Karl Nehammer (ÖVP, l-r), Innenminister von Österreich, Alexander Schallenberg (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich, und Wolfgang Mückstein (Grüne), Gesundheitsminister von Österreich, sprechen bei einer Pressekonferenz zu den neusten Entwicklungen während der Corona-Pandemie. | REUTERS

Österreich Ungeimpfte müssen in den Lockdown

Stand: 14.11.2021 15:47 Uhr

Wegen einer weiterhin hohen Inzidenz von fast 850 hat Österreich beschlossen, dass Ungeimpfte ab Montag in den Lockdown müssen. Sie dürfen ihr Zuhause dann nur noch in Ausnahmen verlassen. Bei Verstößen drohen hohe Strafen.

Im Kampf gegen die vierte Welle der Corona-Pandemie gilt in Österreich von Montag an ein Lockdown für Ungeimpfte. Das haben Bundeskanzler Alexander Schallenberg und die Regierungschefs der Länder beschlossen. Die weitreichenden Ausgangsbeschränkungen sind zunächst auf zehn Tage befristet. Betroffen sind etwa zwei Millionen Menschen - rund ein Viertel der Bevölkerung.

Wer keine Impfung hat, darf das Haus oder Wohnung künftig nur noch aus dringenden Gründen verlassen - etwa für Einkäufe des täglichen Bedarfs, für den Weg zur Arbeit oder den Besuch beim Arzt. Ziel sei es, die Impfbereitschaft zu erhöhen und die sozialen Kontakte um etwa 30 Prozent zu verringern, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. Ausgenommen seien Geimpfte, Kinder unter zwölf Jahren und Personen, die in den vergangenen 180 Tagen von einer Corona-Infektion genesen sind.

Für Schüler gilt der Lockdown ebenfalls nicht. "In den Schulen geht es so weiter wie bisher", sagte Schallenberg mit Blick darauf, dass mehrere Tests pro Woche dort schon üblich sind.

Bei Verstößen drohen hohe Geldbußen

Die Einhaltung der Vorschrift soll mit Stichproben überprüft werden. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner ist in Österreich inzwischen auf rund 850 gestiegen. Besonders stark betroffen sind die Bundesländer Salzburg und Oberösterreich, wo der Inzidenzwert bei jeweils rund 1300 liegt.

"Wir setzen den Schritt nicht leichten Herzens", sagte Schallenberg. Die Zahlen sprächen aber eine eindeutige Sprache. Unter den Ungeimpften betrage die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner mehr als 1700. Es gelte nun mit aller Kraft, die "beschämend niedrige" Impfquote endlich zu erhöhen. "Mit dieser Impfquote werden wir im Teufelskreis stecken bleiben." Die Polizei will eigens Streifen abstellen, um die Einhaltung der Vorschriften zu überwachen. Bei Verstößen drohen bis zu 1450 Euro Strafe.

Schon jetzt sind die Einschränkungen für Ungeimpfte groß - etwa durch die 3G-Regel am Arbeitsplatz und die 2G-Regel im öffentlichen Leben. Bereits seit Anfang November gelten Verschärfungen, die auch Wirkung zeigen. Die Zahl der Impfungen stieg sprunghaft an und liegt nun wieder auf dem Niveau von Juli. Die Impfquote beträgt rund 65 Prozent - etwas weniger als in Deutschland.

Deutschland erklärt Österreich zu Hochrisikogebiet

Nach einem Stufenplan der Regierung sollte der Lockdown für Ungeimpfte eigentlich erst bei einer Zahl von 600 belegten Intensivbetten kommen. Aktuell sind nach Angaben der Behörden 433 Plätze belegt. Wegen der wieder hohen Infektionszahlen zog die Regierung den Schritt nun aber vor. Um eine zu starke Belastung der Kliniken zu vermeiden, fordern Experten einen Lockdown für alle. Das will die Regierung vermeiden. Es soll verhindert werden, dass die Impfbereitschaft wieder sinkt.

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen hatte sich in die Diskussion eingeschaltet. "Die Stimmung in unserer Bevölkerung reicht angesichts extrem steigender Zahlen von Depression und Sorge um das wirtschaftliche Fortkommen bis zu wechselseitigem Unverständnis und Aggression", schrieb das Staatsoberhaupt auf Facebook. Das Land brauche angesichts der bedrohlichen Situation Klarheit und vielleicht auch unbequeme Maßnahmen.

Deutschland hat Österreich wieder zum Corona-Hochrisikogebiet erklärt. Damit müssen Reisende und Pendler seit Sonntag verschärfte Regeln beachten. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss bei der Rückkehr nach Deutschland zehn Tage in Quarantäne. Ein Freitesten ist nach fünf Tagen möglich - mit einem PCR- oder Antigen-Test.

FPÖ kündigt Demonstration gegen Maßnahmen an

Derweil macht die rechte FPÖ weiter massiv Front gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung. Als Reaktion auf den beschlossenen Lockdown für Ungeimpfte rief FPÖ-Chef Herbert Kickl zu einer Demonstration am nächsten Samstag in Wien auf. Das Land habe nun ein "Corona-Apartheidssystem", schrieb Kickl auf Facebook. Außerdem kündigte er wegen Missachtung von Grund- und Freiheitsrechten eine Klage beim Verfassungsgerichtshof an.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. November 2021 um 14:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Thomas D. 14.11.2021 • 21:32 Uhr

21:12 von Kein Einstein

18:23 von Adeo60 >> Wenn man die Nachlässigkeit in manchen Restaurants, in Bergbahnen u.a. sieht, << Mit Bergbahnen und Restaurants haben Sie ja genügend eigene Erfahrungen, lt Ihren eigenen Posts. Nun, gerade weil er eigene Erfahrungen hat, kann Adeo60 von diesen sprechen. Sehr im Gegensatz zu vielen anderen hier. Warum also so schnippisch?