Ein älterer Mann geht an einem Autohaus vorbei, das nach einem russischen Angriff in Saporischschja (Ukraine) zerstört wurde. | AP

Krieg gegen die Ukraine Wieder Luftalarm im ganzen Land

Stand: 11.10.2022 13:18 Uhr

Wieder sollen russische Raketen auf ukrainische Ziele abgefeuert und Kampfdrohnen eingesetzt worden sein. Dabei wurde laut Kiew auch eine Schule getroffen. Das UN-Menschenrechtsbüro spricht von möglichen Kriegsverbrechen.

Ukrainische Behörden haben in mehreren Regionen erneut Angriffe russischer Raketen und Kampfdrohnen gemeldet. Landesweit wurde Luftalarm ausgelöst. Unter anderem gaben die ukrainischen Behörden an, Saporischschja im Süden des Landes sei mit Raketen beschossen worden. Diese hätten eine Schule, eine medizinische Einrichtung und Wohngebäude getroffen, wie der Sekretär des Stadtrats, Anatolij Kurtew, laut der Nachrichtenagentur AP mitteilte.

Nach Angaben des Katastrophenschutzes, auf die sich die Agentur ebenfalls bezieht, schlugen zwölf S-300-Raketen in öffentlichen Einrichtungen ein und lösten einen Großbrand aus. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer, die die regelmäßigen Sirenen in der Vergangenheit ignoriert hätten, hätten demnach angesichts der russischen Angriffe vom Montag doch wieder Schutzräume aufgesucht.

Feuerwehrleute bei Löscharbeiten nach einem russischen Raketenangriff in Saporischschja am 11. Oktober. | via REUTERS

Feuerwehrleute bei Löscharbeiten nach einem russischen Raketenangriff in Saporischschja am 11. Oktober. Bild: via REUTERS

Bestätigung russischer Militärblogger

Auch in der Umgebung der Hauptstadt Kiew und im Gebiet Chmelnyzkyj habe es Explosionen gegeben, die Luftabwehr sei zum Einsatz gekommen, teilten offizielle Stellen mit. Das Gebiet Dnipropetrowsk soll ebenfalls angegriffen worden sein. Kremlnahe russische Militärblogger bestätigten laut Angaben der Nachrichtenagentur dpa den massiven Beschuss der Ukraine mit Raketen.

Ukrainische Medien berichteten, am Dienstagmorgen seien 20 Raketen eingeschlagen. Am Vortag hatten die ukrainischen Behörden mehr als 80 russische Angriffe gezählt. Viele seien durch die Luftabwehr abgewendet worden. 19 Menschen seien ums Leben gekommen.

UN-Menschenrechtsbüro: Könnte sich um Kriegsverbrechen handeln

Die jüngsten russischen Angriffe in der Ukraine könnten nach erster Einschätzung des UN-Menschenrechtsbüros Kriegsverbrechen darstellen. Gezielt Zivilisten oder Infrastruktur wie Kraftwerke, die die Menschen zum Überleben brauchen, ins Visier zu nehmen, sei nach internationalem humanitären Recht verboten, sagte eine Sprecherin des Büros in Genf.

"Die Orte und die Uhrzeit der Angriffe - als die Menschen zur Arbeit gingen oder Kinder zur Schule brachten - das ist besonders schockierend", so Sprecherin Ravina Shamdasani. Zwölf Energiebetriebe und andere wichtige Infrastruktur seien getroffen worden.

Das UN-Menschenrechtsbüro rief Russland auf, von einer weiteren Eskalation abzusehen und alles in seiner Macht stehende zu tun, um Zivilisten zu schützen und Schäden an ziviler Infrastruktur zu vermeiden.

Elf NATO-Staatschefs wollen Verantwortliche vor Gericht bringen

Auch die Präsidenten von elf NATO-Ländern in Mittel- und Osteuropa haben die jüngsten russischen Raketenangriffe auf die Ukraine scharf verurteilt. "Im Namen unserer Staaten fordern wir, dass Russland die Angriffe auf zivile Ziele sofort einstellt. Wir werden in unseren Bemühungen nicht nachlassen, die Verantwortlichen der heutigen Verbrechen vor Gericht zu bringen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Unterzeichnet wurde sie von den Staatschefs von Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Nordmazedonien, Montenegro, Rumänien, Ungarn, Slowenien und der Slowakei.

In ihrer Erklärung verwiesen die Staatsoberhäupter auch darauf, dass Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit keinerlei Verjährungsfristen und der Gerichtsbarkeit von Gerichten auf der ganzen Welt unterliegen.

In Verbindung mit dem Krieg hatte der Kreml wiederholt auch indirekt mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. "Jegliche Drohungen russischer Vertreter, Atomwaffen einzusetzen, halten wir für inakzeptabel. In diesem Zusammenhang bekräftigen wir unsere Verpflichtung, unsere Länder und Verbündeten zu schützen", schrieben die elf Staatschefs weiter.

Über dieses Thema berichteten am 11. Oktober 2022 tagesschau24 um 12:40 Uhr und die tagesschau ab 14:00 Uhr.