Die Silhouetten von vier Protestierenden zeichnen sich vor einer von Feuerschein erleuchteten Wand ab. | REUTERS

Krawalle in Belfast Nordirische Regierung verurteilt Gewalt

Stand: 08.04.2021 15:49 Uhr

Wegen Spannungen zwischen den probritischen Unionisten und den Anhängern eines vereinigten Irlands kommt es in Nordirland zu nächtlichen Ausschreitungen. Politiker beider konfessioneller Lager verurteilen die Krawalle und Gewalt.

Nach neuen nächtlichen Krawallen haben Politiker beider konfessioneller Lager in Nordirland die Ausschreitungen scharf verurteilt. "Zerstörung, Gewalt und die Androhung von Gewalt sind vollkommen inakzeptabel und nicht zu rechtfertigen", hieß es in einer Erklärung nach einer Sondersitzung des Kabinetts.

Nordirland wird von einer Einheitsregierung der jeweils größten Parteien von protestantisch-unionistischer und katholisch-republikanischer Seite regiert. Auch das Regionalparlament war zu Beratungen zusammengetreten. Nach Polizeiangaben waren bei Krawallen in der Nacht mindestens sieben Polizisten verletzt worden. Ein Bus ging in Flammen auf.

Polizisten mit Helmen stehen bei Nacht hinter einer Reihe von Polizeifahrzeugen. | AP

Polizisten in Belfast versuchen Republikaner und Unionisten voneinander zu trennen. Bild: AP

Politische Spannungen sind Auslöser für Unruhe

In der britischen Provinz kommt es seit Tagen zu Ausschreitungen, bei denen inzwischen mehr als 40 Polizisten verletzt wurden. Nach Ansicht der Sicherheitsbehörden stecken dahinter teils militante protestantisch-loyalistische Gruppierungen, die auch im Drogenhandel tätig sind. Vorgeblicher Anlass ist die Entscheidung der Polizei, Politiker der katholisch-republikanischen Sinn-Fein-Partei nach Teilnahme an der großen Beerdigung eines ehemaligen IRA-Terroristen nicht wegen Verstößen gegen Corona-Regeln zu belangen.

Auch der Sonderstatus Nordirlands, wie er im Brexit-Abkommen festgelegt wurde, stößt in Teilen des protestantischen Lagers auf Widerstand. Die Provinz ist weiter Teil des EU-Handelsraums, um Warenkontrollen an der Grenze zum EU-Mitglied Irland zu verhindern. Stattdessen muss nun zwischen Nordirland und dem Rest des Vereinigten Königreichs kontrolliert werden. Im Nordirland-Konflikt standen sich jahrzehntelang protestantische Befürworter der Union mit Großbritannien und katholische Anhänger einer Vereinigung der beiden Teile Irlands gegenüber.

Bereits nach den Ausschreitungen am Wochenende hatten sowohl die Unionisten als auch Vertreter von Sinn Fein Ruhe angemahnt. Mehrere Sinn-Fein-Politiker kritisierten jedoch, die Unionisten hätten durch ihre Rhetorik die politischen Spannungen erhöht.

Johnson zeigt sich "zutiefst besorgt"

Der britische Premierminister Boris Johnson zeigte sich nach den erneuten Gewaltausbrüchen "zutiefst besorgt". "Der Weg, Differenzen zu lösen ist durch Dialog, nicht durch Gewalt oder Kriminalität", schrieb Johnson auf Twitter. Auch Nordirlands Regierungschefin Arlene Foster verurteilte die Gewalt: "Das ist kein Protest. Das ist Vandalismus und versuchter Mord", teilte sie mit. Foster gehört der protestantischen und probritischen DUP an.

Im Nordirland-Konflikt, der erst 1998 mit dem Karfreitagsabkommen endete, standen sich jahrzehntelang mehrheitlich protestantische Befürworter der Union mit Großbritannien und überwiegend katholische Anhänger einer Vereinigung der beiden Teile Irlands gegenüber. Auch die Polizei und das britische Militär wurden in den Konflikt hineingezogen. Mehr als 3600 Menschen starben, fast 50.000 wurden verletzt. Noch immer ist die Gesellschaft tief gespalten.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 08. April 2021 um 09:21 Uhr.