Österreich, Wals-Siezenheim: Eine Polizeiabsperrung ist am Zaun vor einem Wohnhaus angebracht. | dpa

Zwei weitere Fälle Frauenmorde schockieren Österreich

Stand: 06.05.2021 15:18 Uhr

In Österreich werden immer mehr Morde an Frauen verübt - dringend verdächtig ist in vielen Fällen der Ex-Partner. Nun wurden erneut zwei Frauen erschossen. Die Gewalt hat die Debatte über den Opferschutz angeheizt.

Von Maria Fedorova, ARD-Studio Wien

"Am 17. Januar dieses Jahres erschlägt ein Mann in Oberösterreich seine 73-jährige Ehefrau, am selben Tag erschießt ein Mann in der Steiermark seine 61-jährige Ehefrau" - so berichtete es der Moderator im Österreichischen Rundfunk. Seither sind zahlreiche Frauen in Österreich von ihrem Partner oder Ex-Partner umgebracht worden. Insgesamt elf Fälle sind es bislang in diesem Jahr - ein hoher Wert im EU-Vergleich. Das ganze Land ist durch die Frauenmorde erschüttert.

Die jüngsten Taten ereigneten sich gestern Abend in Wals-Siezenheim bei Salzburg: Auch dort wurden zwei Frauen erschossen. Die Opfer sind eine ältere Frau und ihre Tochter, mutmaßlich getötet von ihrem ehemaligen Lebensgefährten im eigenen Haus. Wieder handelt sich mutmaßlich um einen Femizid, also um einen Mord an Frauen, nur weil sie Frauen sind.

Mehr Schutz vor Gewalt

Die türkis-grüne Bundesregierung hat angekündigt zu handeln. Die Frauen- und Gleichstellungsministerin Susanne Raab von der ÖVP sagt dazu: "Ich will, dass jede Frau weiß, dass sie einen Zufluchtsort hat und dass sie Angst nicht erdulden muss."

Aber genau an Zufluchtsorten mangelt es in Österreich. Frauenverbände fordern seit Jahren besseren Schutz vor Gewalt, mehr Personal und eine bessere Finanzierung in diesem Bereich. Konkret bedeutet das: 3000 weitere Stellen und ein Budget von knapp 230 Millionen Euro pro Jahr - deutlich mehr als bisher.

"Wie ist der Täter, wozu ist er fähig?"

Außerdem müsse es eine bessere Umsetzung der bestehenden Gesetze geben, mahnen die Frauenverbände. Ein Beispiel: In Österreich können gewalttätige Männer in Untersuchungshaft genommen werden. Dies werde aber nicht gemacht.

"Unser Anliegen ist, dass die Polizei und auch die Justiz hier wirklich einschätzt: Wie ist der Täter, wozu ist er fähig?", sagt Maria Rösslhummer vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser.

Gesundheits- und Sozialminister Wolfgang Mückstein von den Grünen nimmt auch Täter in den Blick. Er will unter anderem die Männerberatung mit einer Kampagne verbessern. "Die Kampagne ist nur ein erster Schritt, um bekannt zu machen, was es überhaupt gibt. Denn in der Männerberatung kennen viele Männer die Beratungsangebote überhaupt nicht."

Männerrolle in der Gesellschaft

Das sieht auch Erich Lehner vom österreichischen Dachverband Männerberatung so. Aus seiner Sicht bedarf es der Arbeit mit Männern, die schon durch Gewalt aufgefallen sind. Zudem müsse sich die Männerrolle in der Gesellschaft unbedingt ändern: "Dass Männer verstärkt auch durch ihr Tun, durch ihre sorgende Tätigkeit das Männerbild in der Gesellschaft verändern, in Richtung sorgende Männlichkeit."

Dies kann aber nur einer von vielen Aspekten sein. Die jüngste Tötung hat gezeigt: Frauen in Österreich leben weiterhin gefährlicher als in allen anderen EU-Ländern. Und die traurige Liste von Frauenmorden wird möglicherweise noch länger.

Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 06. Mai 2021 um 14:08 Uhr.