Ein Mann geht an zusammengeklappten und abgedeckten Tischen und Stühlen am geschlossenen Wiener Naschmarkt vorbei | dpa

Kurz plant Neustart Österreich will Mitte Mai fast alles öffnen

Stand: 23.04.2021 18:38 Uhr

Hotels, Restaurants, Theater: Österreichs Kanzler Kurz hat die Öffnung fast aller Branchen ab 19. Mai angekündigt. Er setze dabei auf ein strenges Sicherheitskonzept. Virologen warnen vor einem zu frühen Neustart.

In Österreich dürfen ab 19. Mai praktisch alle wegen der Corona-Krise heruntergefahrenen Branchen einen Neustart wagen. Das kündigte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) an. Zentrale Säule des Schritts ist demnach ein umfassendes Schutzkonzept, bei dem Zutrittstests für Gastronomie, Hotellerie, Sport und Kultur im Mittelpunkt stehen.

"Diese Öffnungsschritte erfolgen mit strengen Sicherheitskonzepten, aber sie erfolgen", sagte Kurz. Er hoffe darauf, dass weitere Erleichterungen zum Beispiel für die Nachtgastronomie, für Hochzeitsfeiern und für Vereinsfeste ab 1. Juli folgen könnten.

Nachweis eines Tests, einer Impfung oder Genesung

Ab dem 19. Mai können mit dem Nachweis eines frischen Corona-Tests, einer Impfung oder einer Genesung Hotels, Restaurants, Kultureinrichtungen und Sportstätten besucht werden.

Restaurants können ihre Innen- und Außenbereichen öffnen, mit jeweils vier bzw. zehn Personen pro Tisch. Indoor-Sport werde ebenfalls zugelassen, sofern für jede Person mindestens 20 Quadratmeter Platz sei. Auch die Sportanlagen draußen könnten unter Auflagen wieder benutzt werden.

Als Obergrenzen für Kultur- und Sportveranstaltungen nannte Kurz maximal 1500 Menschen bei geschlossenen Veranstaltungen und maximal 3000 Menschen unter freiem Himmel. Sperrstunde in der Gastronomie, in der Kultur und beim Sport sei 22 Uhr.

"Da liegt eine gewisse Vorfreude in der Luft"

Er sei angesichts dieser Pläne mit einer wieder steigenden Anzahl Corona-Infektionen zu rechnen, sagte Kurz. Doch "wenn es eine dramatische Entwicklung in gewissen Regionen gibt", fügte er hinzu, müsse man "natürlich dort reagieren" und "Verschärfungsschritte setzen". Es sei aber davon auszugehen, dass dank der Impfungen die Situation beherrschbar bleibe.

"Da liegt schon eine gewisse Vorfreude in der Luft", sagte Vize-Kanzler Werner Kogler. Es sei der Regierung wichtig, eine positive Perspektive zu geben und für Planbarkeit zu sorgen.

Auch die Deutschen, die Urlaub in Österreich machen wollen, können laut Regierung wieder planen. Die Quarantänepflicht gelte nur noch für Hochrisikogebiete. Für Einreisen aus Deutschland reiche der Impfnachweis der EU oder ein negativer Corona-Test.

Gesundheitsminister: sorgsame Öffnung

Der neue Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein, der den aus Krankheitsgründen zurückgetretenen Vorgänger Rudolf Anschober vor einer Woche ersetzt hat, sprach sich für eine sehr sorgsame Öffnung aus.

Als Mediziner mit eigener Praxis habe er in den vergangenen 15 Monaten der Pandemie sehr vieles gesehen: "Ich habe gesehen, dass Kinder Depressionen haben, dass Kinder Schlafstörungen haben. Ich habe gesehen, dass chronisch Erkrankte schlecht und zu spät behandelt worden sind, auch akut Erkrankte." Mückstein appellierte an die Bevölkerung, alle bisherigen Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten.

Wöchentliche millionenfache Tests

Österreich hat auch im weltweiten Vergleich ein besonders breites Test-Angebot ausgerollt. Die wöchentlich millionenfachen Tests waren und sind ein Rückgrat der Corona-Strategie.

In der Corona-Krise waren die Zahlen der Neuinfektionen zuletzt etwas gefallen. Auch der Druck auf den Intensivstationen nahm ab. Insgesamt liegt die Sieben-Tage-Inzidenz mit rund 180 aber immer noch deutlich über dem deutschen Wert von 164.

Wirtschaft hatte massiv gedrängt

Laut Experten ist eine Hauptquelle der Ansteckungen der private Bereich. Gerade die Wirtschaft hatte massiv auf das Öffnen auch der Gastronomie und der Hotellerie gedrängt. Der Handel und viele Dienstleister haben - bis auf mehrwöchige Ausnahmen in drei östlichen Bundesländern - bereits seit Anfang Februar geöffnet. "Was wir brauchen, ist ein breiter Aufschwung für alle", sagte der Präsident der Wirtschaftskammer, Harald Mahrer.

Virologen warnen vor zu frühem Neustart

Virologen haben unterdessen wegen der nach wie vor nicht klaren Tendenz beim Infektionsgeschehen vor einem zu frühen Neustart gewarnt. Der Komplexitätsforscher Peter Klimek sagte im ORF-Radio: "Es ist unklar, wo wir in welchem Bundesland Mitte Mai stehen. Man kann noch nicht seriös sagen, wie groß die Öffnungsschritte sein können."

Den Experten bereitet auch eine in Tirol aufgetretene Virus-Mutante Sorgen, die mit der britischen Variante verwandt ist. Deshalb wurde auch die Pflicht für Tests bei Ausreisen aus dem Bundesland bis 5. Mai verlängert.

Mit Informationen von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 23. April 2021 um 17:10 Uhr.