Österreich, Wien: Eine Fußgängerin geht an abgesperrten Bereichen vor Cafés vorbei.  | dpa

Überlastete Kliniken Österreich verhängt Oster-Lockdown

Stand: 24.03.2021 22:40 Uhr

In Teilen Österreichs verhängt die Regierung über die Ostertage einen harten Lockdown. Dadurch wolle man die drohende Überlastung der Kliniken verhindern. Außerdem breitet sich die britische Virus-Variante immer weiter aus.

Österreich hat angesichts einer drohenden Überlastung des Gesundheitswesens für die Hauptstadt Wien und zwei weitere Bundesländer einen harten Lockdown über Ostern beschlossen. Eine kurze "Osterruhe" sei notwendig, um eine drohende Überlastung der Kliniken in der Hauptstadt und in Niederösterreich und im Burgenland abzuwenden, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

Vom 1. bis 6. April werde das öffentliche Leben in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland komplett heruntergefahren und alle nicht für die Grundsversorgung notwendigen Geschäfte geschlossen, teilte Anschober weiter mit. Dem Beschluss vorausgegangen waren lange Verhandlungen mit den Landeschefs der betroffenen Länder.

Körpernahe Dienstleister wie Friseure müssen für diese Tage wieder schließen. Im Unterschied zu Deutschland sind am Karfreitag Geschäfte und Firmen in Österreich normalerweise offen. Ferner sollen Menschen über die Feiertage nur für Spaziergänge, Sport und dringende Wege nach draußen gehen.

Britische Virus-Variante breitet sich aus

Die Schulen stellen nach Ostern eine Woche lang auf Online-Unterricht um. Zudem wird die Maskenpflicht in Betrieben und an belebten Orten im Freien verschärft. Berufspendler aus den östlichen Nachbarstaaten wie Tschechien und Ungarn müssen zwei statt bisher einen negativen Test pro Woche vorweisen.

Die Verhandler verfolgten die Rücknahme der deutschen Corona-Osterruhe durch Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa äußerst genau. Dennoch entschieden sich die österreichischen Politiker letztlich für Verschärfungen. Im Osten des Landes hat sich Anschober zufolge die ansteckendere britische Virus-Variante, die auch zu schwereren Verläufen führt, stark verbreitet. Das sorgt nun für eine angespannte Lage auf den Intensivstationen. In Wien und Niederösterreich sind bereits mehr als die Hälfte der für Covid-Patienten vorgesehenen Betten in Intensivstationen belegt. Das Burgenland nähert sich der Zwei-Drittel-Marke.

Anschober warnt vor Triage

"Wir müssen für alle, nicht nur für Covid-Patienten, garantieren, dass es keine Triagen gibt", sagte Anschober. Das bedeutet, dass verhindert werden muss, dass das medizinische Personal aufgrund von mangelnden Kapazitäten entscheiden muss, wer eine lebensrettende Behandlungen erhält und wer nicht.

Von den neun Bundesländern der Alpenrepublik gehören Wien, Niederösterreich und das Burgenland zu den vom Virus derzeit am stärksten betroffenen Ländern. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg dort zuletzt auf knapp unter 300. Der Inzidenz-Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Virus angesteckt haben. Die restlichen Bundesländer weisen Werte von über 200 auf, nur Vorarlberg ganz im Westen des Landes kommt auf rund 80.

Landesweit wurden laut Gesundheitsministerium zuletzt binnen 3289 neue Positiv-Tests binnen eines Tages gezählt. Derzeit befinden sich 2086 Personen aufgrund des Corona-Virus im Krankenhaus in Behandlung, 447 davon auf Intensivstationen. Österreich hatte am 8. Februar bundesweit den Lockdown gelockert und den Handel und die Schulen wieder geöffnet. Seitdem sind die Infektionszahlen wieder in die Höhe geschnellt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. März 2021 um 03:00 Uhr in den Nachrichten.