Sigrid Kaag erklärt ihren Rücktritt. | EPA

Niederländische Außenministerin Rücktritt nach Chaos in Kabul

Stand: 17.09.2021 09:14 Uhr

Die niederländische Außenministerin Kaag ist als Konsequenz aus der chaotischen Evakuierungsmission aus Kabul zurückgetreten. Sie räumte ein, dass die Regierung langsam und planlos auf die Lage in Afghanistan reagiert habe.

Die niederländische Außenministerin Sigrid Kaag hat nach einer scharfen parlamentarischen Rüge wegen Versäumnissen bei Evakuierungen aus Afghanistan ihr Amt niedergelegt. Am Donnerstag nahmen Abgeordnete einen Missbilligungsantrag an, der die Regierung für Fehler bei der Organisation der Luftbrücke tadelt. Kurz darauf kündigte Kaag an, dass sie ihren Rücktritt einreichen werde.

Das Parlament habe entschieden, dass "das Kabinett unverantwortlich agiert hat". Als "Ministerin mit der ultimativen Verantwortung" könne sie nichts anderes tun, als die Konsequenzen dieser Entscheidung zu akzeptieren, sagte Kaag mit Blick auf den Missbilligungsantrag.

Parlamentsmehrheit für Missbilligung

Zuvor hatte sie in einer Parlamentsdebatte eingeräumt, dass die Regierung schleppend und chaotisch auf Warnungen zur Situation in Afghanistan reagiert habe. Dies habe dazu geführt, dass einige Ortskräfte und Menschen, die für die niederländischen Truppen als Übersetzer gearbeitet hatten, vor oder nach der handstreichartigen Machtübernahme der Taliban nicht außer Landes hätten gebracht werden können, bekannte sie.

Der Antrag gegen Kaag war von der zur Regierungskoalition gehörenden Christenunion unterstützt worden, wie ein Abgeordneter der Partei im Vorfeld mitteilte. Dadurch kam die Mehrheit für die parlamentarische Missbilligung zustande. Eine solche Rüge bekam auch Verteidigungsministerin Ank Bijleveld, ein Mitglied der Christenunion.

Auch der britische Außenminister musste gehen

Am Mittwoch hatte der britische Außenminister Dominic Raab sein Amt als Chefdiplomat wegen Kritik an seinem Umgang mit der Afghanistan-Krise verloren. Auch der britischen Regierung wird vorgeworfen, nicht genügend Menschen aus Afghanistan gerettet zu haben. Vor allem Raab wurde deutlich kritisiert, weil er während der Machtübernahme der Taliban nicht sofort seinen Urlaub auf einer griechischen Insel abgebrochen hatte.