Krankenschwestern kümmern sich um Patienten mit einer Corona-Infektion auf der Intensivstation im St. Georges Krankenhaus. | picture alliance/dpa/PA Wire

Omikron-Variante London ruft Katastrophenfall aus

Stand: 18.12.2021 17:29 Uhr

Hunderte Krankmeldungen gibt es schon jetzt und bis Weihnachten könnten es 130.000 sein - allein im britischen Gesundheitsdienst. Mediziner warnten vor Engpässen durch die Omikron-Variante. Die Stadt London hat nun gehandelt.

Die Omikron-Variante des Coronavirus grassiert in ganz Großbritannien. In der Hauptstadt London wurde nun wegen der rapiden Ausbreitung der Katastrophenfall ausgerufen. "Der Anstieg der Omikron-Fälle in unserer Hauptstadt ist sehr besorgniserregend", teilte Bürgermeister Sadiq Khan mit. Er verwies darauf, dass die Zahl der Covid-Patienten in Londons Krankenhäusern wieder massiv steigt.

Bereits Anfang Januar hatte die Stadt wegen Covid-19 den Katastrophenfall ausgelöst. Damals stand das Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps. Konkret bedeutet das, dass spezielle Notfallpläne in Kraft treten und sich die beteiligten Einheiten enger abstimmen. Khan rief alle Londoner Bürger auf, sich möglichst schnell impfen zu lassen. In etlichen britischen Städten wurden wieder Impfzentren geöffnet.

Drastischer Personalmangel befürchtet

Die Maßnahme dürften viele Mediziner begrüßen. Sie hatten vor massiven Personalausfällen gewarnt. An Weihnachten könnten der British Medical Association zufolge ohne verschärfte Maßnahmen in England 32.000 bis 130.000 Beschäftigte im Nationalen Gesundheitsdienst NHS fehlen, wie der "Guardian" berichtete. Letzteres entspräche einem Zehntel der gesamten Belegschaft.

Der Guy's und St Thomas' Trust, der in London mehrere Krankenhäuser betreibt, bereitet sich wegen Hunderter Krankmeldungen schon jetzt darauf vor, Personal aus anderen Bereichen auf die Intensivstationen und Notaufnahmen zu verlegen, um dort ausgefallene Beschäftigte zu vertreten.

"Omikron hat nun einen signifikanten Einfluss auf unsere Arbeit", hieß es am Freitag in einem Schreiben an das Personal, aus dem der "Guardian"zitierte. Das zeige sich nicht nur daran, dass die Zahl der eingelieferten Covid-Patienten in der vergangenen Woche um rund ein Drittel gestiegen sei, sondern auch daran, dass viele der Beschäftigten erkrankt seien.

"So geht es los", schrieb der Berliner Virologe Christian Drosten auf Twitter mit Bezug auf die Schilderungen im "Guardian". "Omikron wird zu massiven krankheitsbedingten Arbeitsausfällen führen. Auch in essentiellen Berufsgruppen."

Auch in Deutschland wird eine Überlastung der Krankenhäuser befürchtet.

Über 10.000 Fälle mehr in 24 Stunden

In Großbritannien wurden am Samstag 10.059 neue Omikron-Fälle gemeldet - dreimal so viele wie am Tag zuvor. Insgesamt gibt es damit im Vereinigten Königreich rund 25.000 bestätigte Omikron-Fälle. In London hat die neue Virus-Variante bereits die bislang dominierende Variante Delta verdrängt.

Aufgrund dieser Lage sprachen sich die deutschen Gesundheitsminister der Länder dafür aus, Großbritannien zum Virusvariantengebiet zu erklären, was strengere Einreiseregeln zur Folge hätte. Die Entscheidung darüber liegt beim Bund.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Dezember 2021 um 18:00 Uhr.