Jonas Gahr Støre (r), Ministerpräsident von Norwegen, und Emilie Enger Mehl (2.v.r), Justizministerin von Norwegen, legen bei ihrem Besuch in Kongsberg Blumen für die Opfer eines Attentats nieder und zünden Kerzen an. | dpa

Angriff in Kongsberg Norwegen trauert um die Opfer

Stand: 17.10.2021 13:19 Uhr

Mit einem Gottesdienst hat Norwegen der Opfer des Angriffs in Kongsberg gedacht. Auch das Kronprinzenpaar nahm teil. Die Polizei steht indes immer mehr in der Kritik - der Täter sei zu spät festgenommen worden.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Der Gottesdienst begann mit einem längeren Musikstück. Viele Bewohner aus Kongsberg sind gekommen, die Sitzbänke alle belegt. Auch das norwegische Kronprinzenpaar Haakon und Mette nahmen an der Trauerfeier teil.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Pfarrer Roar Tønnessen erinnerte an die Opfer und deren Angehörige: "Trauer ist der notwendige Schmerz, den wir fühlen, wenn wir unsere Geliebten verlieren. Ohne Schmerz wird sich die Trauer nicht legen. Das ist leider der schwere Weg, den viele von euch in den nächsten Tagen und vielleicht auch Jahren gehen müssen."

"Unsere Straße wird nie wieder so sein wie vorher"

Fünf Menschen hat der mutmaßliche Täter, ein 37-jähriger Däne, getötet. Er soll sie mit Pfeil und Bogen und anderen Waffen angegriffen haben, drang in ihre Häuser und Wohnungen ein. Unter den Opfern ist auch eine Deutsche, gebürtig aus Hannover, die seit Jahren in Norwegen lebte.

Ihr Nachbar Thomas Nielsen hat wenige Stunden vor der Tat noch mit ihr gesprochen: "Es ist unbegreiflich. Sie war als Mensch einfach ein Schmetterling. Sie hatte immer ein Lächeln auf den Lippen. Sie war einfach eine herzliche und liebevolle Person. In ihrem schönen Haus hatte sie auch einen kleinen Laden. Sie war so jemand, den jeder kennen wollte. Ein großer Verlust für uns alle, unsere Straße wird nie wieder so sein wie vorher."

 

Polizei steht in der Kritik

Nach der Tat am Mittwochabend legten die Ermittler sich schnell fest, Terrorverdacht stand im Raum: Der mutmaßliche Täter sei zum Islam konvertiert, es habe mehrere Hinweise auf eine Radikalisierung gegeben. Nach den ersten Verhören nun glauben die Ermittler inzwischen, dass es sich bei der Gewalttat nicht um einen islamistischen Anschlag handele, sondern dass eine psychische Erkrankung des Täters ursächlich sei, so ein Polizeisprecher am Samstag bei einer Pressekonferenz:

Es war bekannt, dass er laut eigenen Angaben zum Islam konvertiert sei. Das ist eine unserer Hypothesen. Eine andere Hypothese ist, dass er nicht konvertiert ist. Bisher deuten die Ermittlungen darauf hin, dass er die Religion nicht sehr ernst genommen hat, dass er die Kultur und die Traditionen der Religion nicht angenommen hat.

Der 37-Jährige sitzt in Untersuchungshaft in einer geschlossenen, medizinischen Einrichtung. Die Polizei steht in der Kritik: Nicht nur, weil sie offenbar vorschnell von einer terroristischen Tat ausging, sondern auch, weil der Täter eine halbe Stunde lang in Kongsberg Menschen angriff, bis die Polizei ihn festnahm.

Über dieses Thema berichteten am 17. Oktober 2021 die tagesschau um 12:00 Uhr und Deutschlandfunk um 13:18 Uhr.