Passanten eines Marktes in Wien werden kontrolliert | dpa

Österreichs Lockdown endet Zwischen Freude und Sorge

Stand: 12.12.2021 11:22 Uhr

In Österreich sinken die Inzidenzzahlen, das Land beendet weitgehend den Corona-Lockdown. Die Lage auf den Intensivstationen bleibt allerdings angespannt. Kommen die Lockerungen zu früh?

Von Wolfgang Vichtl, ARD-Studio Wien

Dritter Advent auf dem Weihnachtsmarkt, das geht jetzt wieder in Österreich - fast überall, wenn auch nicht für alle. Ungeimpfte müssen weiter draußen bleiben. Für Geimpfte und Genesene hat der Drei-Wochen-Lockdown aber jetzt ein Ende: Sie dürfen wieder ins Kino und Theater; am Montag machen dann alle Geschäfte wieder auf, nicht nur die für Lebensmittel.

Wolfgang Vichtl ARD-Studio Wien

Lage auf den Intensivstationen weiter kritisch

Wer nicht zu den 44.000 Menschen gehört, die am Samstag in Wien gegen die Impfpflicht demonstriert haben, freut sich. "Ich bin sehr froh, dass der Lockdown endet, und ich hoffe, dass das mit dem Virus sich endgültig einmal abklärt", sagt eine Passantin. Und ein anderer hat die ökonomischen Folgen des Lockdown im Blick: "Natürlich bin ich froh. Es ist ja auch für die Wirtschaft ganz wichtig, dass da mal wieder was weitergeht."

Der Lockdown hat gewirkt, täglich fallen die Corona-Inzidenzzahlen, die bedrohliche Tausender-Marke haben alle österreichischen Bundesländer erstmal hinter sich gelassen. Aber die Entspannung ist relativ. Die Sorge wächst, dass die "Atempause", wie es Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer fomuliert hatte, nur eine kurze sein könnte - weil die Gefahr einer fünften Welle droht, vielleicht schon im Januar, weil die neue Virusvariante Omikron die Atempause zum Angriff nutzen könnte.

Walter Hasibeder, Präsident der österreichischen Intensivmediziner, hätte mit den Öffnungen lieber noch gewartet. "Ich kann es im Moment nicht verstehen, weil wir einfach noch zu angespannt sind", sagt er. "In Tirol sind mehr als 30 Prozent der möglichen Intensivplätze belegt mit Covid-19-Patienten, in Vorarlberg sind es über 50 Prozent." Die Situation sei nach wie vor angespannt, so Hasibeder: "Nach wie vor werden wichtige Operationen verschoben."

Unmut über den österreichischen "Flickenteppich"

Vorarlberg und Tirol, ausgerechnet die beiden Bundesländer mit den immer noch höchsten Sieben-Tage-Inzidenzen, lassen sofort alles öffnen, was die Zentralregierung in Wien erlaubt. Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner, ÖVP, argumentiert mit den Nachbarn rund um den Bodensee: Deutschland, Schweiz, Liechtenstein - die hätten auch alles geöffnet.

Wallners Parteifreundin Elisabeth Köstinger, Tourismusministerin, unterstützt die beiden Skitourismus-Länder Tirol und Vorarlberg so gut sie kann: "Vor allem eben auch beim Aufsperren und der kommenden Wintersaison, die im übrigen heuer stattfinden wird", betont die ÖVP-Politikerin. Dafür habe die Regierung sehr gekämpft: "Und ich vor allem."

Beklagt wird der "Fleckenteppich" in Österreich: neun Bundesländer, fünf verschiedene Wege. Corona-Inzidenzzahlen sind dabei offenbar nicht entscheidend, sonst müssten Tirol und Vorarlberg mehr verschärfen. Wiens Bürgermeister, der SPÖ-Politiker Michael Ludwig, lässt Lokale erst am 20. Dezember öffnen - damit er nicht gleich wieder zusperren lassen muss, so sein Argument. Und Oberösterreich verlängert den Lockdown für alle gleich um eine Woche, obwohl es nicht mehr Schlusslicht bei den Corona-Infektionen ist - wohl aber nach wie vor eine Hochburg der Impfgegner.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 12. Dezember 2021 um 09:36 Uhr.