Gasaustritt aus der Nord Stream 2-Pipeline vor Bornholm, Dänemark. | AFP

Lecks in Nord Stream 1 und 2 "Vermutlich hunderte Kilo Sprengstoff"

Stand: 06.10.2022 16:04 Uhr

Schweden sieht nach ersten Untersuchungen an den Nord-Stream-Lecks den Verdacht der Sabotage erhärtet. Streit gibt es über die Ermittlungen: Russland will sich beteiligen. Bisher ermitteln Schweden, Dänemark und Deutschland gemeinsam.

Der Verdacht auf schwere Sabotage an den Pipelines Nord Stream 1 und 2 hat sich nach Angaben der schwedischen Staatsanwaltschaft erhärtet.

Man könne bestätigen, dass es in schwedischen Gewässern Detonationen gegeben habe, die zu erheblichen Schäden an den Pipelines geführt hätten, teilten die Strafverfolgungsbehörde und der schwedische Sicherheitsdienst in Stockholm mit.

Teile am Tatort beschlagnahmt

Seismologische Institute in Skandinavien hatten eine Stärke von 2,3 und 2,1 gemessen, was den Organisationen zufolge "vermutlich einer Sprengladung von mehreren hundert Kilogramm" entspreche. Es handele sich um "sehr ernste Vorfälle". Man werde die Entwicklungen weiter genau beobachten und alles unternehmen, um die Sicherheit Schwedens zu gewährleisten.

Bei den Ermittlungen am Tatort seien Teile beschlagnahmt worden, die nun weiter untersucht würden, kündigte die Staatsanwaltschaft an. Es werde sich zeigen, ob es zu einer späteren Strafverfolgung kommen werde. Die Absperrungen rund um die Lecks seien mittlerweile aufgehoben worden.

Mehrere Regierungen glauben an Sabotageakt

Auch die NATO und mehrere europäische Staaten gehen von Sabotage aus, auch Deutschland. Eine Regierungssprecherin betonte in Berlin, alle vorliegenden Informationen wiesen darauf hin, "dass es sich um einen vorsätzlichen Sabotageakt handelt".

Der "Spiegel" zitierte aus einem Bericht des Bundeskriminalamts (BKA), wonach die Ermittlerinnen und Ermittler von einem staatlich gelenkten Sabotageakt ausgehen. Es erscheine "insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Komplexität der Tatausführung sowie einer entsprechenden Vorbereitung das Agieren staatlicher Akteure wahrscheinlich", zitiert der "Spiegel" aus dem BKA-Bericht.

Russland will an Ermittlungen teilhaben

Bei den Ermittlungen zu den Gaslecks liegt die Federführung aber bei Schweden und Dänemark. Russland forderte jetzt eine Beteiligung an der Aufklärung. Eine Einbeziehung Russlands sollte selbstverständlich sein, sagte der Sprecher des Präsidialamts in Moskau, Dmitri Peskow. Auch Russland sei an einer Aufklärung interessiert. "Bislang haben wir bei Pressekonferenzen in Dänemark und Schweden aber nur verstörende Aussagen gehört, dass jegliche Kooperation mit Russland ausgeschlossen ist." Die russische Regierung erwarte "einige Klarstellungen" dazu.

Deutschland wirkt bereits an dem gemeinsamen Ermittlungsteam mit, betonte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums in Berlin. Von einer Anfrage Russlands, daran beteiligt zu werden, sei ihr nichts bekannt.

Betreiber lässt Gas ab

Der Betreiber der Gaspipeline Nord Stream 2 lässt einen Teil des Gases ab, das noch in der intakten Röhre enthalten ist. Es sei richtig, dass der Druck reduziert werde, bestätigte ein Sprecher der Nord Stream 2 AG. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme. Bisher sei der für einen Betrieb notwendige Druck von 105 Bar beibehalten worden. Den Angaben nach wurde bereits am Dienstag begonnen, Gas aus der Leitung abzulassen. Dieser Vorgang werde ungefähr acht Tage dauern.

Die dänische Energiebehörde hatte am Mittwoch auf Twitter gemeldet, Nord Stream 2 habe sie informiert, dass der russische Staatskonzern Gazprom den Druck in der noch unbeschädigten Röhre B im Augenblick senke.

Dabei werde Gas entnommen, das stattdessen im Großraum St. Petersburg genutzt werde. Die Nord Stream 2 AG ist ein Tochterunternehmen von Gazprom.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Oktober 2022 um 16:00 Uhr.