Ein Pfleger hilft einem Corona-Patienten auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Salzburg. (Archivbild: 17. November 2021) | AFP

Coronavirus-Pandemie Österreichs Krankenhäuser am Limit

Stand: 02.12.2021 03:34 Uhr

Österreichs Krankenhäuser kommen im Kampf gegen die Corona-Pandemie an ihr Limit. Vielerorts sind so viele Intensivbetten belegt, dass geplante Operationen abgesagt werden müssen. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Der Fall der vierjährigen Johanna sorgt in Österreich derzeit für landesweites Aufsehen. Die für nächste Woche geplante Herzoperation des Mädchens an der Kinderkardiologie der Kepler Uniklinik Linz wurde auf den Februar nächsten Jahres verschoben. Es gebe keine freien Intensivbetten mehr.

Clemens Verenkotte ARD-Studio Wien

Die Mutter des Kindes schilderte einen Anruf aus dem Krankenhaus gegenüber dem ORF mit den Worten: "Sie hat dann gesagt, ja Mitte Februar. Und wie sie gesagt hat, Mitte Februar, hat es mir wirklich den Boden unter den Füßen weggerissen."

Das Mädchen war mit einem schweren Herzfehler auf die Welt gekommen, zweimal schon operiert worden - und der dritte Eingriff wäre nächste Woche erfolgt. Der Chef der Kinderkardiologie der Universitätsklinik Linz, Gerald Tulzer, sagt: "Für diese Operation würden wir einen Intensivplatz benötigen, und der steht uns zurzeit eben nicht zur Verfügung, weil ganz akute Patienten die Intensivstation bevölkern."

Hälfte der geplanten Operationen werden verschoben

Die Uniklinik Linz müsse, so erklärte deren ärztlicher Direktor Karl-Heinz Stadlbauer auf Anfrage des ARD-Studios Wien, derzeit rund 50 Prozent der geplanten Operationen verschieben. Es sei auch nicht auszuschließen, dass davon auch Operationen für Krebspatienten betroffen seien.

Dies sei, so heißt in der schriftlichen Mitteilung wörtlich, "eine gewisse Art der Triage, wobei akute, lebensnotwendige Operationen natürlich weiterhin durchgeführt werden können."

Die OP-Verschiebungen hätten zwei Gründe: Die Auslastung der Intensivstationen durch Covid-Patienten - und den Abzug des Personals für die Betreuung dieser Patienten von anderen Stationen.

Kurz vor "sehr hohem Systemrisiko"

Landesweit sind nach Angaben der österreichischen Gesundheitsbehörde AGES 31 Prozent der Intensivbetten mit Covid-19 Patienten belegt. Der Wert liegt damit nur knapp unter der kritischen Schwelle von 33 Prozent - dann besteht nach Behördenangaben "ein sehr hohes Systemrisiko". In den Bundesländern Kärnten und Oberösterreich liegen allerdings diese Belegungszahlen mit 50 beziehungsweise 40 Prozent Covid-Patienten auf den Intensivstationen deutlich über dieser Warnstufe.

Christoph Wenisch, der Leiter der Infektionsabteilung der Klinik Wien Favoriten, dessen Intensivstationen zu zwei Drittel mit Covid-Patienten belegt ist, sagte gestern Abend in einer Sondersendung des ORF, man habe bislang alle Engpässe durch die Verlegung von Patienten in andere Bundesländer meistern können: "In den ganzen 24 Monaten waren wir nie in der Situation, dass wir das machen haben müssen. Wir haben uns natürlich aufgestellt, damit das nicht passiert."

Lockdown zeigt erste Wirkung

Der landesweites Lockdown, seit dem 22. November in Kraft, zeigt nach Angaben der staatlichen Gesundheitsbehörde erste Wirkung. So ging die Sieben-Tage Inzidenz, die am 22. November mit 1100 ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hatte, auf derzeit 854 zurück. Dieser Trend werde, so die Einschätzung des Covid-Prognose-Konsortiums, anhalten und sich zeitversetzt auf die überlasteten Krankenhäuser auswirken.

Allerdings: Sehr kritisch bleibe die Lage in Kärnten, dort würde nächste Woche die Anzahl der Intensivbetten nicht mehr ausreichen. In den übrigen Bundesländern sei mit einer "spürbaren Entlastung" der Krankenhäuser zu rechnen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Dezember 2021 um 05:49 Uhr.