AstraZeneca-Impfstoff | AP

Corona-Pandemie Auch Niederlande setzen AstraZeneca-Impfungen aus

Stand: 15.03.2021 04:16 Uhr

Immer mehr Länder stoppen die Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin - nun auch die Niederlande. In dem Land selbst seien aber keine Fälle von schweren Nebenwirkungen bekannt, so die Behörden.

Auch die Niederlande setzen die Impfungen mit dem Vakzin des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca vorübergehend aus. Die Verwendung des Impfstoffs werde für zwei Wochen gestoppt, teilte Gesundheitsminister Hugo de Jonge mit. Die Arzneimittelbehörde habe dies als Vorsichtsmaßnahme empfohlen. Dies geschehe auf der Grundlage "neuer Informationen". Dabei bezog sich der Minister auf sechs Fälle möglicher Nebenwirkungen in Dänemark und Norwegen an diesem Wochenende.

"Die entscheidende Frage ist, ob die Beschwerden nach oder wegen der Impfung auftraten", sagte de Jonge. In den Niederlanden sei bislang kein Fall bekannt, bei dem es zu schwereren Nebenwirkungen gekommen sei. "Wir müssen immer auf Nummer sicher gehen", sagte der Minister. "Daher ist es klug, nun auf die Pausetaste zu drücken."

Auch Irland stoppt Impfungen

Am Sonntag hatte sich bereits die Impfkommission in Irland für ein Aussetzen der Impfungen mit dem Präparat ausgesprochen, bis Berichte aus Norwegen über schwere Blutgerinnsel geprüft seien. Als erstes Land hatte Dänemark am Donnerstag die Impfungen mit dem Vakzin ausgesetzt. Die dänische Gesundheitsbehörde erklärte aber, es sei noch nicht abschließend geklärt, ob es einen Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Gerinnungsstörungen gebe. Auch Norwegen, Island und Bulgarien verkündeten die Aussetzung der Impfungen.

Die italienische Region Piemont hatte am Sonntag nach dem Tod einer geimpften Lehrkraft ebenfalls zeitweise die Impfungen gestoppt. Man handle aus "extremer Vorsicht", bis man herausfinde, ob die Impfung mit dem Tod in Verbindung stehe, erklärten die Behörden. Bisher seien im Piemont keine Probleme mit dem Vakzin gemeldet worden. Am Abend wurden die Impfungen wieder aufgenommen, nachdem die Charge ausgemacht wurde, mit der die Person geimpft worden war. Die Impfungen gingen mit anderen Chargen weiter.

EMA: Nutzen größer als Risiken

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA erklärte, dass es keine auffällige Häufung von Thrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gebe und dass der Nutzen der Verabreichung des AstraZeneca-Mittels größer sei als die Risiken. AstraZeneca selbst wies erneut Zweifel an der Sicherheit des Präparats zurück. Der Hersteller veröffentlichte eine Mitteilung, in der die Sicherheit des Vakzins "basierend auf klaren wissenschaftlichen Beweisen" betont wurde.

Der AstraZeneca-Impfstoff ist seit Januar in der EU zugelassen. In Deutschland und mehreren anderen europäischen Länder war das Vakzin zunächst nur für Menschen unter 65 Jahren zugelassen worden, weil belastbare Daten für die Wirksamkeit bei älteren Menschen zunächst fehlten. Inzwischen wird der Impfstoff aber auch für Senioren empfohlen.