Die Seeschleuse bei Ijmuiden verbindet die Nordsee mit dem Hafen von Amsterdam (Niederlande) | AFP

Niederlande Eine Schleuse über 500 Meter

Stand: 26.01.2022 07:00 Uhr

In den Niederlanden wird die größte Seeschleuse der Welt eröffnet, die die Nordsee mit dem Hafen von Amsterdam verbindet. Doch auch die Baukosten waren rekordverdächtig - und Bauern machen sich Sorgen.

Von Ludger Kazmierczak, WDR-Studio Den Haag

Sie ist schon jetzt ein Hingucker und lockt täglich viele Schaulustige an: die neue "Zeesluis" von Ijmuiden - die Schleuse, die den Amsterdamer Hafen mit der Nordsee verbindet. Besucher staunen, wie "unglaublich groß" sie ist und schwärmen von ihrer Schönheit.

Ludger Kazmierczak ARD-Studio Den Haag

Niedrigwasser ist kein Problem mehr 

Das gigantische Bauwerk im Nordseekanal ist 500 Meter lang, 70 Meter breit und 18 Meter tief. Damit können große Frachter selbst bei Niedrigwasser den Kanal passieren. Die Arbeiten an dem XXL-Projekt haben 2016 begonnen, und eigentlich hätte die Schleuse schon drei Jahre später fertig sein sollen.

Daraus wurde nichts. Mit mehr als zwei Jahren Verzögerung und Mehrkosten von rund 200 Millionen Euro kann der Bau erst jetzt seiner Bestimmung übergeben werden.

Für Jan Rienstra von der Wasser- und Straßenbehörde Rijkswaterstaat ist das aber kein Grund zur Kritik. Man könne eben am Anfang die Kosten "nur sehr grob veranschlagen". Erst später trete man "in den Dialog mit dem Markt" - und dann würden die Details deutlich. Natürlich wäre es auch der Behörde "lieber gewesen, dass es gepasst hätte", aber man müsse auch professionell und realistisch sein: "Wenn es zu dem Preis nicht geht, muss das Budget halt aufgestockt werden."

Die Seeschleuse bei Ijmuiden verbindet die Nordsee mit dem Hafen von Amsterdam (Niederlande) | AFP

Immer größere Schiffe - mit dem Trend müssen sich viele Häfen beschäftigen. Häufig bedeutet das: Neubau und Ausbaggerung Bild: AFP

Müssen die Bauern und Tulpenzüchter leiden?

Kritik gibt es noch von anderer Seite. Die Obst- und Gemüseanbauer und vor allem die vielen Tulpenzüchter in der Region machen sich Sorgen um ihren Grund und Boden, denn bei jedem Schleusenvorgang fließe Salzwasser in den Nordseekanal, sagt Jaap Bond, der Sprecher der Blumenzuchtbetriebe. Und wenn die gesamte Ernte missglücke und man auch die nächste Ernte nicht einfahren könne, weil der Boden versalzen ist - "dann hast du als Züchter ein Problem".

Rijkswaterstaat verspricht Abhilfe. Die Behörde baut im Kanal eine Anlage, die das Salzwasser zurück in die Nordsee pumpt. Allerdings wird dieses Bauvorhaben erst Ende 2024 fertig. Bis dahin kann die neue Schleuse nur eingeschränkt genutzt werden. Technisch, so Rienstra, sei sie aber voll funktionsfähig. Seit dem Sommer habe man sich mit der Anlage vertraut gemacht, viel getestet und ausprobiert und sogar große Schiffe hineingelassen - "um zu gucken, wie die sich in der Schleuse verhalten".

Bescheidene Zeremonie

König Willem Alexander wird die "Zeesluis Ijmuiden" am Nachmittag eröffnen - wegen Corona in kleinem Kreis und ohne große Zeremonie. Coby Springers ist froh, dass der Bau damit endgültig abgeschlossen ist. Sie wohnt direkt neben der Schleuse und musste in den vergangenen sechs Jahren viel Lärm ertragen.

Jetzt, freut sie sich, kehre endlich wieder Ruhe ein. Und dennoch sei es schön, den Bau der "Zeesluis" miterlebt zu haben und nun an der größten Schleuse der Welt zu wohnen.

 

Über dieses Thema berichtete WDR5 Morgenecho am 26. Januar 2022 um 06:50 Uhr.