PCR-Testungen im Bezirk Kitzbühel nach Mutations-Verdachtsfällen Mitte Januar | picture alliance / EXPA / APA /

Pandemie in Österreich Droht Tirol die Abriegelung?

Stand: 04.02.2021 13:56 Uhr

In Teilen Tirols breitet sich die Corona-Mutante aus Südafrika aus. Eine Virologin rät deshalb, dass das Bundesland seine Grenzen für einen Monat sperrt. Laut Medienberichten werden in Wien derzeit alle Optionen geprüft.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Österreichs Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat die Situation in Tirol als sehr ernst bezeichnet. Die Behörden würden sehr aufmerksam verfolgen, ob von der südafrikanischen Corona-Mutation eine Gefahr ausgehe. Die Variante breitet sich in dem Bundesland aus. Er stehe mit der Tiroler Landesregierung im engen Austausch und habe vereinbart, dass die Situation nach Auswertung weiterer Analysen am Sonntag neu beurteilen werde.

Clemens Verenkotte ARD-Studio Wien

"Wir kontrollieren gemeinsam und sehen sehr, sehr präzise darauf, ob es hierzu einer Ausbreitung kommt oder nicht", sagte Anschober. Die österreichische Nachrichtenagentur APA meldete am Vormittag unter Berufung auf Regierungskreise, es sei nicht auszuschließen, dass die Ausbreitung der südafrikanischen Corona-Mutation zu einer Abriegelung einzelner Gebiete führen könne. Denkbar sei auch, das gesamte Bundesland Tirol unter Quarantäne zu stellen. Derzeit würden alle Optionen geprüft.

"Einen Monat lang isolieren"

Nach Informationen der Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer von der Medizinischen Universität, die dem Corona-Beratungs-Gremium der Bundesregierung angehört, sei etwa die Hälfte der Infektionen, die durch eine Mutation verursacht worden seien, auf die südafrikanische Variante zurückzuführen.

"Soweit ich das überblicken kann, scheinen wir hier an der Front in Europa zu sein, in Tirol mit der südafrikanischen Variante", sagte sie im ORF. Sie sei von den Erfahrungen vom März letzten Jahres "ein wenig traumatisiert". Sie möchte natürlich nicht, dass "wir hier ein Ischgl Zwei erleben", sagte die Virologin gegenüber dem ORF.

Sie forderte das Bundesland auf, die Grenzen zu schließen. Tirol gehöre angesichts des Auftretens der südafrikanische Variante für einen Monat isoliert. Von eingrenzbaren lokalen Clustern könne nicht mehr die Rede sein. "Es ist zumindest zwischen Innsbruck, den Tälern und Kufstein überall die südafrikanische Variante schon angekommen. Das ist alles andere als ein lokaler Ausbruch", warnte von Laer.

"Wir haben derzeit keinen Anlass"

Der Impfkoordinator Tirols, Elmar Rizolli, verwies im ORF auf die bereits durchgeführten Analysen von positiven Testergebnissen auf die Mutationen. Die Ausbreitung der südafrikanische Variante sei lokal begrenzt, im Bezirk Schwaz würden der Bevölkerung Tests angeboten.

Auf die Frage, ob er eine Absperrung Tirols empfehlen würde, gab Rizolli zurück: "Wir haben derzeit keinen Anlass, das zu empfehlen". Gerade die britische Mutation sei weiterverbreitet, die südafrikanische Variante könne lokal sehr eingeschränkt werden.

Anfang der nächsten Woche werden nach einer Entscheidung der Bundesregierung landesweit Schulen und Geschäfte wieder öffnen können, unter Einhaltung von zusätzlichen Corona-Schutzmaßnahmen. Die Sieben Tage Inzidenz liegt derzeit bei 105 Infektionen auf 100.000 Menschen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. Februar 2021 um 14:33 Uhr.