Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny vor Gericht (Archivbild) | dpa

Inhaftierter Kremlkritiker Nawalny tritt in Hungerstreik

Stand: 31.03.2021 18:15 Uhr

Aus Protest gegen schlechte medizinische Versorgung und Folter im Gefängnis ist der russische Oppositionspolitiker Nawalny in einen Hungerstreik getreten. Seine Mitarbeiter sorgen sich ohnehin schon um den Gesundheitszustand des Kremlkritikers.

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny hat nach eigenen Angaben einen Hungerstreik im Gefängnis begonnen. "Ich bin in den Hungerstreik getreten, damit das Gesetz eingehalten wird und ein Arzt meiner Wahl mich besuchen darf", teilte Nawalny auf Instagram mit. Der 44-Jährige leidet nach eigener Darstellung an schweren Rückenschmerzen, die in sein rechtes Bein ausstrahlen und dort zu Lähmungserscheinungen führen. Ärzte und seine Anwälte befürchten, dass er das Bein verlieren könnte. Auch seine Mitarbeiter hatten sich zuletzt besorgt über dessen Gesundheitszustand gezeigt.

"Ich liege nun hungrig, aber noch mit beiden Beinen", sagte Nawalny in dem Beitrag, der über seine Anwälte veröffentlicht wurde. Er habe das Recht auf einen Arzt und auf Medikamente, doch erhalte weder das eine noch das andere. Der Hungerstreik sei das einzige Mittel des Kampfes für ihn. Auch im linken Bein habe er bereits stellenweise das Gefühl verloren. "Statt medizinischer Hilfe erhalte ich Folter durch Schlafentzug (sie wecken mich acht Mal pro Nacht) ..." Mitgefangene hätten ihn wissen lassen, dass das Leben eines Häftlings in dem Lager weniger wert sei als eine "Schachtel Zigaretten".

Seine Vergiftung habe ihn über die Ursache für sein derzeitiges Leiden rätseln lassen, erklärte Nawalny. Der russische Gefängnisdienst teilte in Reaktion auf Nawalnys Nachricht mit, dass dieser "alle nötige medizinische Hilfe im Einklang mit seinen derzeitigen gesundheitlichen Indikatoren" bekommen habe. Nawalny wirft den Behörden vor, sie hätten ihm nur einfache Schmerztabletten und eine Salbe für seine schmerzenden Stellen gegeben. Sie hätten sich geweigert, ärztlich verschriebene Medikamente zu genehmigen und die Diagnose von seiner Untersuchung mitzuteilen.

Umstrittene Verurteilung

Nawalny ist in Pokrow rund 100 Kilometer östlich von Moskau im Gebiet Wladimir inhaftiert. Die russische Allianz der Ärzte - eine unabhängige Gewerkschaft - hatte bereits einen offenen Brief an den Strafvollzug geschrieben mit dem Appell, Nawalny rasch medizinische Hilfe zukommen zu lassen.

Ein russisches Gericht hatte Nawalny, Russlands bekanntesten Oppositionspolitiker, im Februar zur Haft im Straflager verurteilt. Während er sich in Deutschland von einem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok erholte, soll er gegen Meldeauflagen bei russischen Behörden in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben. Die EU und die USA kritisieren das Vorgehen als politisch motiviert. Sie fordern Nawalnys Freilassung und haben gegen Russland unter anderem wegen des Attentats auf den Politiker Sanktionen verhängt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. März 2021 um 18:00 Uhr.