Der niederländische Premierminister Rutte an seinem Schreibtisch | BART MAAT/EPA-EFE/Shutterstock

Lockdown in den Niederlanden "Müssen in diesen sauren Apfel beißen"

Stand: 15.12.2020 09:05 Uhr

Der Corona-Inzidenzwert in den Niederlanden liegt bei über 330 - nun verhängt die Regierung einen Lockdown. Premier Rutte appellierte an seine Landsleute, so viel wie möglich zu Hause zu bleiben.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Schon der äußere Rahmen sollte signalisieren, dass die Lage ernst ist. Premier Mark Rutte hatte nicht wie sonst zur Pressekonferenz geladen. Er wandte sich in einer Fernsehansprache aus seinem Büro direkt an die niederländische Bevölkerung. Die Botschaft unmissverständlich und - mit den Worten Ruttes - alternativlos:

Ludger Kazmierczak ARD-Studio Den Haag

"Das Coronavirus greift noch schneller um sich, als wir gedacht haben. Und deshalb gehen die Niederlande nun für einen Zeitraum von auf jeden Fall fünf Wochen in den Lockdown. Die Niederlande machen dicht."

Nur noch zwei Gäste pro Tag

Dicht macht vor allem der Einzelhandel. Nur Supermärkte, Drogerien, Apotheken, Banken und Wochenmärkte dürften weiterhin öffnen, so der Ministerpräsident. "Ansonsten müssen alle Modeboutiquen, Baumärkte, Kaufhäuser, Möbelgeschäfte, Gartencenter, Elektroläden und was es sonst noch alles gibt, die Türen schließen."

Ziel des Lockdowns sei es, die Zahl der Kontakte auf ein Minimum zu beschränken, erklärte Rutte. Haushalte dürfen daher bis zum 19. Januar nur noch zwei Gäste pro Tag empfangen. An den Weihnachtsfeiertagen sind drei erlaubt.

Masseure, Tätowierer, Kosmetiker und Friseure müssen ihre Studios sofort schließen. Kitas, Schulen und Universitäten sollen am Mittwoch folgen. Unterricht, so die Entscheidung des Kabinetts, werde dann nur noch auf Distanz stattfinden. Und auch die Museen, Theater, Freizeitparks und Bibliotheken, die gerade erst wieder öffnen durften, gehen in den Lockdown.

Protest, aber auch Verständnis

Aus Protest gegen diese weitreichenden Maßnahmen begleiteten ein paar Dutzend Demonstranten vor dem Amtssitz des Premiers dessen Rede mit Pfiffen und Gejohle. Anders reagierten die Passanten im Zentrum der Universitätsstadt Leiden. Die meisten zeigten viel Verständnis für die verschärften Regeln.

Der Regierungschef appellierte an seine Landsleute, so viel wie möglich zu Hause zu bleiben und Fahrten mit Bussen und Bahnen zu vermeiden. Bis Mitte März, so Ruttes Empfehlung, sollten außerdem keine Auslandsreisen gebucht werden. Die Hotels im eigenen Land bleiben geöffnet, dürfen ihren Gästen aber weder Speisen noch Getränke anbieten.

"Ja, es wird besser"

Wir haben keine andere Wahl, betonte Rutte. Die Zahlen müssten nach unten. "Wir müssen in diesen sauren Apfel beißen, bevor es dann besser wird. Und ja, es wird besser. Es kommt der Moment, wo wir Corona hinter uns lassen und unser Leben wieder normal wird - mit ganz wenigen, oder gar keinen Einschränkungen. Aber das wird nicht sofort sein."

Noch vor ein paar Wochen hatte die Regierung das Ziel formuliert, die Zahl der Neuinfektionen auf unter 3600 pro Tag zu reduzieren. In der zurückliegenden Woche aber meldeten die Gesundheitsämter täglich mehr als 8000 neue Fälle.

 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Dezember 2020 um 09:00 Uhr.