rom gerade argumentiert, sind im August weitaus günstiger als etwa im November - gerade auch in Zeiten der hohen Energiepreise.

Benedikt kündigte in L'Aquila Rücktritt an

Doch Franziskus will am 28. August auch nach L'Aquila reisen. In der Abruzzenstadt nimmt er an der traditionsreichen Vergebungs-Wallfahrt teil, die auf Papst Coelestin V. zurückgeht, jenem Papst, der als erster freiwillig zurücktrat. So werden auch im Vatikan selbst die Gesten von Franziskus beim Besuch des Grabes von Coelestin genauestens analysiert werden, erzählt Gudrun Sailer von "Vatikan News".

"Wenn er so wie damals Benedikt XVI. sein Pallium, also seine Wollstola, auf das Grab legt, dann wird das jedenfalls sehr auffallen. Das wäre tatsächlich ein Amtsverzicht mit Ansage. Also für die, die Katholisch lesen, ein sprechendes Zeichen, ein Zeichen, dass der Papst an einen Rücktritt denkt", erklärt Sailer. Bei Benedikt habe es dann immerhin noch vier Jahre gedauert zwischen dieser Geste in L'Aquila und seinem Rücktritt.

"Kann seine Frustrationen nicht verbergen"

Doch bis dahin ist der Pontifex noch fleißig auf Reisen. Zuerst geht es in die Demokratische Republik Kongo und in den Südsudan, im gleichen Monat Juli dann noch nach Kanada. Wie wird Franziskus zurechtkommen, wie stark wird er in seiner Beweglichkeit eingeschränkt sein?

"Er ist ein Mann, der seine Frustrationen nicht verbergen kann", sagt Journalistin San Martín. "Wir werden also alle Zeugen sein, wie er sich vorwärtsbewegt. Und diese beiden Besuche werden meiner Meinung nach ein Lackmustest dafür sein, wie lange Papst Franziskus nach Benedikts Ableben noch bleiben wird. Denn wir sprechen bei Benedikt ja über einen Mann, der jetzt 95 Jahre alt ist."

Einen früheren Rücktritt hält Sailer für unwahrscheinlich: "Zwei emeritierte Päpste zu haben und einen amtierenden Papst - das wäre ein Szenario, das vielen missfällt in der Kirche. Und das wohl auch Franziskus missfällt, das wäre meine Einschätzung."

Nach Argentinien zurückgehen, in seine Heimat als Seelsorger, das schließt Franziskus aus. Er werde, so sagte er schon vor einigen Jahren in einem Interview, in Rom sterben. Entweder als Papst. Oder als emeritierter Papst.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. Juni 2022 um 06:29 Uhr.