Passanten laufen im Juni 2021 in Amsterdam an Restaurants und Bars vorbei. | REUTERS

Kampf gegen das Coronavirus Niederlande verschärfen Maßnahmen wieder

Stand: 10.07.2021 08:32 Uhr

Die Corona-Neuinfektionen steigen in den Niederlanden rapide an - und deshalb zieht die Regierung die Reißleine: Seit heute gelten wieder schärfere Auflagen. Für das Nachtleben bedeuten sie vorerst erneut das Aus.

Nach zwei Wochen ist mit den Freiheiten in den Niederlanden teilweise schon wieder Schluss: Wegen stark ansteigender Corona-Infektionszahlen entschied die Regierung, einige Maßnahmen wieder zu verschärfen.

Es trifft vor allem das Nachtleben: Clubs und Diskotheken müssen vorerst wieder komplett schließen. In einer Mitteilung auf ihrer Internetseite führt die niederländische Regierung die meisten Neuinfektionen auf das gemeinsame Feiern in der Clubszene oder auf Partys zurück.

So hatten sich etwa in der Stadt Enschede nahe der deutschen Grenze Hunderte, meist jugendliche Besucher eines Nachtclubs angesteckt. Dabei war der Einlass nur mit einem negativen Test oder dem Nachweis einer vollständigen Impfung oder überstandenen Infektion möglich. Es wird vermutet, dass zahlreiche Nachweise gefälscht worden sein könnten.

Sperrstunde tritt wieder ab Mitternacht in Kraft

Die seit Samstag gültigen, schärferen Auflagen in den Niederlanden schreiben auch wieder eine Sperrstunde für die Gastronomie vor: Restaurants, Bars und Cafés müssen zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens schließen. Außerdem bleibt für die Betreiber die Pflicht bestehen, zwischen den Tischen und Sitzplätzen der Gäste einen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Live-Musik oder andere Formen der live vorgetragenen Unterhaltung sind vorerst tabu.

Veranstaltungen wie Festivals, ohne feste Sitzplätze, dürfen vorerst nicht stattfinden. Bei anderen beispielsweise kulturellen oder sportlichen Events muss ebenso der Mindestabstand eingehalten werden.

Sorge vor Delta-Variante

In ihrer schriftlichen Stellungnahme betonte die niederländische Regierung, dass sie "keine andere Wahl" habe, als die Beschränkungen wieder zu verschärfen. Die ansteigenden Infektionszahlen seien ein Risiko für all diejenigen, die noch nicht vollständig gegen das Coronavirus geimpft seien. Die sich ausbreitende Delta-Variante vergrößere dieses Risiko noch und habe auch schon zu Ansteckungen bei Menschen geführt, die einen vollständigen Impfschutz besäßen oder schon einmal infiziert gewesen seien. In den Niederlanden sind mittlerweile etwa 40 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Rund zwei Drittel haben die erste Impfdosis erhalten.

Ebenso mahnte Ministerpräsident Mark Rutte: "Wir müssen die schnelle Verbreitung des Virus abbremsen." Auch aus der Sorge heraus, dass andere Länder die Niederlande wieder zum Risikogebiet erklären könnten und dementsprechend der Reiseverkehr wieder eingeschränkt werden könnte.

Fast 7000 neue Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden

Die Gesundheitsbehörden in den Niederlanden hatten am Freitag fast 7000 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Seit Monatsbeginn steigen die Fallzahlen wieder kontinuierlich an, während sie in den Wochen zuvor deutlich niedriger gewesen waren. Seit Mitte Juni bis Anfang Juli hatten die täglichen Werte die Grenze von 1000 nicht mehr überschritten. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität und des European Centre for Disease Prevention and Control derzeit bei 129.

Die Niederlande hatten ihre Corona-Auflagen erst am 26. Juni nahezu vollständig aufgehoben. Die nun wieder verschärften Maßnahmen sollen vorerst mindestens bis zum 13. August gelten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Juli 2021 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Margitt. 10.07.2021 • 12:37 Uhr

09:12 von harry_up: Laumann =>NRW =>Laschet =>BT-Wahl

<<< Ich konnte Herrn Laumann nicht so recht verstehen, der bei LANZ kürzlich gegen den ausdrücklichen Rat der anwesenden Kollegen dezidiert die beschlossenen Öffnungen verteidigte. Es sei genügend Impfstoff vorhanden, auch würden Konzepte entworfen, wie der an die Leute gebracht werden könne; nur: So weit sind wir doch noch gar nicht. >>> Ich denke, dass Laumann die Meinung von Laschet vertritt und Laschet tut derzei alles, um Wählerstimmen zu gewinnen. Sich gegen Öffnungen auszusprechen, ist vor Wahlen eben unpopulär.