Ukrainische Soldaten patrouillieren die Front in der Stadt Awdijiwka entlang (5.4.2021). | AFP

Konflikt in der Ostukraine Selenskyj spricht mit Stoltenberg

Stand: 06.04.2021 18:09 Uhr

Das ukrainische Militär meldet den Tod zweier Soldaten im Donbass. Präsident Selenskyj forderte die NATO zu mehr Abschreckung gegenüber Russland auf - der Kreml wirft hingegen Kiew Aggression vor.

Von Gesine Dornblüth, ARD-Studio Moskau

Der Ton zwischen der Ukraine und Russland hat sich angesichts der russischen Truppenbewegungen nahe der Grenze zur Ukraine und auf der annektierten Halbinsel Krim weiter verschärft. Maria Salnyk, Sprecherin des ukrainischen Verteidigungsministeriums, sagte heute: "Das Kommando der russischen Streitkräfte erhöht die Kampffähigkeit der russischen Besatzungstruppen in den Regionen Donezk und Luhansk, indem es die Einheiten in Russland nahe der ukrainischen Grenze stärkt."

Olexij Hontscharenko, Abgeordneter der oppositionellen Partei "Europäische Solidarität" im ukrainischen Parlament, warf Russlands Präsident Wladimir Putin vor, mit den Truppenbewegungen von innenpolitischen Problemen vor der Duma-Wahl im September ablenken zu wollen.

"Natürlich käme ihm 'ein kleiner siegreicher Krieg' sehr gelegen, um mit etwas weniger Fälschungen die Parlamentsmehrheit zu erreichen", sagte Hontscharenko. "Deshalb provoziert er, er testet die Reaktion der Ukraine und vor allem die der USA. Ich bin der Biden-Administration sehr dankbar, dass sie hart antwortet."

Stoltenberg telefoniert mit Selenskyj

In den vergangenen Tagen waren zahlreiche Videos und Fotos russischer Militärtransporte publik geworden. Nachdem US-Präsident Biden und der EU-Außenbeauftragten Borrell der Ukraine ihre Unterstützung zugesichert hatten, telefonierte heute NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Auch Stoltenberg kritisierte Russlands "Militäraktivitäten in der und um die Ukraine". Selenskyi rief die NATO dazu auf, die Aufnahme seines Landes voranzutreiben. Die NATO sei - so der Präsident wörtlich - "der einzige Weg, um den Krieg im Donbass zu beenden".

Die russische Führung reagierte prompt. "Wir bezweifeln zutiefst, dass dies der Ukraine helfen wird, ihr internes Problem irgendwie zu bewältigen", sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow. "Aus unserer Sicht wird es die Lage weiter verschärfen. Wenn man die Menschen in den selbsternannten Republiken fragt, so ist eine NATO-Mitgliedschaft für sie zutiefst inakzeptabel."

Zwei ukrainische Soldaten getötet

Russland streitet seit Jahren ab, am Krieg in der Ostukraine beteiligt zu sein: Es handele sich um einen innerukrainischen Konflikt, so die Diktion des Kremls. Zur russischen Rhetorik gehört auch, der Ukraine vorzuwerfen, was Russland selbst vorgehalten wird: Nämlich militärisch aggressiv zu sein.

Dementsprechend bat Russlands Außenminister Sergej Lawrow die Regierungen der westlichen Staaten heute, mäßigend auf die Ukraine einzuwirken: Kiew habe sich jetzt "davon verabschiedet, den politischen Rahmen für die Lösung der Krise im Donbass zu kritisieren" und drohe mit militärischen Maßnahmen, sagte er. Worauf sich Lawrow bezog, blieb unklar.

Selenskyj forderte heute die NATO auf, ihre Präsenz in der Region zu verstärken, um damit Russland abzuschrecken. Das ukrainische Militär meldete unterdessen den Tod zweier Soldaten. Einer sei im Granatwerferbeschuss umgekommen, ein anderer auf Sprengstoff gefahren. Der im vergangenen Juli vereinbarte Waffenstillstand wird immer wieder gebrochen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. April 2021 um 18:13 Uhr.