Papst ernennt Kardinal | AP

Papst ernennt Kardinäle Reformorientiert - und relativ jung

Stand: 27.08.2022 18:46 Uhr

Die katholische Kirche hat 20 neue Kardinäle. Der jüngste ist erst 48 Jahre alt, viele sind die ersten Kardinäle aus ihrer Region. Damit zeigt der Papst, wie er sich den Kurs eines Nachfolgers vorstellt.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

Sie sitzen in einem Halbkreis vor Papst Franziskus, die Kirchenmänner, die jetzt Kardinäle werden. Einer nach dem anderen erheben sie sich, einzeln treten sie nach vorne, knien sich vor den Papst.

Lisa Weiß

Aus seinen Händen erhalten sie die traditionelle Kopfbedeckung, das rote Birett, den Kardinalsring und ihre Ernennungsurkunde.

20 Kardinäle sind es, die Franziskus hier ernennt. 16 von ihnen sind unter 80 Jahren. Das Alter ist wichtig, denn nur Kardinäle, die bei einer Papstwahl noch jünger als 80 sind, sind wahlberechtigt. Indem er jüngere Kardinäle ernennt, kann Franziskus also versuchen, indirekt Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers zu nehmen - in der Hoffnung, dass sein Weg weitergeführt wird.

Die großen Fragen - und die kleinen

Doch worauf legt Franziskus Wert? Kurz zuvor hat er in seiner Predigt beschrieben, was aus seiner Sicht einen guten Kardinal ausmacht:

Ein Kardinal liebt die Kirche, immer mit demselben geistlichen Feuer, ob er nun mit großen oder kleinen Fragen befasst ist, ob er die Großen dieser Welt trifft oder die Kleinen, die vor Gott groß sind.

Das betont Franziskus mehrmals: Ein Kardinal müsse sich um die große Diplomatie genauso kümmern wie um die kleinen pastoralen Angelegenheiten.

"Aber politisch sind wir alle"

Die Beschreibung trifft zum Beispiel auf den neu kreierten Kardinal Leonardo Steiner zu, Erzbischof von Manaus im Amazonasgebiet - eine Gegend, die schlimm von der Corona-Pandemie betroffen war. Steiner half dabei, Sauerstoffflaschen zu verteilen. Der Brasilianer mit deutschen Wurzeln ist gleichzeitig ein Kritiker von Brasiliens rechtspopulistischer Regierung. Für Steiner ist das kein Widerspruch:

Wir alle gehören zu einer Gemeinschaft. Wir nehmen nicht teil an einer Partei. Aber politisch sind wir alle, das heißt, wir haben eine Verantwortung in der Gemeinde.

Reformer und Trump-Gegner

Große Fragen der Politik - die sind auch für den US-Amerikaner Robert McElroy ein Thema. Als Bischof der kalifornischen Grenzstadt San Diego macht er sich für Migranten stark - und legte sich dabei auch mit der Regierung Trump an. Auch Rassismus, Einwanderung oder Klimawandel sieht McElroy als wichtige Themen für die Kirche:

Ich bin neu im Kardinalskollegium, ich muss noch viel lernen. Aber ich freue mich, den Lernprozess anzufangen. Und ich bin sehr dankbar über die neue Mission, die mir anvertraut wurde und ich freue mich, auf jede mögliche Weise mitzuwirken.

McElroy gilt als Reformer - und als starker Unterstützer des Papstes. Franziskus hat ihn zum Kardinal ernannt, den eigentlich einflussreicheren, konservativen Vorsitzenden der US-amerikanischen Bischofskonferenz dagegen übergangen. Ein Zeichen.

Das Kollegium wird deutlich internationaler

Franziskus ernennt auch Kardinäle, die aus Regionen kommen, die noch nie einen Kardinal gestellt haben, wie Ost-Timor. Durch die neuen Kardinäle aus Paraguay, Singapur oder Korea wird die Kirche internationaler.

Und durch die Ernennung von Kardinälen wie Giorgio Marengo auch etwas jünger. Der 48-jährige Italiener wirkt in der Mongolei, wo es nur wenige Gläubige gibt, und sagt zu seiner Ernennung:

Ich glaube, dass das ein Zeichen für eine Öffnung ist, der Treue zum Evangelium von Seiten des Papstes. Er wendet sich an die kleineren Ortskirchen, die die mehr Unterstützungsbedarf haben, die auf dem Weg zum Glauben Begleitung brauchen.

Erbe geregelt?

Und wie geht es nun weiter? Wenn man die neuen Kardinäle dazurechnet, hat Papst Franziskus den Großteil der wahlberechtigten Kardinäle ernannt. Theoretisch ist es also wahrscheinlich, dass sich eine Zweidrittelmehrheit für einen Papst findet, der irgendwann Franziskus' Weg weiterführt.

Theoretisch - denn oft genug entscheiden sich die Kardinäle im Konklave dann doch für einen neuen Papst mit ganz anderen Ideen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 27. August 2022 um 09:50 Uhr sowie die Tagesschau umj 20:00 Uhr.